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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 6 (1855) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
6 (1855)
Date
1855-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Z" Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem Gebiete. Heraus-e-ebe» »o» , Rabbiner Pr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. , lRo. «. 1885-1 v„ rrfteiRt »ö^r»Mck et»e Drei« re» 3*tr ,«»,< I Kblr. 8ifrt<l|Ütij TA Mur. Mir *>ii*b»H»tini»ro, un» zriiu»>«exre»i»s»>»» Mtwni VrAe»»»,«» «t. **23« [ z <I,hrß. L ÄiirtiL] Die drei Rationen. *) i. Der Sturm jagte die Wolken am dunkeln Himmel mit furchtbarer Eile. Er ließ ihnen selten Zeit, ihren feuchten Inhalt auf die Erde zu senden, und wenn dieeiner Wolke gelang, so geschah et nur in plötzlichem Tuffe, der in schiefem Zuge die schweren Tropfen tief in den Boden schlug. Bald war ste vorüber, und dann beugte der Sturm wieder ungestört die RtesenstLmme des Urwaldet; dort knickte er Tipfel ab, die schon viele Jahrhunderte stolz über den Nachwuchs hinweggrschaut, dort kehrte.er eine Wurzel aut ihrem irdischen Hause zum Himmel empor. Der Boden war schon längst fast zu Morast verwandelt, und das Dunkel des Waldeließ kaum einige Schritte vor stch sehen. Bor dem Heulen und Krachen war alles Lebende in irgend Zufluchttbrter geflohen, und seine Rolle, die Lust mit T-nen zu erfüllen, die das vollpulstrende -eben der Natur kund th«a. hatte da» faß Lautlose und Stillschweigende übernommen. Dennoch arbeitete stch ein Mensch auf kaum angedeu» tetem Fußpfade durch den amerikanischen Wald. Wenn die Natur mit all' ihren Schrecken auf ist, fliehet dennoch der Mensch nicht vor ihr, sondern drängt sich mühsam und seufzend, feiner schweren Aufgabe bewußt, durch sie hindurch. > Eine sonderbare Gestaü. . . Hatte er noch nicht genüg an stch zu schleppen, »o* bald eine ungehsire Lache ihm bis an die Knie da- Waffer trieb, wo bald eia angeschwvllener Bach ihn forszuschweMmen drohte, und selbst wenn er wieder festen Boden unter stch halse, er bald da» hin. bald dorthin glitschte, bald mit dem Kopf gegen einen Ast, bald mit dem Fußi gegen eine ungeheure Wurzel stieß, bald mir dem Kleide an den Dornen dichten Srrauchwerkt hängen blieb, hotte er. sage ich, da noch nicht genug an stch zu schleppen, daß er noch ein ungeheures Bündel auf dem Rücken und Nacken trug, im Türtel ein Paar Pistolen, in der Ha»d einen eisenbeschlagenen Kno» tenstock? Seine Füße staken in ungeheueren büffelledernen Stiefeln, die wett über dis Lenden reichten, kurze lederne Beinkleider, eine lange ttuhene Jacke, die über die Hüsten hinunterging, ein runder Hut mit breiten, herabschlagen» de» Krempen, mit Wachstuch überzogen — vollendete» sei» *) Der Snfiuia dieser Novelle stand in eine» ststhere» Jahrgänge der Allg. Ztg. d. Judenth. Wir gebe» ste dollendet «n dieser Stelle. Aedaet. «er. der weit nach Westen von Riederlaffung z» Nieser« laffung. von Blockhütte zu Blockhütte das Tausend seiner kleinen und großen Dinge trägt, um, überall willkommen, die kleineren Bedürfnisse der Ansiedler zu bestiedigen, oder ihnen Solche wieder zu schaffen, nachdem sie ste lange Zeit in ihren entfernten Waldsttzen vergeffev oder aufgegeben batten. _ So unwegsam der Wald war, namentlich in diese« schrecklichen Wetter, so schien der Krämer doch mit ihm bekannt; denn wenn er von Zeit zu Zeit den Kopf unter seiner Last erhöben, und »tt der steten Hand seine» Hut hinaufgeschoben, wobei er de« Knotenstock unter den Packen als Stütze brauchte — so setzte er nach kurzer Umschau seine Wanderung, ober besser ftin Dorwärtsdringtt» mir Sicherheit fort, sei es, daß er die Anzeichen des Pfad,» erkannt, sei es, daß er aus anderen Kennzeichen, welche eine längere Erfahrung tb» gelehrt hatte, die Weltgegen». der er zusteuerte, geschloffen habe. Doch es ist uns nicht darum zu thun, seine mühsellge Pilgerschaft zu beschreiben, "und das Mitgefühl, -für den armen Wanderer zu wecken. Es ist just nicht immer das Schreckhafte des Wetters, das Mühselig, der Elemente, welches dem Menschen die größte Qual schafft — — ich habe Fälle gesehen, wo Menschen in trocknen, warmen, hellerleuchteten Zimmern, auf weichem Pfühle unsäglichere Schmerzen litten. .Aber der Sturm machte es unser« Krämer doch sehr bitter, seinem Ziele sich zu nähern, und die sich immer wiederholenden Schwierigkeiten erschöpften alle feine Kräften „Fürwahr, ich kann kaum weiter." sprach er. als er wieder etnm Augenblick anhiett, zu sich selbst, „aber es ist unmöglich, hier zu bleiben?- ich käme um, wenn die Nacht mich hier ttäst. wo ich keinen trocknen Zoll unter und auf dem Leibe Hobe . . doch das tröstet mich, daß ich recht bin und sehr »ahe schon . drum weiter, ob ich es schon so srg noch nicht erlebt habe . . . doch ttügt'S mich nicht, so muß es bald noch ärger kommen ... der Sturm wird gleich aufhören, und schwere Gewitter dafür heraufkommen . . . eile, eile. David. . .." Und er raffle sich auf, und drang mit dem letzten Rest feister Kräfte vorwärts. Wirklich hörte her Sturm bald out, und stieß nur noch dann und wann ein hohles Brausen aus? wie um sein Erlöschen selbst zu bekunden. Der Wald war jetzt schweigsam wie der Tod. nur hie uad da rauschte eine Ansammlung von Waffer hinab. Dt/Bäome standen regung-los. Eine drückende Schwüle breitere sich schnell au«.

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