Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 42 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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166 ,£u hochmütige- Dämchen, glaubst Du, eist Al» >i i Gold. «ras glanz«? es giebt auch Ä«ele-, was nichl ganz« und ist dock geläuterte- Gold. Pir wollen sehn, n kr bester stngk. Dein goldgleißenver Fasan, oder mein q aues Vöglein/' Dina. so bieß die ältere Schwester, sah ste erst starr at und brach dann in e«n schallendes Gelachter aus: ..Ei^ Du superkluge-- Ding. woher ist Dir denn plötzlist» die Weishett gekommen?" Aber Milka nahm >h«en Käsig, drehte sich stolz um ujrd bängte ibn neben den Golkvogel. -! „Um Gotteswillen, Milka, waS beginnst Du? Du wirst r ch nicht?" rief Dma ernster werdend^ und wollte den & äsig berunterreißen. Aber Milka war >'ebr eigensinnig — st schrie und raste-kurz, der Aasig mußte 'häng n bleiben.. Der Vogel in; Golkbauer wußte gar nicht, nazu idun sei; er flatterte bald unrulblg bin und der. b ld rückte er auf der Leireripröffe nabr-an seinen neuen 9 achbar deran und musterte «bn mit sih'^elenren. Äugen. AIS eS Abend geworden, kam in dftp großen, goldig n Saale, rer von rauienv Sichlern stuablie, eine Theeg seUichark zui^mrnen; ra rauichicn vielö edle Herren unk Damen nii« Andren und Verbeugungen ju; den weil geöffn terr Flügelrdüren herein und seyicn sich, an die mii süß m Backiverk beladene Tafel, llnv als sie nun beim 2 'adle saßen, da ertönte aut einmal ein^ Ueblrcher Gesang. V ß Allen das Herz im Leibe lachte, fan schaute rerw ändert um--und ron treu» konMe eS anders ber^ kommen, alS ron dem prächtigen Vogeli „Abdr, Fräulein Dina." bemerkte! eiye Dame, die E kirne rümpfend. ..wie konnten Sie nud 'einen fo schmutz! zen Mzstsinken neben idren Aönigsvo^l hängen?" ,Ach, theuerste Krau, Vas ist so nye Laune meiner Schwester." erwiedene sie. I - Zm Heizen aber ärgerte sie sich ntcat »venig über diese ungleiche Nachbarsä^sr. und nun rachteisit Tag und Nacht k rauf, wie rem ab;udelsen. Da nahm sie einst in Mitk.'S Abwese-ibeik den Aasig derselben und warf ibn zum Kfnster hinaus in den Graben. j Als nun die Herren unv Dauren wieder kamen, um sth an dem schönen Gesang zu ergötzen, siehe,-da wollte si h nichkS mehr hören lasten, als ein w vriges Piepen und A kächzen. Alle schüttelten die Aöpfe und sahen Dina irag, nd an; aber riese wurde ganz roü von Verlegenbeit. Tenn ste sab nun doch wodl ein, daß der unscheinbare 2! »gel eS gewesen, der so schön gesung n haue. and Jammern und sebm sollen,, als Nun batte man aber das Weinen vib verzweifelten Geberven des Aindes st nach Hause kam und ihren Aasig vern ißle. ja sie trauerte fo. daß sic bald daraus in eine schwei e Arankheit verfiel ui d ^em Tode nahe kam. Da lag nun daliebe Aind. ber ußtloS, kovtenblaß ml seinem Kettchen; die dunkelbraunen Locken hingen um v: S bleiche Marmorgestchtchen 7-T deStropfen auf dem A abasierstirnchen. die blauen Aeuglein gebrochen lag eS d>-und atbmete tief; und Dina weipke l unkd jammerte über tzc S sterbende Schivesterchen. Sie lief hinab, um vaS Vogt Ichen, daS ste in den Traben geworden, wieder auezuiu. ch n. Der» Aasig'lag noch da; aber daS Tbürchen stand a f und vaS Vögelchen war entflogrnj Da kehrte sie vol»!e Verzweiflung, die Hände ringend zu Milka zurück,-' warf sich vor ibrem Berrchen auf die Aniee, schlang ihre Arme um sie. ergriff ihr Händchen und rief, indem ihr die ThrLnen aus den Augen stürzten: ..Milka, kennst Du mich denn nicht mehr?-Verzeihe mir!" Da öff-. "litten sich noch einmal ihre blauen Augen, wie wenn die Sonne aus dunklen Wolken blicht, und nickte ihr holdselig zu. dann fältele sie die.Händchen und schien zu beten. Unh siebe! ra ward es im Zimmer bell und hefler, wie ein Lichrmecr umfloß es das Aind — - von außen klang eS wie Flügelschlag am Fenster und ein Gesang voll un» endlicher Sehnsucht drang hinein: Holt auS der zarten Aörperhülle DeS Geistes edlen Diamant. Daß er auS liefcr Aerkerstille S:ch schwinge zu dein Heimatbland. ' Entledigt ibn der rauben Erdenhülle. . Daß er im lichten Dhale sich ergebe: Und waS er einst gehofft in.tiefer Sülle. )n strahlender Erfüllung febe. vegt ibn au« weiche Blumenerde, „! Noch weint die irb'fche Dual in ihm: ’> Daß er der Unfern Einer werde. > Umschwebt «bn beil'ge Cherubim! Unv alS der Gelang geendet, da klang eS nock leise durch raS Zimmer, wie wenn der Wind durch AeolSharfey streicht. Auf einmal «varv es stille — ganz stille, und das Aind war gestorben. Aber nun muffen «vir auch sehen, wie es dem entflohenen Vöglein ergangen ist. Es stog und flog nach «vsiter Ferne. Es'war Win:er, die Bäume kahl, das 'Wasser zügerroren. so daß eS nicht einmal seinen Durst löschen konnte. Da ab.r bauen müdlbälige Händs Vrolkrimchen vor die Fenster gestreut, die es gierig aufpickte, uiio so oft eS erquickt «var, stog es aur nn kahleS bereiftes Baumäitchen. schlug die Saiten seines Aehlchens an uüd sang so lieblich, daß die Vorübergehenden staunend histaussaben. Und als es iveiter und «veiler gezogen, da kapr es durch eine beiße, sandige Wüste; kein schattiger Büum nahm es in sein grüne- Haus, kein kühlende- Äachlein lud ezum labenden Bade. Aber als es bald verschmachtend niedersank, da zeigte sich ihm eine kleine Üase, in welcher eine klare Quelle rieselte. Alö es sich dyrin erquickt baue, «oölbte sich ein Laubbach über ihm lülv hielt die stechenden Sonnenstrahlen von ibm ab. Aber nach einigen Tagen welkte das Laub unv die Quelle ver- | siegte. Ta zog es weiter und kam' durch eine düstre, nebligre und sumpfige Gegend. Ein häßliche- Gekrächze ufld Geschrei von Naben, Eulen, Aibitzen unv andern gemeinen Vögelnließ stch hören. Höhnend und spottend flogen sie ihm in Schaaren nach, beivarfen eS mit Aolh, rupften ibm Fevern auS und hackten nach feinen Aeug» . lein. Dein Vöglein brach das Herz bald vor Aummer, Md es wäre auch nicht lebendig davon gekommen, wenn kncht seine leiblichen Verwandten. die Lerche, Nachtigall und Amsel, herbeigeflogen wären und eS in ihre Mittr genommen hätten.-