Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 4 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches VolkMatt. 3ur . Le ' Unterhallung aus jüdischem Hebiete.! HeranSgtgebe» vc>» sRo. 4. 18SS j Rabbiner vr. Ludwig Philippsoll in Mshdettlrg. von ki,k«r gtlifldrin ,rtck>,tn» w-<t>en«Itt »in, Ru»»,r. Prei« e,» Aadr. q-inA« , Zblt. [©i,n<ljäbna ll/? J,,r. .HO« fcutfcboncluigt*.,PoKLmler «n» Ztilunglespekinoutn oedme» ^ekLllun,«o «y. -*-- l3.<Z«hrß. LQsirlflLJ Die allgemeine Menschenliebe bei unsren Bätern. Wir müssen es uns, wir müssen eS Andern immerfort und immer wieder vorpredigen, wie die wahre allgr n> es ne Menschenliebe ein Gut und eine Gabe Israel'- an die Menschbeit rst, wie sie in Wort und Thal längst heimisch war bei.unsren Vätern, bevor ste von diesen vermittelst der anderen positiven Religionen in die Menschheit überging. '* Wir weisen heute zurrst auf die allbekannten Pirke Aboth hin- Diese auS 3 Kapiteln und deiner boraitha bestehende Seiuenzensammlung enthält in> den ersten 4 Kapiteln die AnSsprüche von 63 der ausgezeichnetsten jü> bischen Lehrer, von den V ten an biS zur Zeit der einige AuSfprüche hervor, allgemeinen Menschenliebe orgängern SimopS des Gerechnächsten Nachfkslger R. Juvi Hanaßi'S, also auS 450 Zähren. Heben wir von diesen welche den Geist der edelster» lathmen. „Die Atmen, seien die Söhne Deines HauseS!" st rach Jose b. Jochanan — kann die Wohlthätigkeit liebenSi'ürdiger und umfassender auSgedrückt werden? — „Beu theile jeden Menschen nach der Seite der Unschuld/' sagte Josua b. Perachiah. — „Liebe die Menschen?" rief der s lienschenfteund Hillel aus. — „Empfange jeden Menscher mit freundlichem Angestchte!" mahnte Schammai. und R Jischmael wiederholte eS. — „Beurtbeile Deinen Neben nenschen nicht, bevor Du an seine Stelle gekommen!" varnt jener selhe Hillel. — Rabbi Elieser sprach: „Es sei Dir die Ehie Deine--Nebenwenschen so »Heuer wie »ie Deinige?" wahrend Rabbi Jose däffelbe vom „Dermöl en" des Nebenmenschen sagte. — Ra!bbi Cbanina b. Dossr sagte: „Wer sich die Menschen geneigt macht, macht s ch auch Gott geneigt, wer sich die Menschen abgeneigt «nackt, macht sich auch Gott abgeneigt/' —•’’’Rabbi Eleasar lei Mudai erklärt efür eine Todsünde, seinen Nebenmen chen in Gegenniart Vieler zu beschämen. — Da Rabbi A iba erweisen will, wie theuer Israel Gott fei, schickt ex dmnoch voran: ger Mensch ist Gott theuer, denn er hat ihr noch tbeurer muß er ihm sein, da er dies ibm kund Methan. — Ben Soma frug: wonkk: „wer die Menschen dasselbe, indem er warnte: — Rabbi Mett empfahl: Menschen!" — in seinem Ebenbikde geschaffen. „wer wird geehrt?" und ant» ehrt." — Bep Assai sagte „verachte k,inest Menschenl " „sei demüthig - gegen jeden ' Juden in Sibirien. Wenn man Reisebeschreibungen in die Hände hekommt. und eS treten, darin zufällig irgendwo Juden auf, so kann man Hundert gegen Eines verwetten, der ReisebSschreiber benutzt seine Unwiderlegbarkei't, um den Juden Etwas aufzubürden und mit nachtheiligen Farben zu tatkowiren. Daher machte eS uns in diesen Tagen eine große Freude, 'alS wir die 1854 erschienenen „Reise-Erinnerungen auS Sibirien von Prof. Ehr. Hansteen," Professor Ehristiania in Norwegen lasen, und dort auch einigen Rotixm über einen jüdischen Reisegefährten begegneten, welche uns zugleich ondeuten. daß auch in Sibirien unsre Glaubensgenossen nicht zu den Seltenheiten gehören. Derselbe machte, um erdmagnetische Beobachtungen anzustrllen, von Irkutsk noch Jeniseisk buf den Flüssen Angara und Derchna-Tunguska. Er hatte sich hierzu eine Barke für 700 Rubel gemiethrt, l.aber als er sich auf derselben einfand, sah er. daß sich verschiedene Personen einschlichen, um freie Fahrt mitzumachNl, darunter ^in Jude, u/shrünglich auS Polen oder Kleinrußland, jetzt.in KraSnojarSk (Sibirien) wohnhaft, wohin er zurückzugehen beabsichtigte. „Erst hieß eS. daß er kaum eine Meile weit mitreisen würde, aber dies hatte ^«.-ermuthltch nur alS einen Borwand gebraucht, um erst Fuß zu fassen, indem er dachte: Hommt 341, kommt Rath," Wir bedienen unö d^Worte des verdienten Naturforschers. „Ehe ich weiter gehe, muß ich den Leser mit zwei Personen von meiner Reisegesellschaft, die. mir zunächst standen, etwas näher bekannt machen. Mein Jude schrieb seinem Namen iq mein Tagebuch mit russischen Buchstabens Schmerka Girschowitsch Marmataw. Girschowttfch bedeutet Hirsch'S Sohn, da die Russen kein H haben, sondern dafür in fremden Wörtern entweder G oder einen andern Buchstaben gebrauchen, der «dem deutschen Eh, dem griechischen X oder dem spanifchrn X in der ^Aussprache am nächsten kommt. Daher sprachen und schrieben sie auch meinen Nomen Gansteen. Sein jüdischer Vorname Kar Simeon, welchen die Russen in Schmerka verwandeln, und der Beiname rührt vermuthlich von der Stadt oder dem Flecken her, wo er geboren war. Er war ein Rabbiner und Schlächter der Juden, indem uur Derjenige, welcher alle Regeln gehörig zu beobachten versteht, daS Schlachten besorgen darf. Jede- Thier, in dessen innerem Bau sich die mindeste Unregelmäßigkeit findet, wird alunreif« angesehen und verworfen. Er reiste de-halb jährlich ein paar Mal in dex Ge, 90357^