Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 46 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
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183 sich Papier und Bleistift. Er geht wieder in die Nacht hinaus, in die ihm sein treuer Glaubensgenosse ein „Jeworechecho," d. h. die frommen Worte, die man Scheidenden nachbetet. nachsagt. Zeder Schritt, dm er thut, kann ihm den Tod bringen, -an Barricaden, an einzelnen Posten vorüber, die ihn anrufen und denen er iantwortet, geht er mit pochendem Herzen pnb vergißt nt$4 mit einigen Strichen rasch jede Situation, jede Aufstellung, den Zustand der Straßm, die er durchschreitet, flüchtig, doch sicher zu notiren. j Er gelangt glücklich zu dm Seinen zurück. > j Der Feldtsiarschäll vergaß die. kleine Schaar! nicht, er sandle, wie er verbrochen hatte, gegen Morgen einen SuccurS. die Belagerten machten gleichzeitig einen Ausfall und eS gelang, nach den Aufzeichnungen Pollaf-, mit einem nur sehr geringen Verluste inS Castell zu gelangen. Der junge Corporal. mir dein Versprechen seineglorreichen Keidherrn in der stolzer gehobenen Brust, brennt vor verschwiegenem Verlangen sich vorzustellen. Die Solbaten hatten seit drei Tagen und Rechten kein Auge geschloffen, kaum gegessen und der Anblick der brodelnden Keffel machte ne glücklich. — Da mußte dazweite Bataillon Kaiser Ferdinand ausbrechen, um bas Militärcom» mandogebäude zu besetzen. Pvllak beseht mit 40 Mann die Appartements deS K. Z. M. Walmoden und hat auden gegenüberliegenden Fensterst der Contrada Brera ein mörderisches Feuer zu bestehst,. Bald erhält er den Be. fehl mit einem Zuge von P ochaSka Infanterie in die Contrada Brera vorlurücken. tie Barricaden z^l zerstören und sich links gegenidaS Platz ommando zu wenden. DaS Gebäude, in welchem sich Civil ieamte befanden, mußte ge« nommen werden, um sie zu be reien. Pollak ist der Erste, der in die Barricave, springt; ihm folgt der Mdjor Wedel, jetzt Oberst, LeopolvordenSr tter und einer der geachtetsten Officiere der österreichisches, Armee. DaS Gebäude wird genommen, dir Beamtest, die sich schon! mit dem. Gedanken, verloren zU sein, vertraut gemacht habkn, befreit. Major Wedel stellt »nseren tapferen Corporal sämmtlichen Officieren vor, anerkennt öffenssich sein glanzenh tapfereine gebührende AuSzeich- Betragen und verspricht ihm nung zu erwirken. Der Schauplatz, wo nunmehr Pollak selbstthätig hervorragt, ist in Vicenza, wo er mit seinem, in e ne Plänk lerkette aufgelösten Zuge wesent lich dazu beitrag , die erste Häuserreihe zu nehmen. Nach der Einnahme nird er von dem die Brigade commandirenven Fürsten Edmun > Schwarzenberg sämmtlichen sNnterofficieren als Muster vorgestellt und erhielt die Versicherung der Verwendung um eine Allerhöchste Auszeichnung. Bei Somma campagna, wo das 2. Bataillon Kaiser Ferdinand die rechte Flanke bildete, erkennen se> sie Vorgesetzten wieder seine Leistungen an, unter dem Versprechen, auf eine Auszeichnung für ihn anzutragen. Vor dem Tage von Custozza. verlautet eS unter den Soldaten, daß der Erste, der die Höhen stürme td erreicht, wenn er ein Officieh das Therestenkreuz, wenn?S ein Unterossicier, Laß er die goldene Medaille erhält und zugleich zum Officier befördert werde. In der Brust d S thatendursiigen jungen MmneS, der sich, von seinem berühmten Feldherrn dazu bestimmt, schon alS Offlcier fühlm durfte, wollte eS die Aqcht vor dem berühmt gewordenen Tage nicht ruhen. Er ist so glücklich mit seinem Zuge zu« Plänkeln beordert zu. werden, da das Regiment die Anhöhen in der Fronte zu stürmen bat. 4Sin Gedanke nur bewegt ihn, aber mit der ganzen Macht seines Inhalt-: sich als ein würdiger Sohn des Stammezu bewahren, den die Makkabäer mit ihren Helbenthaten verklärt-haben; dem Vorurtheilkf der Jude sei feig, alS wenn er dienoch zu beweisen nöthig harte, durch eine kühne That «ntgegenzutreten. Joachim Pollak war der Erste auf ver Anhöhe von Custozza. __ , ' / 1 Am zweiten Tage erhielt er im. Lager vor Cremona die große filberne TapferkeitSmedaille. Die Einnahme Mailanderfolgte Tagdarauf, wo-- bei Pollak wieder Gelegenheit hatte, .sich aaszuzeichnen,' wofür er einige- Tage später zum wirklichen Feldwebel bef fordert wurde. ES erfolgte hierauf bekanntlich ein Waffenstillstand. Drei Tage vor deffen Beendigung wurde Pollak mit einem starken Convoi nach Verona geschickt. Schnell zurückgekebrt,- fand er sein Regiment nicht mehr anwesend und mußte t im Castell verweilen; worauf er im Aufträge des Castellcommandanten, Hauptmann Kainz,- mit großer Gefahr mehrere tausend Bnötpotktonen nach Pavia beförderte. Da nach den größten Schwierigkeiten angelangt, erhält er vom Stadttommandanten F. M. L. Grasen Wimpfen die Erlaubniß, da« Brot abzuliefern, und den Befehl, mit' mehreren hundert Wägen Prot, R'eiS, Hafer. Gerste der Armee nachzurücken. AlS der Transport in Novara aülangte, wurde die Armee bereitvon der fardinifchen Regierung verpflegt und Niemand wußte dem Transportführer anzugeben, wem er die Dictualien übergeben, oder wohin er sich mit denselben wenden sollte. .Ohne Rath, ohne Befehl brachteer mit entschiedener Umsicht und selbstständigem Beschlüsse nach drei Tagen mitten durch alle Straßenwirre^l den reichen Transport wieder nach Mailand unversehrt.zurück, wo er ihn im HauptvervflegSmagazin dip'onirye und sich im Castell als einger^ck, meldete. - Mittlerweile war seine Brigade von Novara angeblich nach Piacenza äbmarschirt und so erhielt er ngch zwei Tagen den Befehl, einen gemischten Transport von 200 Mann pach Pavia zu führen-, wo er -noch einige Mann erhielt, Und sofort gegen Piacenza marschirte. Hier ange» langt, erhielt er die unsichere Auskunft, daß sein Regiment entweder in Parma-oder Modena sei. Nachdem er bei jedem Regimente di« auS seiner Mannschaft zu ihm gehörenden Soldaten, die letzten 'in Reggio abgegeben, langt er endlich beim eigeüen Regimente wohlbehalten in Modena an. Rach vier Wochen wird er als ^Quartiermacher über Maffa Carrara nach Florenz. einige-Tage darauf noch Pifa, dann nach Livorno gesendet. Ja Livorno trägt er zur Erstürmung der Porta Leone hauptsächlich bei, wird vom Hauptmann der 8. Compagnie, dem Grasen Thu», als im Kampfe ausgezeichnetgenannt, im Armeebefehle belobt unv erhält ln Florenz vor der Fronte aus der Hand Sr. kaiferl. Hoheit de- Erzherzog- Albrecht die große goldeiie TapferkeitSmedaille.