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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 51 (1855) · p. Seite 202

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
51 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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202 . ju können glaubt. Es Hot da- Zudenchum Hst genug die Undankbarkeit derer erfahren, welche eS groß gezogen, daß eS wir JefaiaS ouSrufen könnte: „ich hoffte fuf Trauben, und stehe da Heerlinge! " j Um so mehr'werden unS Männer interessiren, welche, auf der höchsten Stufe menschlicher Klunst und, Wissenschaft, doch niemals die Fabne verlassen, oder nur! vernachlässigen^ die unS feit so vielen Jahrhunderten vereinigt. Männer, welche mit festem Schritte auf dem dornenvollen .Pfade der menschlichen Wistenschaft schritten, obnol jemals von dem der Religion gewichen zu sein. TaS ^eben solcher Männer erweist unwiderlegbar die Wahrheit^ daß im Iudentbume Wissenschaft und Religion sich ni«! t widersprechen; ihr Tod ist ein allgemeiner Verlust, ib' Gedäckkniß muß der frommen.Nachwelt überliefert werdin. vr. Solomon oro von Padua, g bvren 1768. gestorben 1854. war einer dieser seltenen Ml nner. Von Jugend auf fühlte er den unwidersteblicher Beruf zur Arzneiwissenfchast, mit unerschütterlicher Ausdauer verfolgte er seine Studien, und seine Korkschi ilte in der! Theorj» und Prarider Chirurgie waren schr ell und aus-! gezeichnet. Ich will hier nicht weftlaustg er;i bien, rpUcke Operationen feinen Namen unsterblich gemach haben, un-! ter denen man eine sehr schwierige und gef ihrlkche her- ‘ vordebt, die er. der Erste in Italien.' der dritte in der ' ganzen Welt, vollzog: welche seltenen Eigenick afte'n zufgm-> menkamen. ihn an die Spitze der zeirgenösst chen Opera teure der Halbinsel zu stellen: wie Man von allen Seiten > zu seiner Hülle.- zu seinen Rotbschlägen Z»stt chr nahm's. Ich will hier nur in Medoro beN Menschen, den Israeliten, den mmbigen Kreunv. deS Wahren un Guten betrachten. Da e^ bescheiden, human und reli. iöS war. io ließ >u -Wiffenschafl in ihnl nicht wie in fi vielen Ankeren den SkepriciSmus. den Srol^ die Herz nSbärtigkeir.! den Parreigeist und den Ehr'gei; wurzeln. Die .Liebe! zum Wahren war tbm so natürlich, daß er ste eitrig zu~\ verbreiten wünschte. Jtaum war er Docror g worden, als i er eS unternahm, ohne Entgelv die Vorleftin en rer Proj »essoren einigen zungen Leuten von gutem L llen zu wiej derholen und zu entwickeln. Seine erstaunlich Befähigung! und entschiedene Neigung zu unterrichten, di es um io j bedali^rlrcher.. machen, daß die damalige Re. irrung durch! alte Vorurkbeile zurückgehalten, ihn nicht ls Universt-! tärslehrer anstellre. machten ihn;um Idol d^ Jugendi j seine Wohnung war eine wahre SLule. eist stetS offener! Höriaal für Jeden, rer stch in rer Medicin and Cbirur ' gtf vervollkommnen wellte. . Eine außerorden Uche Beredtj famkeit. eine natürliche Leichtigkeit de« Aui drucks ließens ' ibn mit Schnelligkeit Geist und Her; erschlief m. ' - Aber nicht nui mit den reichen Schätzen seines Wissens unterstütz« er die Jugend, er empfahl ste auch mit-' seinem Emstune, verkündete ihre Verdienste, suchte ste zu placiren; er wohnte ven Versuchen der. Jung nge bei und eilte stet-, ste zu unterstützen. Nichts Seil, a,S war"eS. daß er riefe Bemühungen noch dazu aus fein r Börse und mit eigner Gefahr bezahl«. Eines TageS!i< ß er sich auf 4, *) Näberes hierüber stU.der klossio, die ib« Dr. Sssosi» Aitzenäum |Q Seaedtg bielt not welche gedruckt erschien. ebenso' ii de» Nekrolog des vr. Beßdenitti in der Earrett» Venera Lowdarck» »o» 1i. December «88t. dem Rücken eine- Sandmanns durch den entuferten Strock tragen, um einem Freunde und Schüler nicht zu fehlest, der auf seinen Beistand rechnete. Dabei waren seine SÄ- ,en einfach und freimülhig. von allen Sonderbarkeiten entfernt. Feind aller Verstellung und Schmeichelei. Er w^r nicht riftiger im Tienste der Reichen als der Armen; er unterstützte auS eignen Mitteln die Unglücklichen, die ust- ,er dem doppelten Zocke der Armutb und Krankheit gebeugt waren. Nur ein Beispiel: alS man in einer erstfernren Stadl eine erkleckliche Summe gesammelt hatte, um ste ihm für die glückliche Operation eines armen Familienvaters zu übergeben, überwies er dieselbe dem armen Manne, befriedigt von der doppelten Segnung deS Geheilten. Dr. Medoro war darum sehr populär. In der Lombardei. in den renelianischen und illvrischen Provinzen nahm man überall zu seiner Kunst und Erfahrung Zustuchl. überall ward er mit Ehrfurcht und Liede empfangen. Seme höbe und breite Stirn, sein scharfer und durchdringender Blick gaben Zeugmß von seinen großen geiftigen Fähigkeiten, sein wohlwollendes Lächeln von der usterfchöpstichen Güte feines Herzens, seine freie und erstschlosset« Haltung von der Schnelligkeit deS GedankertS und dessen Ausführung. Dr..Medoro war aber auch wahrhafter Israeli«; nicht bleS. weil er mir außerardentlicher Genauigkeit hie Satzungen der Religion beobachtete, die gottesdienstlichen Gebote niemals vernachlässigte, sondern weil sein ganze- Handeln und Wesen durch und durch religiös war, wsil er nur Wort und Thar von Neuem die große Wahrhsir bewies, tan wenig Wissen ungläubig, viel Wissenschaft fromm und gläubig macht, weil er mit wahrer Glurb vstn den Wahrheiten der Religion rede»/ und mit Vorliebe alle Werke las. welche über die Vorzüge deS JuventhumS handelten. namentlich die reS Herrn Salvador (..Mosaische Institutionen." . Krieg gegen die Römer""). De. Medoro .opferte der Religion nickt allein die ®jf* auemlichkerten deS Lebens, indem er stch auf feine» däustgen Reifen allen Entbehrungen nach jüdischer Satzilyg unterzog — man steht, der große Anatom und Pbvstolhg ist nicht in den Materialismus verfallen — sondern er verweigerte mit edlem Zorne alle Grave und Ledrstühle. die ibm unter der Bermgung einer schimpstichen Äb'Lwörung angeboren wurden, wie »ehr viele Documenke erweii» ,'en. welche seine Familie als wahre Adelsbrieie ausstewabil. Der köstlichste Beweis bleiben aber rie Worte seines Testamentes: ..Ich empftble vor Allem meine Seele dem großen Gone Israels: ich gebe, meinen rheuren Kinvepn meinen väterlichen Segen und hoffe, baß der All» mäckkrze ibn heiligen werde; und mit aller Wärme, deren ich fähig bin. beschwöre ich ste, niemals unfern heiligen mosaischen Glauben zu verlassen, zu leben und zu sterben in diesem Gesetze, zurückzuweji» sen mir Verachtung und Schrecken jeden Vorschlag des Abfalls, und sich in keiner Zeit durch ras gemeine Interesse, noch durch Versprechungen von Ehren und Auszeichnungen verrühren zu lassen, wie eS mein Ruhm ist, ihnen das Beispiel gegeben zu haben." •) Salvador ist ebrinall» Arzt bet Parts.

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