Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 43 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Itl SRieite, mrinrn Vater z» schlagen. Da standen also die drei bewaffneten Männer, ein Zeder am Eingang seine« Sande« mir erhobener Waffe gegen den. scho^ alten, abgemagerten, gebeugten Zuden, der. nirgend« heimisch, überall zürückgewiesen. bald fich zum Einen, bald jjum Andern wandte .... wie der Streit entschieden ward, weiß ich nicht, denn kaum sah ich die Männer auf «leinen Vater losstürzen, als ich voll.Furcht und Schrecken den steilen Berg hinanNetterte. Oft sah ich später die Stelle an. wo meine Angst mich hinaufgetrieben, und ich Hegriff nicht, wie da« schwächlich, Kind da hinaufgekommen. Wie der Streit sich endlich entschied, weiß ich nicht, denn ich bekam meinen Barer nie wieder zu sehen. Am Ende mußte doch einer der Gensd armen zu sechs Wochen Gefänqniß bei Waffer und Brot sich seiner erbarmt haben, denn sonst müßten sie ja noch jetzt alle vier da stehen Mich trieb « immer weiter und weiter hinauf, und so lief, kletterte, weint, ich viele Stunden lang, bi« die Sonne untergehen wollte. .Ich pflückte mir Erv- und Heidelbeeren, die Menge, bi« mein Hunger gestillt war, und da der Abend immer dunkler herabsank, legte ich mich unter ein Gesträuch und überließ mich meiner Müdigkeit. E« war die« kein zu harte« Geschick für da« sechsjährige Kind de« heimothlosen Zuden. denn vorher hatte ich oft genug die Nacht so zugebracht. Soll ich sagen, ein gütige« Geschick hatte e« gefügt, am andern Morgen hatte eine rauhe Händ meinen Arm ergriffen und derb geschüttelt. Zch fuhr auf,.und sah eine alte Bäuerin über mich gebeugt. Sie frug mich mit krei-- fchender Stimme: wer ich sei? und al« ich weinend stammelte: „Laufitzig« Estherchen!" da rief sie: ',ach für solch' Gesindel hielt ich'« auch." Mit Mühe machte ich ihr auf ihre Fragen deutlich, wa« au« meinen Eltern geworden, und mir mehr Gutmüthigkeit, al« ich vorau«, gefetzt, nahm sie mich mit nach ihrer Hütte, denn zufällig war ich nahe an ein Dörfchen gerathen, gab mir frische Milch und Schwarzbrot, wafür mich eine herrliche Mahlzeit war. Nach Dem ging'« zum OrtSvorstehet. und nach langer Berathung wurde ein Zunge angenommen, der mich nach einem andern Dorfe bringen sollte, denn vor allen Dingen wollte man sich einer solchen Last entledigen. Hier, in dem andern Dorfe war man just derselben Ansicht, und so ging t« nach kurzer Rast weiter. 1 Die« war mein Schicksal die nächsten 14 Tage. Bon Dorf zu Dorf brachte man mich, nirgends wollte man.mich behalten. Zch war ein Fangeball, den man sich von Hand zu Hand zuwarf. Und wenn man mich noch geradewegs geschickt hätte. Zch begriff e« schon damals, daß mancher OrtSvorsteher fein Müthchen an Einem kühlte, den er nicht leiden konnte, mit dem er in Streit lebte, um > chm durch mich eine Verlegenheit zu schaffen, wenn der Ort auch gar nicht auf dem Wege lag. Dabei war meine Behandlung sehr verschieden, yft mußte ich Tage lang hungern, bekam Stöße und S^läge dazu, mußte in einem Stall oder einer Scheuer übernachten, ohne daß man mir ein Bündchen Stroh gewährt hätte. Dann wieder tra^ ich auf mitleidige Leute, denen ich det» Kampf ansah, msch so wegsenden zu müssen, dir wich mit guten Speisen anfüllten und ein bessere- Kleidungsstück mir überwarfen. wa« mir die Habsucht denächsten Boten unterweg« wieder entriß. Einige Male waren Kinder mein« Führer, und wir spielten gar lustige Spiele unterweg«, bi« der nächste Schulze wieder-die Rolle »er eisernen Boiffe-ung übernahm. Endlich ward ich in ein Landstrashau« abgeliefert. Aber «eine Erinnerung schweigt über meinen Aufenthalt daselbst. Ep muß weder zu hart, noch zu lieblich gewesen sein. Rach Einigen Togen wurde ich herau-genommen und in demselben Flecken zu einem armen Zuden gebracht, der für einige Groschen wohl meine Verpflegung ühernahm. Da« war der früheste Thetl der LebenSgeschichte Esther^ ZaunbornS. Sie überraschte mich nicht allzusehr, denn tch erinnerte mich jene« heimathlosen Zuden, der, nachdem er lange von Land zu Land getrieben ward, vor einige» Zabren aus Kosten einiger deutschen Potentaten, die daz» sich verbanden, ngch Amerika gesandt war». Vielleicht war die« der Valets,Esther ZaundornS . . . —-- L Anfragen und Antworten." 90. E. in <g. Meine Frage, beantwortet al« Ro. 87» sollte vielmehr heißen: wir hier haben den dreijährige» Cyklu« begonnen, sind also gegenwärtig wieder i» Isten Jahre de« Chtlu«,. andere Gemeinden dagegen besi»- den sich im zweiten,, wieder andere im 3ten. Meine Frage sollte also sein,.wie ist da eine Uebereinstimmung^ zu erzielen? Unsere Antwort ist dieselbe. Da der Hamburger pel zuerst in Deutschland den dreijährigen Ehklu« einführte, so müßte jede Gemeinde, welche denselben annimmt, sich nach jenem Tempel richten. Eine Anfrage brächte schnellen Bescheid. Blumenlese. Aaszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Mrinungeo. wie Erklärungen von Schriftstellen aus hebräischen Werken. Liebe Deinen Nächsten, wieDich selbst, ich der Ewige. 3.B. M. 19,18. Wa« begründet der Zusatz, ich der Ewige? Zch der Ewige habe ihn erschaffen; benimmt er sich ulfo al« Ebenbild Gotte«, dann liebtihn, wo nicht, gewächr« ihm nicht Deine Gunst. p ywiäj '-1 sagt: beim Himmel! eine große Berficherung und Warnung ist hier enthalten; tch der Ewige bin der Schöpfer aller Wesen, ich walte mit Gerechtigkeit besitze die Macht, Dir zw lohnen, wenn Du Deinem Rebenmegschen wohl thust, und Strafe aufzurrle» gen, wenn Du dst Menschenliebe nicht übst. nspn "irrbtt "*i lehrt: Gleiche nicht der Oberschwell«, zu der keine Hand gelangen, mit de» Keiner in Berühr rung kommen kann; auch nicht den Stufen vor dem Eiagange, an welchen man zuweMn Anstoß nimmt, sonder» der untersten Schwelle, die für Jedermann betretbar «ad zugänglich ist. Wenn daganze Gebäude zusammenstürzt, die Schwelle bl«)bt. Hochmuth kann durch «jae» Fall ge- Uagemache. i beugt wndeu, ll^escheldenhelt trotzt jedem >