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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 42 (1855) · p. Seite 167

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
42 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 167 (sequence 3)
Language
German
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1 167 ang an. Aber ,vie de- Wei« alv in klagen, bald in jauch« leigendche Pfeil einein den Schooß , o Wunder, kone eines am schöner Jünger wand; in d sie mit dem MeereSwogen'. Freur-etrun-?aben wir auf Und so ging eS weiter: Man kam t!urch l-lübende Auen und fruchtbare Gefilde. Die Gef ingesfchwestern jauchten vor Freude, ließen sich in daS grilne Laub eineß BaumeS nieder und stimmten einen Wettge keS grauen Bögleins Wunderlöne tauchten ne- Goldperlen auS allen ankern hervor, l der Sehnsucht sich auf Zephyren wiegend, zendem Geschmetter hoch in die Krühling-lüste Doch ach! mitten im Gesänge fuhr der tSdt JagerS durch sein Herz und sterbend fiel eS rer duftenden Blumen hinab — Aber an de- Vogel- Stelle stand auf hohem Ba Meere-ufer sich hinziebenven Palastes ein ling. in dessen dunklen Locken stch ein Lorb seiner Linken dielt er eine gold'ne Leier, ur Plektrum schlagend sah er in die blauen tu tbaten stch auf einmal die blauen Flügilihüren hinter ihm auf. und im weiten Saale standen seii e Eltern und Geschwister in jugendlicher Kraft und Fülle ken stürzte er ihnen entgegen. „Wie lange Dich gewartet," rief Einer nach dem Ankern. — Nachdenkens schaute der Jüngling vor st», hin und rieb sich die Stirne: ..Ich habe einen schweren Tra m geträumt." sagte er stngenv. „Durch Finsterniß und Toi c-scharten zog ich; eine dumpfe Gegend voll giftiger N^bel mußte ich durchwandern." — „ArmeS Kind," sagte! seine Mutter und ergriff seine Hand. „aber Deine PrnfuagSzeit ist vorüber, und die Kelten deiner Leiden sind a^f ewig gebrochen. Vierzig Jahre muhtest Du ungetanst als Vogel umberfliezen; aber als Trösterin wurde Dir de- Gesanges i Gabe verliehen, und> alS Du hinau-gestoßen, in alle Welt flogst,^, da uinschwrbl^ Dich ein Schutzgcistl der Dich in Gestalt^eineö Kindemit liebender Hand jjftfgle."» Und diese Worte sprechend schaute sie kachelnd nach der Seite, und eine andere Flügelthüre that sich auf. Süße Wohlgcrüche strömten in den Saal, und liebliche Harfenklänge ertönten aus einem weit in die Ferne stch pichenden Früh, ling-garten, über dem stch ein dunkelblauer Himmel wölbte. — Er schaute bin.— da trat aueiner Lallbe, ra-Antlitz mit unendlichem Liebreiz übergossen, eine hohe, Herr« liche Jungfrau, einen Käfig mit offenem Ttiürchen in der Hans tragend. I ..Ti. da bist Du ja, mein enkstogeneS Vöglein," rief ne ihm scherzend entgegen. „Wo bist Du denn so lange bttumgeschwärmt, graue- Säilgerchen?" | „Mir ist," erwtevene der Jüngling, „alis ob ich Dich vor vielen, vielen Jahren einmal gesehen hätte." „Gewiß haben wir uns gesehen. Ich habe Dich in diesem Korbe alS grauen Vogel gepflegt. ,Jch. ein grauer Vogel l'l’ J „Ei. Du eitler Mensch, Du schämst Äich wohl, rin Bogel gewesen zu sein. Zur Strafe Deiner Eitelkeit sollte ich Dich wieder in den Käfig hier sperren." „DaS sollst Du nicht," rief der Jünzling lach-nd, riß ihr den Käfig auder Hand, zog sie an den Rand de- Balkon- und schleuderte das Körbchen in die dunklen Wellen hinab, und Beide sahen mit kindlicher Freude zu, wie eS auf und nieder schwankte und endlich in weiter Fern, ihren Augen verschwand. I RLIhsel. Boa Dr. Sabf. Ihr Alle kennt dafurchtbare Geschmeiß, Da- Dielehöret, doch viel mehr noch weiß; Gar unansehnlich ist eS und so klein, Fürwahr es ging' in eine Nuß hinein; Doch schießt ,S höh'r und immer höher auf Und wächst bis-zu brS höchsten ThurmeS Knauf. In Nacht und Nebel erst verbirgt eS sich,' Doch in die Wolken bald streckt es. stch fürchterlich. Wenn fern' ein ungewisser Klang ,S traf. So flieht von seinem Äug' der süße Schlaf. Mil lausend Flügeln fl'egt eS auf die Dächer . Und schaut und ruft mit Kraft in die Gemächer Und ruft, waS eS gehört, und waS eS nicht gehört. Posaunet schrecklich auS. waS jede- Herz empört. Wir Menschen haben Ohren nur am Kopf, Dock hat es Ohren auch an Hand und Fuß und Zopf; - An allen Gliedern zischen gift'ge Zungen Und spritzen Geifer biS in'S Mark der Lungen.. Die Städte liebt e- und das Volksgewühl, - lins treibt mit Hohn dort fein verhaßte- Spü'l. — Und haben au-getobt nun feine Flammen, Dann schrusrpft eS nichtig in stch selbst zusammen, Und wird so winzig wieder und so klya. Fürwahr eS ging' in eine -Nuß hinein. ' (Auflösung: „Da« Gerücht.") Aphorismen. - _ Don Dr. Sahl. Die Motten umfliegen da- Lickt und werden von der Flamme versengt. — Die Thoren buhlen um die Wollust und werden von der Leidenschaft verzehrt. Die Eitelkeit, und* io ihrer Steigerung: Hockmuch und Uebermuth, ist die Quelle., aller Fehler und Laster, wes-), halb auch die heilige Schrift ganz besondergegen dieses im Herzen tvuchernve Gift, eifert, und ihr die empfindlichsten Skrawn prophezeit. Die Eitelkeit ist ein Erzeugniß der Selbstsucht, und diese ist vervammung-wertb. weil sie in der Welt nur ihr Ich gelten läßt und Alleum stch. unterlban machen will. Die Selbstsucht ist die nach der irrigen Lebre der alten Astronomen stillstehende winzige Erdkugel, um die stch daunendliche Himmelsgewölbe dreht, während e-doch der kleinen Erde nur vergönnt ist, mit den übrigen Planeten ihren UmzuZ um die Sonne zu halten. Nicht in Schulen, bei Hofmeistern und Gouvernanten. sondern am Busen einer jüdischen Mutter werden jüdische Kinder erzogen. Wenn Thau und Sonnenschein die Pflanze erquickt hat. dann laßt den Gärtner kommen, unk dapebrige mit kunstreicher Hand dazu tbun. In de« Treibhäusern der. Erziehungsanstalten werdet Ihr nur Astergewächse zu Tage fördern, die den Stürmen che- Lebenkeinen Stand kalten.

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