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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 41 (1855) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
41 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 k greisen Haaren B'».. und eilte von dannen, um ihn sofort in» Geiängniß werfen zu lassen. Al» Minna dieerfuhr, kannte ihr Schmerzkeine Grenzen; sie > jagte dem Gläubiger nach, fand ihn im Aasthofe, wo er einige nöthige Papiere zu sich nahm, warf sich ihm zu Füßen und ftehete um Gnade für ihren, schuldlosen Vater — aber sie traf auf ein Herz voll Stahl. Zu nicht» verstand er sich, al» zu einem Aufschub von einigen Stunden. Würden Abends um acht Ubr nicht die viertausend Thaler gezahlt sein, so müsse B. in« Gefängniß wandern, zu gleicher Zeit sollten alle seine Möbel re., selbst daS Bett auf sei» nem Lager genommen werden. Da» qrme Mädchen stand trostlo» da — sie sah ihren Vater »oll Elendin der Kerkerzelle, sie sah ihn dort verschmachtend, vor der Welt beschimpft, in sich zertreten .... Da kgm ihr ein Gedanke - achl ein Kampf in ihre Seele, sin Kampf, wie wir ihn selbst einem gefallenen Engel stickt wünschen . . . aber ste kämpfte ihn durch ... als es dunkel geworden, am Abend, bullte sie sich tief in einen Mantel — e» war sech» Ubr im 'November — und ging nach dem Hanse de» Banquier» N. ,Sie ließ sich bei dem Herrn melden, und trat ein. Sie.warf ihren Mantel vom Haupte zurück, und va er. wie angewurzelt vfn der Erscheinung, ihr kaum entaegenzutreten vermochte^ sprach ste: „Sie haben mir. Herr N.. vor einem Jahre Ihre Freundschüft in einer Zuschrift angelragen; nicht Ihre Freundin, aber Ihre Magv, Ihre Magd will ich sein — nur retten Sie meinen Vater, retten Sie ihn in der Stille — ich will Alle» rhun, waS Sie wollen . . . und! damit sank fie dem jungen Manne zu Füßen, verbarg ih« Haupt in ihre Arme und hielt die Hände flehend empor .... Albert stand schweigend da und konnte seine» Erstaunen» nicht Herr werden „ . . „Ha!" rief fie. wie außer sich au«: „Sie wollen nicht, Sie wollen nicht . . . Haben Sie Erbarmen um Gotte» willen ... e» ist ßiel, e» ist sehr viel, es find viertausend Tbaler, und daß ist Euch, Menschen, sehr viel — aber ich will ja auch, tzhre Magd sein, ick will Ihre Dienerin sein bi» in» spätf Alter — nur retten Sie meinen 'Vater! . . . Alber« war zu sich gekommen; er erhob da» verzweislungövolle Mädchen und geleitete sie zum Divan; ernst und gemessen forschte er nach allen Vorgängen — als er ste kannte, sprach er: „ich nehme Ihren Vorschlag an und werde Ihren Vater frei'machen . . . erwarten Sie mich heut Abend um 10 llhr in Ihrem Hause, ich werde Sie abbolen . . . ." Er klingelte, ließ Vorfahren ünv Minna nach Hause bringen. Zbr Vater war schon nicht mehr hier. Ach! wa» empfand fie da! .... Da» Glück, ihren Vater gerettet zu wissen, schwellte nur einige Augenblicke ihr Herz; dann übrrkam sie der Gedanke, wa» sie gethan, wa» ihrer wartete. Sie halte sich diese» in der Erregung der Gefahr und Leidenschaft gar nicht deutlich gemacht — jetzt lag e» vor ihr wie ein tiefer Abgrunds wie eine schwarze Nacht.und sie sollte hineinstüLzen! Sie sank auf da» Knie und betete. Sir frug Gott und ihr Gewissen: ob sie ander» hätte handeln können . . . e» ward ruhiger in ihr. aber wie Ruhe ve» Tode», wie Ruhe auf einer Flur, die da» Wetter getrossn, die der Hagel verödet .... Die Stunden vergingen, der Barer kam nicht heim, aber auch der Gläubiger kam > nicht, keine GerichtSperson, kein Fremder — auch die Tante war ausgegangen. Welche Pein! Endlich ermannte sie sich» mit einem feinen Instinkte kleidete ste sich, nicht reich, aber doch sorgfältig an . . . endlich schlug >4 zehn Uhr; sie sprang auf. stand erstarrt in der Mute de^ Zimmer». Wagen» geraffel; e» hält vor der Tbüre; dieselbe wird^geöffnet, auch die zu dem Gemach. Albert erscheint, ruhig-'und gemessen, in feinster schwarzer Kleidung, gewählter Toilette. Er verbeugt sich, faßt'Minna'» schlaff hängende, ach! so schöne Hand, und spricht: j,.Folgen Sie mir. Fräulein, Sie haben e» selbst so gewollt!" . . . Da» bleiche Mädchen nimmt seinen Arm und-geht mir ihm schwankend an »^. den Wagen. Die Thüren ihlße--väterlichen Hause» schließen sich, Albert hebt ste in den Wagen, dieser rollt fort. Wieder hält dieser, da» Postrl de» N.'schen Hotel» öffnet sich, fie steigen au»; sie folgt ihm tfx iTreppe hinauf. In dem Zimmer von heut früh bleibt der junge Mann einen Augenblick stehen, und steht dem bleichen, schönen Mädchen' in» Angesicht, fest, tief, lang in die Augen. Da zieht eine feine Röthr über da» t^ohlgeformte Antlitz, und ein Strahl dämmert wie vort ferne in den Augen . . . „Gm." sagt Albert, ,,folgen Sie mir, Sie wollte« e» so4". ■« “ Er führt-fie an die Tb^re unv klopfet daran, dann faßt er wieder die Hanv veß zum Tode schwachen Mädchen». Plötzlich springen die Thüren von innen aus-- rin Lichtmeer dringt au» dein» Saale,-der von hundert Kerzen in seiner auSgewühlten Bracht strahlt — ste blich auf . . . wa» ist da»? Am Ende de» Saale» erblickt sie einen mit Blumen umwundentn Traubaldachin (Cbuppah) ausgestellt, den Ortsrabbinhn im Ornate, den silbernen Becher unv die Bibel in der Hand, darunter, und au^ste zu kamen —• ihr Barer, von Freude und Glück strahlend, und ihre weinende Lame. Einige Zeugen waren anwesend. Die Trauung ward vollzogen. Als der Segen gesprochen, da» Amen gesagt war — da zog Misina ihre Hanv aus der ihr«» nunmehrigen Gatten, sank zu seines Füßen und sprach, da» Haupt zu ihm erhoben: „Albert, nimm mein Gelübde an als vor Gott au» per Tiefe meine» Herzen» gekommen, ewig soll mein Dank, ewig wird meine Liebe sein! . .. Er erhob ste rasch — der erste Kuß. die erste Umarmung besiegelte ihren Bund. Ein köstlich Mahl folgte dem heiligen Acte. Anfragen und Antworten. 88. Br. in O. Halteii Sie e», geehrter Herr Redacteur, nicht auch für nöthig, daß neben JhremKatrchiömuS der israelitischen Religion noch ein Handbuch für den Lehrer eristire, in dem die methodische Behandlung diese» wichtigen Unterricht» und auch zu weiterer Bildung mehrere Katechisationen ausführlich gegeben werden? Oder in dem die in Ihrem Predigt- 8nd Schulmagazin von Seite 336 an dargelegten Grundsätze eine weitere Erläuterung sowohl in theoretischer al» praktischer Beziehung finden sollen? Antwort. Allerdings ist ein solche» Handbuch für de» Lehrer ein dringende» Bedürfnis, so dringend, daß wir, nach Erscheinen unsere» Katechismus, vielfach aufgefordert, die Ausarbeitung deffMe« versprachen (in der Allz. Ztg. d. Judemh.) — »fW ül jetzt die Muße dazu gesunde« zu haben. E» ist'«erhvürvig genug, daß ein solches

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