Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 49 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ISS r wenn derselbe auch nicht von zwei Schildwachn bewacht gewesen wäre, da daeinzige Mittel züm H rab- und Hinaufkeigen eine Leiter war, durch welche ler Gefangene in den Graben heruntergestiegen und alsdann aber natürlich wieder heraufgezogen war. Ich sah in den Graben hinunter und entdeckte nach wenigen Augenblicken die Gestalt eines fast g, nznackten Menschen. Nimmer werde ich den Blick deS Schrecken- und der Verzweiflung vergessen, -mit welchem d«!r Unglückliche zu mir, den er, wie er mir später bekannte, gekommen glaubte, um ihn zum Richtplatz zu führen, hinausschickte. Niemals werde ich aber auch den plötzliä en Strahl rer Hoffnung, welcher fein Auge erleuchtete uni * die ganze Gestalt zu durchzucken schien, vergessen, als me ne Lippen die Worte: „Baal Israel" sprachen. „Wen!" schrie er mehr als er sprach, und ind'env-er in dem sc stämmigen Wasser aus seine Knie siel und bis an die Hi sten varin versank, fubr er fort: „Schemang Israel!" ic., während Tbranen auS seinen Augen stürzrrn. Ich-sprach m n Deutsch mir ihm und forderte ihn aus, mir auseinander zu setzen, wodurch er in diese Gefangrnschsft gerathen sei. Er tbcilte mir in aller Kürze mit, daß er ein Pole und »ach Paris gegangen sei, um irgend einen ErwerbSzwrig zn suchen, er habe alsdann, gleich Tausenden seiner Landlleute und Glaubensgenossen, mir dem größten Elende zu kämpfen gehabt, und habe sich für einige lOOFrcS. alp Stellvertreter eines Rekruten anweirbeü lassen. Als er sich zur Armee habe begeben wollen, habe er einen falschen Weg eingeschlagen, sei darauf von einemspanischen Wachtposten gefangen genommen und endlich zum Tode veruttheilt worden.! ES lag unverkennbar etwas! Geheimnisvolles in seiner Mittheilung. weitere Erklärungen zu fordern, hielt ich indeß nicht für nothwendig. Zunächst erhielt ich vom Befehlshaber eine Ordre, nach welcher der arme Mensch auS diesem scheußlichen Gefängniß gebracht und auf ttenschlichere Weise behandelt wart. Der Brief war, wiee: mich versicherte, von seiner Mutter,! Unverweilt kehne ich nach Madrid zurück, machte dem .Minister meine Aufwartung und berichtete ihm: „daß NichsS auS dkm Gefangenen her auSzubrinzen sei „Ich will nun dabei gehe indeß nur unter einer Beding» ng." „Und welches ist diese! Be .Daß Ew. Ercellen; mir nngung?" verspricht, daß iin Falle der Brief nichts über eine politisch' und öffentliche halte, sondern völlig harmlos fachen handele, alsdann dem werden solle." „Und wenn ich nicht aus sagte der Minister gutmüchtg Ic der Mensch war allen Anzeich sen worden." „Alsdann .muß ich es nujt mit dieser Sache noch irgend „Ich gehe auf Ihre Vedistgungen ein, vc cd bedenken Sie wohl, daß mir allein va > Urtheil zusteht „Möge Ew. Ercellenz mi: aller Strenge richten,, ich verpfände mein Ehrenwort, d< als möglich zu übersetzen-" Eine Stunde nach dieser den Briefjt; entziffern, Kt und nur von Privat- Manne das Leben geschenkt diese Bedingung eingehe/ chenv, „denn bedenken Sie, u nach als Spion1 ergrifaller Achtung verweigern. Etwas zu thunzu haben." n Brief so treu und genau Unterredung l, zte ich dem Natur ent- Minister hie Ueberfetzung des Briefevor. „WaS? fp schnell?" rief der Minister im größten Erstaunen. »3a, gnädiger Herr. Der Brief erforderte weiter keine Entzifferung. Ec war mit Buchstaben und in einer Sprache geschrieben, welch» nur einem gewissen Theile der polnischen und ungarischen Bevölkerung eigen ist, und etrifft sich zufällig, daß mir diese Schreibart bekannt tfr" Der Minister durchlamit Sorgfalt und größter Aufmerksamkeit die Uebeystzung, woraus er sich zu mir wandte. „Dem Manne sei da- Leben geschenkt, doch muß er nach Madrid geschickt werden. Ich merke wohl, mein Herr, Sie haben gut operirt: Sie hätten mir Allesogleich mit» »heilen können, eS war jedoch Ähre 'Abficht, dem Manne da- Leben zu retten. So war der, arme Gefangene vom sichern Tobe gerettet. Manschickte ihn nach Madrid und ließ ihn in eine» der Garberegimenter eintreten. Warum diegeschah, konnte »ch niemals erftthren. Wenitze Monate später brach die.Nevolurion aus. Der Köniz, hatte seinen Eid gebrochen; Einziehung der Güter, Verfolgungen, Einkerkerungen und Hinrichtuitgen folgten auf einander, und inmitten dieser allgemeinen Verwirrung gelang es mir, meinem Schützling, dessen Leben durch die aufständischen-VolkSmaffen >gefährdet war, zur Flucht nach Gibraltar zu verhelfen. Niemals fand ich seitdem Gelegenheit, i diese Kunst, welche ich als ganz nutzlos angesehen hatte, jwiedec crnzuwenden» Nur ein einziges Mal während, der langen Dauer meines Lebens hatte sie sich als nützlich erwiesen. Aber auf welche Weise! Bei dieser einen Gelegen^"'' zum Mittel, daS Leben eines Mitmenschen zü retten. Notizen des Tages »eit ward sie utscher Blätaaten" mit und Nie» Von Amerika auS wird die Nachricht d rer geläugnet. daß die „Vereinigten St der Schweiz einen FreundschaftsHandels derlassungsvertrag geschloffen, in welche»» die Huden ausdrücklich ausgeschlossen seien. * An dieser Forderung der Schweiz scheiterte bis jetzt (seit 6 Jahren) der Vertrag, und wird es noch s«rner. Dr. Arnheim ist wieder in.die bayrische Kammei: gewähll. In Hannover find durch die Aufhebung der Verfassung die Juden ves passiven Wahlrechts in die-Kammer verlustig gegangen. 1 1 'Der Tod, nach der Lehre der Talmudisten./ Bon vr. S. Hamburger, Rabbiner lu Reustadt bei Pinne. kSortlkpimg.» _If~ „Sieben Gegenstände find dem Menschen verborgen, der Tag deS TodeS ist einer von ih^en"^). 92uij der «b l Pesachi» 54. Mibr. rabba Kohel. p. t»3. idiU. I M» SS. I i 1