Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 49 (1855) · p. Seite 194

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
49 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/4908862-5999336-6000706--0566-4909282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

m 16t all iruicf. fi.na an von polnischen und drun'chen Juden zu ihrer Eotresp»«^ den; durch alle 33elt benutzt wirk, unk alt Züdisch" bekannt ist. Wte dem Leser wobl bekannt sein «irv. ist den permgiesischeu vnv iranischen Juden die'e Schreibart völlig unbekannt. Man sagte mir. daß mir vorrugiestschem Juden durchaus nutzlos und die. lernpng derselben verwandte Zeit verschwendet seit Demungeachker wollte ich »re aber dennoch lernen, ste zu schreiben, ward bald Herr derselben und ibabe sie nie verlernt. 'In r^r Tdar. ich babe nie ftwas vergeffen. »entern AlleS. was ich einmal ergriffen, gründlich uns mu Leichtigkeit nur angeeignek. Ich mochte unge'ädr 10 Jahre alt sein, als ch diesen Tbril der jüri'chen. Jugenderziehung. welche bei len deutschen unk reln:''chen Judenfamtlien so meng gerst zr wird, schon überwunden baue. Nach 16 Jahren. wahrend wejlcher- Ze.k ich keine einzige Gelegenheit gehabt bar^e, meiste Kennrrnß des , Jüklschschrelbens" irgend anzuweFken. bor nch au» höchst unerwartete Deve err Gelegenbett b^azu »Uv;war unter »'o ergenthüisillchen und außergewöhnlichen UM' standen, daß ich es nie vergeffen. stoch je kijesersZen mr:-' nes Lebens vtich erinnern werke, ebne die Stunde ru segnen, in welcher zum ersten Male der 35ump in mir au'gestlegen war. diese scheinbar nutzlose-^kunst;u erlernen, ukk ^>bne dem Allmächtigen dafür zu dank n. daß er m.L bei diesem Vorfälle zum bescheidnen Wer zeuge seiner Vorsehung gemacht baue. 6s mag 30—1" Jahre her »'ein. als Frarkrelch-^ne Armee unter dem Befehle'deS Herzogs von Angoul-tme nach Spanien schickte. Franklelchs Halle ward beimilcherweise durch den verrärberi'chen und verächtlichen Fertig nant Vll. angerusen, und rwar mir der Abncdr. die liberale Varrei;u unterdrücken, die Macht, den Corres zu vernichten und endlich, hie Verfassung abrui'chaken. welche, um die Dahrbe« :u zestHben. rem nationales Ebarakter und den Berürfnknen dses »'panischen Volkes kitrchaus tlichr angemeffen war. Ich befand mich rur Zcn in Madrid, beschäftigt im Austrage rer Negierung mit der Organisation eines Systems der Volkserziebrmg. gu wekchenr der Äuwunj dem. Könige und »einem Kabineke zur Prüfung rc unk von lbneii gencbnugr war. Zur selben Zeu war isb bei ..6«'rranzöffscher Svion ist innerhalb unserer Linien ergriffen worden." rubr rer Minister ton, ..Der Mensch ist schor? zum Tore verurrbeUt. sein» Hinrichtung indeß noch au^eschoben werv.n. um womöglich über einen Brief, welcher bei idm versteckt gesunden worden, noch einige mündliches Aufklärungen zu erkalten. Dieser Brief ist in tzhlffrrn beschrieben. Er ist schon verschiedenen Gelehrten vorgelegt Worden, doch keiner kann Etwas daraus machen. Vielleicht haß Ihr es könnt — b.er ist der Brief." Ich npm ras Dokument aus seiner Hank. Es war sorgfältig ch ein irocknes. wohl zusammengesalteres und gut gehaltenes Stück' Parier eingeichlagen. Doch wie groß war znem Erstaunen, als ich. den Blies öffnend, »and. daß er m ..Jüdisch" oder ..Jüdischdeutsch" geschrieben i'er. Kaum konnte ich meine Bewegung unterdrücken. Der arme zum Tode vcrurtbeilke Mensch war ohne Zweifel ein Judei und rer erste Blick reigie mir. daß der Brie» von Eltern an lbren Lohn sei. T enthüllte so»oht das Gebelinniß. Haue ich^ rem Minister mikgetbeilr. daß der .Briet bebrälsch ges^neben üi unk -denselben sofort übersetzt, ü würde ries w^bl ganz den ÄbnLrcn teS Ministers, nicht aber den nlemzgen entsprochen haben. Metne Abstchr i/ar^ dem Manne .dftS-Leben zu reuen, uns der rasche Verlaut rer Angelegenheit baue mir keine Garantiedafür geboten. Lchnell einschloß ich mich al»'e. die Entzifferung re- Drie»es zu übernehmen unk die Enthüllungen »'eines zer htlmnißvollen Inhaltes so;u gestalten, daß dadurch das Leben des arm.-^t Gerangenen gesichert werde. ..Ich glaube! dkesen Brie» entziffern zu können, wcnff Ew. Ercellenz nlit ne gehörige Z.n dazu vergönnt. Ist wenigen Tagen denke ich es ru -Grande zu bringen." [ ..Die''e Frist üst Ihnen bewilligt." war vre Antwort.i ..Und bls dabin wirk der Manu nicht gerichtet werten?" ..sicher nicht/ ..Ich möchte Len Gefangenen gern üben. Wirk Erp. Ercellenz gestanesi. daß er nach Madrid gebracht wird? Sie mögen ibn besuchen, wenn L>e glauben, daß kiese Unterredung ibn minkeiliam macht. Ilebr.genö ist es kein Franzose, auch we^er Pole noch Deutscher sich wußte dies wobll und spricht das Französt'che l'ebr schlecht: Sie sprechen kre deutsche und ankere Lprachen. und Jbre Unrem Minister der auswärtigen Angelegenbenen alsj Bü..terrekung nur ibm mag dennoch vielleicht von Erfolg sem. reauche» der auswärtigen diplomauschen Corr^'ronbcßz an gestellt, und eine mtrner Obliegenheiten bqstand Harm, fremde Dokumente, welche oü au» ..lnktrecren^ Wegei' von den Kanzlern der »remden. am »'pantschen Höre resskirenken Minister empfangen und bei dem Dostam e.»'rüber au»'- gegriffen wurden, ehe ne lbren Weg ru en Psnonen stnden ksilnten. an welche ste von nabe oder »erne.gerichtet waren, ernzuseben. Es war dies ein von großem Derrrauen reugcnker, Posten. dabei eine äußerst kelicare und durchaus nicht gefahrlose Stellung. Eines Tages ließ der Krregsminister mich' u nch bescheiden. ..Ich weiß wobl." sagte Se. Ercellenz. »daß Ihr ein Sprachkenner seid, Hoch versteht Jbr auch di^ Kunst. Ebttr'ern in gewöhnliche «chn't zu übertragen?'^ Ich bekannre-nneme Unkennmiß dieser Kstnst. ^gre indeß hinzu, daß ich glaube, wie mit Anwendung von Fleiß und Ausdauer es mir möglich sein werde.! jede veliebige Schritt zu Entziffern. Aus be»'onkern Gründen ist es indeß nicht wünschenswertb, daß der Gefangene nach der Haupistakl lransronirr wird, doch wenn Sie ru ibm hinaus wollen, »'o soll, »'obald Hie wünschen, ein Paß und eine Escorkt für ste bereit sein,"' ..Bei Anbruch teS morgenden Tagewerde ick bereit »'ein." ' ..Gur." Bei Tagesanbruch war ich aus dem Wege nach der Grenz,. Die Wege waren äußerst unstcher. dennoch gelangten wir ebne Unfall nach San Juan re Luz. Nachdem ich meine Briese und Instructionen dem Genetal, welcher die hier campirende Division befehligte, übergeben balle, ward ich in ein etwa bunkert Schritte entterate- Geböst geführt, von ra in einen gartenäbnlichen. zu dem Gchö'te gehörenden Raum, wo in einem ungefähr 40 Fuß riesen i^Mben der Gefangene sich befand. Der Grsben war trocken, k. h. der Gefangene stand nur bis an die Kniee im Waffer. Ein Fluchtversuch war unmöglich, selbst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.