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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 4 (1855) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
4 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 gend umher, und schlachtete für die Juden. welche dem» arach zu allen andern Zeiten Fleischspeisen entbehren «üßten. Da- Schlachten geschiedt mit einem langen, zweischneidigen, scharfen, gutpolirten Messer, welcheer mir zeigte, daich aber nur am Schaft berühren durfte. Er -wohnte' in ^ra-nojar-k. ungefähr 40 Meilen südlich von Jeniseisk. und war nach JrkutSk gereist, um über den Stadkvogt Richter Beichwerde zu führen, der ihn dreimal in» Gesängniß geworfen hatte, um Gelb von ihm zu er» pressen und ihm außerdem Geld und Maaren, die ihm gestohlen waren, vorenthalten hatte. Schmerka war nämlich von ^kraSnojarSk nach einem nah gelegenen Markte gefahren, um eine Quantität Talg im Merthe von 400 Rubeln zu verkaufen. Zn einem Walde war er überfallen und auSgeplündert worden; die Räuber hatte man entdeckt und ihnen die Maaren genommen, aber der Stabil vogt wollte sie nicht allSliefern, obwohl er vom General- Gouverneur dazu Beseht bekommen hakte. ES ist die gewöhnliche PrariS dieser Herren, daß, wenn die Diebe entdeckt werden, der Eigenlhümer Gott danken kann, wenn er die Halft« zurückdekomml; daS Uebrige gehr in de» StadkvögtS Lasche. Im vorigen Winter hatten wir die beiden eleganten steinernen Häuser gesehen, welche dieser Ltadwogr in KrasnvjarSk besaß. Da der Gehalt dieser Beamten nur 400 Rubel Papier (etwa 150 Thaler) beträgt, so müssen sie fast betrügen, um zu leben. Nach rm Haar Jahren werden ste abgesetzt, und ein Anderer kommt . an ihre Stell^ der dann genökhigt ist. da anzufangen, wo sein Vorgänger aufhörte. Richter stand allgemein in ..dem Ruse, ein, großer Spitzbube zu sein, und Schmerka sagte: ,.All mein Uyglück habe ich ihm zu verdanken." Wahrend er ist JrkutSk war. hatte er von seiner Frau einen Brief bekommen, worin ste ibm errählte, daß ste, vielleicht auf Veranstaltung deS Skadtvogt», auSgeplün- .dert und mit ihrer Tochter beinah zu Schanden geschlagen ' worden wäre. Schmerka sagte oft, daß er nicht schlafen könne, so betrübt sei er in seinem Herzen; er "schlief auch jede Nacht-nur zwei Stunden.und ein paar Stunden am Tage."' Auf der Flußreise, erwähnt dtr Professor seine» jüdischen Reifegefävrten. und immer freundlich.-Einmal sagt er: ..Unser Schmerka entdeckte, vbschon in ziemlicher Enr« sernung, einen hebräischen Bruder am Strände," und macht die Bemerkung: „Die Juden in Rußland dulden e» nicht, daß man sie Schid (Zuoe) rienns, und antworten nicht, wenn sie mit'diesem Namen angeredet, werveit Aber ruft man: Zewru! (Hebräer). so antwortet er -höflich': Tschtv ti chotcheö? (WaS willst du?)"— Ein ander Mal steht er ihn deren mit Tallirb und Thephillin,. und beschreibt diese.ziemlich richtig. Er erzählt auch Folgende-: „Den 16. Juni'Hanen wir die ganze »Nacht gerudert, und alS ich nach einem guten Schlafe um steben Uhr hinaufkam. erzählte Gustav,'baß unser Schmerka sich mit Entsetzen darüberbeklagt hätte, daß er jetzt nicht mehr mit dem Keffer der Bauern (m Mannschaft) Brot schneiden könne; „denn jetzt erschlagen die Buren die Läuse auf dem Messers" Die Juden sind ungemein eigen' mit ihren Geräthen. Er hatte ein Keffer zum Brot, ein andere« zu» Käse, ein drittes zu unreineren Dingen, welche nicht eßbar sind. Sie dürfen nur in thönernen Gefäßen kochen, und man darf nichts mit dem Messer oder der Gabel ober irgend einer Art Metall daraus nehmen. Eines Tage» beklagte er sich bei mir darüber, daß „die dummen Kosacken seinen Topf genommen und Eier darin gekocht, und dann die Eier mit einem zinnernen Löffel herau-g,nommen hätten, wodurch der Topf tref (unrein) geworden wäre, so daß er ihn in den Fluß werfeit mußte." Ich fragte ihn, wie sie die Eitr wohl sonst herauSbekommen sollten.-„36! sie konnten sie mit den Händen herau»- nehmen." — Aber daß. kochende Wasser ist nicht angenehm,. sogar nicht für Kosackenfäüste. — „Sie konnten da« Wasser abgießen, und dann die Eier herouSrollen." — Gustav harre einen neuen irdenen Topf gekauft, worin er Eier für mich kochte, Schmerka bat um Erlaubnis, hinterher Eier darin zu kochen; er stand dann die ganze Zeit bei Gustav, um darauf zu.sehen, daß der Napf nicht für ihn entheiligt wurde. Ich bot »hm am Anfänge der Reise Thee an. wenn ich selbst getrunken hatte, aber er machte viele Entschuldigungen und bat endlich demüthig, ob er ihn inseine erzene Taffe gießen dürfte. Da-ich öfter seine Verlegenheit bemerkte, wenn ich ibm irgend etwaanbot, und daß er mir Höstichkeil und Hunger auf der einen, und feinen Religionsbegriffen auf der anderen Seite im-Sireite lag. io hörte ich damit auf. Um ein Glas Bier und ein GlaS Rum bat er jedoch in einem felrenen-Falle. da sein Magen gar zu sehr in Unordnung war. Ich fürchtete zuletzt, daß er vor unseren Augen verhungern würde, da AlleS „tref" und Nichts „koscher" (rein) war. Er sagte einmal zu Gustav: „Der Herr Professor sagt, ich werde verhungern, und fragt mich, ob ich mit essen will; ach, was soll ein Jude wohl essen?" — Endlich, nachdem Schmerka daS Schiss verlassen hatte, berichtet, der Professor: Sonntag den 21. besuchte mich . mein braver Schmerka, trank eine Taffe Thee und rauchte eine Pfeife Tabak bei mir. Er übvreichte mir eine Klage über den Stadkvogt in KraSnojarsk, die er mich bat, dem Gensd'arm-Obersten Moslaw zuzustellen. der vom Kaiser abgeschickt war, um als Inquisitor oder General Fiskal über ganz Sibirien die Protokolle aller niederen und höheren Beamten bi» zum General-Gouverneur durchzufehn; — rin Mann, bei dessen Namen die Kniee aller Beamten zitterten, und den wir in ZrkurSk getroffen hatten, und später an vier verschiedenen Orten fanden. Schmerka dankte mir für mein Benehmen gegen ihn und sagte, daß e» ein große» Glück für ihn war, daß er mit mir gereist sei, indem er hinzufügte: Hätte ich niet mit dem Herrn Professor gereist, so hätten die »Buren mich sehr schlecht behandelt. jetzt dürften sie niet, do sie foben, daß der Herr Professor freindlich gegen mich wor. Die hieflgen Juden hoben mich gefrozt: „„wie hat der Herr Professor Dich behandelt?"" Ich Hobe geantwortet: er Hot mich behandelt wie ein Boter; er Hot mir Essen und Trinken gegeben, wenn ich niet mehr hätte. Ich Hobe» jetzt an mine Fro geschrieben und erzählt, wie gut der Herr Professor gegen mich gewesen ist: Ich Hobe dem lebenhigen Gott für den Herr» Professor gebeten, jeden Morgen und jeden Obenv, daß er fine Reife glücklich enden möge und sine Fro und Kinder gesund finden möge im Boterlanbe" u. s. w. ,Jn der Woche, die ich in Jeniseiök blieb, um Vorbereitungen zu einer Reise auf dem Jenisei nach TuruchanSk unter dem Polarkreise zu treffen, die wissenschaftlichen Beobachtungen auözuführen und eine Menge Briefe

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