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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 1 (1855) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
1 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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z wie fttttt fie als» in xn Gang and Verlauf der Lußereu Begebenheiten etngretfen, and da diese eine so eng zusammenhängende Kette bilden, die Schicksale Anderer von de» beliebige» Thn« dieses Einzelnen abhänge»? »te soll ans den Plan »er Ereignisse »advrch gewirkt werden, ob ich bete oder ascht. ob ich Reue empfinde oder nicht, ob ich Almosen gebe oder nichts wie soll die Abgang Gottes gewissermaßen darauf warten, ob ich Dies und Dies tbue, »der nicht, um dann s» »der so einznsallkn? ... Und warn» sollen aus Buße, Gebet und DohlthLtigkeit gerade die bösen Verhängnisse eine Aenderung erleiden? Haben gute Tbaten nicht auch biswellen böse Folgen, wie auch umgekehrt? Dies waren ungesLhr die Zweifel, die «ich überkamen. und »ich noch nicht verlaffen haben." ..Gut, «ein Sohn. Das Du da. äußerst, ist «ir nicht fremd, -aß es uns näher in's Auge fassen, ob es stichhaltig fei. Zurrst nehmen wir die leichteren Einwendungen vor. damit Du sehest, daß die Kette Deiner Folgerungen auch sehr schwache Glieder habe. Daß Du Buße. Geber und Dohlrhätigkeit als einzelne Thaten und Werke -es Menschen betrachtest, scheint mir eben unrichtig. Denn Du denkst doch nkcht, daß in jene« Spruche und i« Sinne Xr Religion von irgend einem einmalige» Gebete, irgend einer einzelnen Stunde der Reue, irgend einer guten That die Rede ist, sondern von einer fortdauernden, tief in unser Innres einschneidenden und es umwandelnden Gestnnung. die daher auf unser ganzes weiteres -eben einwirkt. ..Büße" ist nicht etwa blos ein durchfast,ter Dersdhoungsrag, sonXrn die joöllig verwandelte Stimmung, der Umschwung unsres ganzen Wesens zu Gott, zu Wahrheit, Recht und Liebe, zur Dergütigung des Unrecht-, das wir aerhan, Xs Schadens, den wir verübt; Geber, das nnfer Innres dnrchdringeoX religiöse Weben and -eben; DohlthLtigkeit die fortgesetzte Werkthätigkeir der Liebe. Run. mein guter Sohn, haben allerdiags schon oft einzelne Thaten, die wir thua, eine außerorXatliche, in ihren Folgen andauernde Wirkung auf unser fernere- Leben, wie sollte nicht eine solche.nachh^ltige Umwandelung unsrer Richtung in Gedanke. Wort *n» That auch eine vbllige Veränderung unsres Schicksals hewirkeu müssen?" „Wie so, lieber Daker?" ..Ganz einfach. Fortgesetzte Laster müssen uns zum Derdttbea führe», zur Untergrabung unsrer Gesundheit, zum Verlust unsres Bermbgens und Rahrungsstaades, zur Schmälerung unsrer Ehre, zur Vernichtung nnsres filtliche» Bewußtseins, unsrer Geisteskräfte. Dauernde religiöse Gesinnung und deren Dethätiguag in Wahrheit. Recht uad Liebe hingegen müssen uns vor tansend Gefahre« schützen, in Trübsalea aufrecht erhalten, einen reinen Genuß des Lebens verschaffen. Achtung bei den Menschen. Hülfe in der Roth. Zu alle« Diesem find aber Buße, Gebet »nd DohlthLtigkeit die Pförtnerinnen." „Dies sehe ich ein." „Daß auf dfts« Weise was in uaferm Innern vorgeht, auch auf X« Gang Xr äußeren Begebenhetten und auf die Schicksale Anderer Einsiuß übet, ist nicht «ehr als nitülGch" „Allerdings, denn am Ende handle ich gut, weil ich guter Gestuuuug bi», und umgekehrt." - ..Rim» Dir nur rin einziges Beispiel: Wen» der Verschwender Einhalt chut, und in reuiger Gesiviung fortan mäßig »nd besonnen lebt, so wird er den Rest feines Bermbgens und seiner Gesundheit rettea, «o er sonst un» terginge. Denn der Gottlose direct den Weg zur Derzweistnng geht, wird Xr zu Gott Zarückgekehtte stch aufrichten, sein Vertrauen zu Gott giebt ihm «eue Kraft, und er. schwingt stch noch einmal und dauernder empor. Während Xr Hartherzige in jeder Roth umkommt, wird Xr wahre Menschenfreund stet» Herzen und Arme finden, die ihn aufnehmen. Und diese Beispiele lassen stch in taufend Rüanciruagen fortsetzen." „Ich sehe eia, daß ich diesen Einwand aufgeben muß." „Einen schwieriger zu begreifenden hast Du durch Das ausgestellt, was Du über die göttliche Vorsehung gesagt. Allein das berührt die Frage überhaupt, wie die menschliche Freiheit mit der göttlichen Dorausbestimmung zu vereinigen sei. Wenn nämlich der Mensch jeder Zeit thun kann, was er will, wie soll dies vorausbeftimmt sein könne«? Allein der Zweifel ist zu lösen. Du mußt zugeben, daß Gort allwissend ist." „Gewiß, lieber Vater." — „Nun, so weiß er auch tm Voraus, was der Mensch im gegebenen Falle thun werde." — „Sicher, so gewiß ich, wenn mir die Umstände genau bekannt find, «eist voraus weiß, was mein lieber Vater thun wird, dessen Anfichten ich kenne." — „Sehr wohl, mein Sohn, und dabei wird Niemand sagen können, daß ich darum nicht frei und von Dir gezwungen sei, so zu handeln. Indem aber Gott auf's sicherste die Wahl im Voraus kennt, die wir treffen werden, hat er unsre zukünftige That in die große Kette der Begebenheiten schon im Voraus ausgenommen." „Das begreife ich. lieber Vater. Wir Menschen handeln ja ebenso, nur unvollkommen. Der Kaufmann z. B. versteht stch mir der Waare, von der er weiß, daß die Menschen ihrer bedürfen, und in angemessener Quantität." —. „Sehr wohl, mein Kind. Und so bleibt uns eigentlich nur noch der eine Umstand zu erwägen: ob denn nicht an gute Handlungen stch bisweilen schlimme Folgen knüpfen? Ich gebe dies zu. wenn von einzelnen Vorfällen die Rede ist. Ich kann in die Hütte eines Armen gehen, und mich dabei erkälten. oder mir den Fuß vertteten u. dgl. mehr. Dies sind einzelne Vorkommnisse, deren Zweck wir nicht immer erkennen, und die wir daher der Weisheit Gottes anheimgeben müssen. Aber abgesehen von solchen einzelnen, besonderen Ereignissen leugne ich es. Sünde gebiert Sünde. Tugend gebiert Tugend und daist gleichbedeutend mir Glück, Frieden, Ruhe, Sicherheit in Gott. Bettachte stets nur das ganze Lebtn-, die Dauer und den Bestand, und das Laster wird nie wirkliches Glück Hervorbringen, es nimmt ein EnX mit Schrecken. Die Tugend wird nie auf die Dauer unglücklich machen, sondern in der Reihenfolge der Tage beglücken und mitten in schlimmen Tagen prangen." „Ich bin völlig überzeugt, lieber Vater." „Du weißt, mein Sohn, daß ich es durchaus nicht mag, es auch durchaus tn unsrer Religion nicht begründet finde, die Sttafe Gottes stets als Zuchtruthe, und den Lohn Gottes als Bonboniere für die Menschenkinder ausgehtngt zu sehen. Aber ein Andres ist es, bei jeder Handlung auf so Etwas rechne» zu wollen, oder die Folge» einer fortgesetzten Lebensrichtung anerkennen. Dennoch find «ir auch Fälle bekannt, wo selbst einzelne Aeußerungen

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