Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 41 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
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162 ' L ' ‘ ■ Pflege. G :nr lantr vertrat — wenn auch ungenügend — ' die Stelle im Hause. Aber für ihren Väter gab e-keine tbeurere urd süßere Pflicht, alseine lieksiiche Tochter sich, seinem He:;en und seineir Ansichten nahei zu halten. Zn Vielem ui terrichtete er si?' selbst,' bei i^ren Lehrstunden war er »l zugegen, einer öffentlichen Anstalt vertraute er sie nicht < n. Sie erwuchs zu einer her Lieblichsten Menfchrnblüih n. Mit der Schönheit de- Körperverband sich Adel der Gesinnung und Grazie de- Benehmen-, natürliche. nick angekünstelte. Wenn wrr die beiden Familien nrbest einander gestellt und gezei tjnet, so geschüh esticht-, weßl sie irgend Beziehungen hatten. T^e Männer kanntest sich kaum, der Commpzi nratb und sein ganze- Hau-' batteu zu viel Derachrur g gegen kleine Kaufleute und standen den jüdischen Krr sen zu fern, um da- Haus B.> zu beachten, und dies,- ba re höchsteneinmal ein kleine-Papiergeschäft bei dem Ban zuie. abzumachen, wobei n«r einer der Cassirer bezheiligt war.! 91'V t iW. war lange auf Reisen. Eh trank den Becher dewell ichen Lebenb>- auf die Neig-, ohne gerade in Laster zr verfallen. Hin glanzendes Arußere und mancherlei K iffen und Erfahren zeichneten ihn aus. So erreichte er ein Alter von achtunvzwanzig r Zähren, ohne daß er stch ü zenvwo gefeffelk ssihlte. seine Le^en-anflchten hielten ibn f« rn von der Ehe, die er nur al- {in gesellschaftliche- Znstitur »etrachrete. Ta starb plötzlich sein Pater, er ward zurückger tfen. um an dre Spitze de-1 Hausezu tteken. Er nähr sich vor. da- Geschäft aafzulösen. und irgend' eine Lrb nSlbärigkeit. die ihm gefallen würde, zu wählen. I Au b Minna B. reichte schon an stie Pierundzwanzig. | Trotz ihr -rt außerordentlichen Reizen und i^rerherrlichen Aus- ' bildung stand sie noch unverheiraihet da, theilS weil sie bei ihre r zurückgezogenen Leben noch Niemandem.begegnet, we> hem sie ihr Herz geschenkt^ tb^ils weil ibr Vater «hr kein beträchtliche- Heirathszut mijzugeben vermochte, um in ngemessene Verbältniffe eirrtrelstn zu können. Die Rückkehr dejungen R. erregte große Aufmerksamkeit fast in der ganzen Residenz, vielmehr in der Nachbar chaft. Seine Erscheinung stell Allen-aus. Sein ganze- Pesen hatte etwa- Verschbrsserfe-, fast Geheimnlßvollei, das reizt. Täglich ritt er vor dem Hause B'S. vorüber und. Minna bemerkte ibn wöhl. Aber bald Hane a ch er sie erblickt. Bald schien er langsamer vor ihrem i ienster, an welchem ne die Nachmittage laS oder arbeite», vorüber zu reiten. Bald fab! sie apf ihren Svaziergänaen, die sie regelmäßig mit ihrer Tante machte, sich vor ihm gefolgt, wenigstenschief er zu suchen, ihr .zu beg gnen. sie wiederholt zu treffest. Ssichrnatürlicher, o 3 daß kleine Veranlassungen fit zusammenführten. Efü |te sich, daß^sich ein- oder zweimal ein kurzes, dann e n längere- Gespräch daran knppfte. Minna war betroffii von der Feinheit und Matznichsalligkeit seiner Beoba« »tungen. feine- Unheil-.und Wissen-. Znveß blieb sie noi, ziemlich unbefangen, obwohl ihr seine Aufmerksamkeit nicht ganz gleichgültig war. Tiefere Eindrücke machte! sie auf ihn. da er eine solche Erscheinung,' so vollendete Schönheit, so ausgezeichnetes Wesen noch nicht gesehen zu haben glaubte, und 4t Hatzte doch so Diel gesehen! HaNe er nun ihre KrxunvÜchkeit falsch gedeutet, oder war er unglücklich genug gewesen, nur auf niedrige , Seeleu gestoßen zu sein, waja reichen Weltmännern ru oft geschieht — bald gestattete er sich Brief« an sie zu senden, in welchen er eine glühende Zuneigung au-- sprach, ln welchen er um Zusammenkünfte ohne Zeugen bat. in welchen er in seinen Anforderungen ziemlich bestimmt ward. Er hatte die Verhältnisse ihre- Vatererforscht, er bat um ibre — Freundschaft, indem er ' verhieß, diese dadurch zu betbätigen. daß er ihm jevmöglichen Credit, ja jedwede Summe zu Gebote stellte . . . Minna war empört darüber; lange konnte sie ihre Aufregung nicht überwältigen, ihr Herz seufzte und stöhnte, e- -war ihr sehr web darum . . . daß sie den jungen Mann keiner Antwort würdigte, daß sie die folgenden Briese unerbrochen zurücksandte, daß sie alle Plätze vermied. wo sie idn vermutben konnte, daß sie lieber ein Zrmmerchen nach dem Hose wählte, um sich nicht von ihm erblicken zu lassen., versteht stch von selbst. — Einige Monate verflossen, auch Minna war wieder in ihr ruhige- Geleift zurückgekehrt. Da kamen schlimme Tage über sie. Zuerst kam ihr da- Aussehen degeliebten Vaterso verässvert vor; seine Gestalt war gebeugt, seine Wangen bleich und eingefallen, seine Sprache hohl, seine Augen so abwesend; zwar schien er sich in ihrer Gegenwart zu bemeiftern, aber nickt lange vermochte er die-; wenn er stck unbeachtet glaubte, sank sein Haupt, auf die Brust und sein Geist in düstere- Sinnen. Bald bemerkte sie öfteren Zuspruch bei tbrem Baker/ wo deftig gesprochen wurde, sie böne. wie fremde Männer auf ihn einstürmten. ibm Vorwürfe machten, ibn beleidigten . . Sie stürzte nach deren Entfernung bei ibrem Darer ins Zimmer. sie trug idn. was dagewesen, sie beschwor ihn, feinen Kummer, feine Sorge in «br Herz auszuschütten, sie sei ja kein Kind, sie sei gesund und kräftig, und könne ibm tragen helfen. Anfangwiderstand er hartnäckig. Als stch aber vergleichen wiederbolten. als sie darauf hinwieS. Haß sie ja doch unendltch litte, vielleicht noch mehr, alwenn chr die Wirklichkeit vorläge — da eröffne» der Vater seinem Kinde seine ganze Lage, unv die war freilich! schlimm genug. Concurrenz batte ihn um seine Kundschaft gebracht, Höfe Borger, denen er, um Geschäfte zu machen, zu willig Credit gegeben, hauen ihm die empfindlichsten Verluste beigebrachl — er konnte sich retten, aber nur auf betrügerischem Wege, und vieler Gedanke kam dem Redlichen nicht einmal ein — seine meisten Gläubiger. unter welchen seider! einige.Wucherer, erwiesen sich hart, bedrängten ihn auf - Heftigste; schon^hatte er Alles bingegeben, er batte nichts mehr, was sein eigen war, und Anderer Gut wollte er nicht angrrifen, waS soll» > daraus werden? feine Habe bin. sein Credit hin, schon nagte Verleumdung an dem edelsten, waer besessen, an seinem guten Namen -. . . Esollte noch schlimmer werden. Denselben Nachmittag kam rtn Hauptgläubiger aueiner entfernten Stadt. Er verlangte die Waarenbestände zu seiner Sicherung; B. verweigerte ste, indem er nach- «ieS, daß ste in der That gar nicht sein Cigenihum wären. Voll Erbitterung entfernte stch Jener, um gerichtlichen Beschlag zu erwirken. B., der dievoraUSfab, ließ schleunigst die Waaren einpacken und sandte sie Denen Stad, von welchen er sie in natura empfangen. Alder lLubiger zurückkehrte und diegewahrte, brach er in grenzenlose Wuth au-, er vergriff sich beinahe an den