Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 42 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1»8 Es ist ettv«s -ganz Uoheres. wem» Du in schwarzem ack und Glaeee-Handschuheir eine« Großen eine Mor- H^nvisttt machst, oder wenn ein äinb' nach dem Aufstehn n die Arme seiner Mutter eilt und ihr. einen Kuß auf di! Lippen drückt. — Auch ist es etwas ganz Anderes, W mit Du io Feierkleidern zur festgesetzten Zeit im Vorh, fe Deines GorteS erscheinst und Deiner Psticht. wie ei» ■in Geschäft,, nachkbmmst; oder w«n Du die ersehnte E und, begrüßest, wo Du Deine im Strudel der Welt »e trocknete und lechzende Seele bei Gott, der Quelle der Li b« und Gnade, erfrischen und erquicken kannst. Die Röbel werden, wie vernünftig, nur von Außen po irr, weil die Besuchenden das Innere nicht sehen. — U! er auch da» Gesicht in Modesatten zu legen, die Worte «n d Zeit und Umständen zu modulirim. die Glieder zu gl iten, zu biegen und zu schmiegen und d«n innern Edelste n. die Seele, wie ein Aschenbrödel, unberücksichtigt zu [<r en, weil die Welt nur die Haut urtd den Rock sieht — ad wenn kein gewaltiger Richter, der! sich durch keine Polit it bestechen laßt, in daS Innere blickte: DaS ist mehr all Tborheil! all w' v. nn vor Glaube ist Wissen des Herzens; ex wutde dem Herzen ein Damm gegen die Verirrungen des Verstandes ein« ößt. Der Glaube saugt Leben u id Kran auS Gort, die Blätter und Zweige ihre Nabru ig auS dem Stamme zie en (In Gott ist die Quelle des Gebens. Psalm 36. ll).). Der Sünder und Ungläubig t ist rin abgeriffe» Zweig, der dabinwelken muß. L)ie Seele, die sich dem Urquell de- Guten loSgefagt hat. fühlt eine vernietende Leere, einen Widerstreit mir brer eigenen Natur, ne Sprache nennt dielen Zustand ebr treffend: „inne e Zerrissenheit", weil sich vo> dem Sünder daS fctfl ne Selbst loSreißr und ibm droh ofc gegenüber steht. Da > Gegentheil dieser innnen Zerriss, nheit liegt in dem beb ätschen 2^2^ „Ganzheit", die im Einklänge mit sich selbst zufriedene Menschennarur, die in ihrer Ungettübtbeit «»r in der Seele des KindeS tbront. ES ist jener unfchä bare Edelstein, „Frieden" genannt der in unzähligen Stelen der heiligen Schrift als vaS lttbkbeil des Gerechten bezeichnet 'wird. Eine Folge der Innern Zerrissenheit, ist las Erlöschen der innern Freudigkeit, und die Einkehr des UnftiedenS, des Zwiespaltes mit sich selbst, in dessen Sef lge sich nicht selten Wahnsinn >Md Selbstmord hesind,». lin gute- Beispiel ist eine stille Predigt. Blumenlese. L»«z ige vou LrzLbluugen. Gleichnisieu. Gedanke» und Meiuuuge», wie Erkläruugeu von Schrifrstellen ans. hebräische« Werken. l ‘3Tpy "i kam einst nach einem Lan>r, und wurde nach kurze » Aufenthalte beim Landesherrn angeschwärzl. Dieser ersau» eine- Verführung gegen ihn. Er beorderte zwei! anmuthige Bilder der Schönheit, gehüllt iu reizende Kleider. duftend von Woblgerüchen und brautmüßig ausgestattrk zu «2"p5 Sie erschienen bei ihm des Nachts, unterhielten ihn mit süßen Versprechungen, mit schöaen Hoffnungsgedanken, brachten lange bei ihm zu und forderten ihn endlich liebkosend zur Wollust auf. langweilte sich unter ihnen und würdigte fie keiner Aufmerksamkeit. Die weiblichen Eagelsgestalten entfernten sich, und verdrießlich über die Erfolglosigkeit ihres Besuches suchten sie sofort bei« Herrscher vorzukommen, um sich über seine Empfehlung zu beschweren. „Besser," schrieen sie zum Regenten, „daß wir uns mit dem Tode vermählen. als mit einem solchen Menschen." «2^5 "1 wurde gerufen. „Warum," frug ihn der Herrscher, „benahmst Du.Dich gegen diese Damen nicht wie ein Herr gegen das fch-ne Geschlecht, sich zu benehmen bat? Sind tte nicht schön? Beseelt sie nicht derselbe LebenSodem? Di« Macht, die Dich geschaffen, hat auch sie gebildet." — „Aber, rvas sollte ich machen." versetzte «2"p5 "1, „ich empfand einen widrigen Geruch, sie rochen mir nach einer verbotenen Kost, ich mochte nicht. —" Halte die Menschen für verdächtig, schenke ihnen nicht so bald Dein volles Zutrauen, versage ihnen jedoch nicht Deine Gefälligkeit und Zuvorkommenheit. Einst kehrte ein Wanderer bei rsrrt' “i ein, und fand freundliche Aufnahme; er bewirthete ihn, reichte ihm Speise und Trank, fübrre ihn nach einer Bodenkammer, um sich schlafend äuSzuruhen, nahm jedoch aus Vorsicht die vom Dache zur Gnaße führende Leiter weg. Wie verhielt sich der Beherbergte? Er stand zur Mitternacht auf. legte die Vorgefundenen Gerathfchaften zusammen, und wickelte sie in seinen Mantel. Als er ReißauS machen wollte, stürzte er vom Dache und verletzte sich sehr arg das Genick. Des Morgensuchte 52^"- seinen Gast und fand ihn am Boden verwundet liegen. „Bube." redete er ihn an, „ungeschickte und lose Kerle, wie Du. machen es eben so." — „Rabbi," erwiederte der Verunglückte, „ich ahnete nicht, daß Du die Leiter Hinweggenomoien." — „Ei. eiversetzte Jener, „Wicht, Du hast freilich nicht geahnt, baß ich schon gestern gegen Deine handgreifliche Gewandtheit aus meiner Hut war. Daher rührr die Lebre des *!S '2 rarr der' Mensch sei gütig, in seinem Vertrauen aber vorstchtig." Allgemeine Zeitung de« Iuveutbums. No. l~. 1855. Hnrfeuklänge: Die Sendung Israel«. — Leitender Artikel: An die deutsch-lesenden Israeliten. In Sachen de« Institut« zur Förderung der israelitischen Literatur. — Zeitungsnachrichten: Palästina. Deutschland: au« der bairischen Pfalz. Frankreich: Pari«. Italien: Venedig. Harzburg. Venedig. Mailand. — Literarische Nachrichten: VreSlau. BST Zu beziehe, durch jede« Postamt und jede Buchbantlung. Jährlich 3 Tbaler. vierteljährig '/« Thaler. » Verantwortlicher Redakteur: K. Nabe. B-rla, —n v»,«,äri»er'< Vuckdanelung in ktirjlG. j— Crutf von »lexanker Dtkbr in L»t,»ig.