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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 40 (1855) · p. Seite 159

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
40 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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ISS Di,S ist um fo auffallender, jemehr tnajt bemerkt, pap in jenen fernen Ländern selten die Intelligenz bei den Andersgläubigen um so Vieles höher steht, alS die Bil-, düng der Israeliten, a!S daß Jene Ursache halten. Diesen nicht mit gehöriger Achtung zu begegnen. Uni, doch ist dies sehr oft der Fall. Man hält gewöhnlich den Zustand der Juden in der Türkei für glückselig, iheil. allerdings einige materielle Bortheile vor den Christen sie begünstigen. Aber im Leben zeigt sich dieS öfters ganz anders. - , Wenn man nun in materieller Beziehung nach dem Zustande der Israeliten in Asien und Afrika ftazt, so kann keineswegs vollkommen versichert werden, daß derselbe im Allgemeinen dort so blühend sei, als Nachrichten von einzelnen Städten oder Ländern eS der Meinung lufgebürdei haben. Vielmehr mag nachfolgende Skizze auj dem dritten Theil des Misstons-Journals des bekannten Wolff- (ol ihe Rev, Mission;,ry to the Jews, LoiJd. 29, 8.) zun» Beleg dienen, daß manche Scene der bittersten Armuih und der tiefsten Schmach eine Thräne des Mitleids j für unsere Gläubcnsbrüder dort verdient. Cir Rabbi in, Jöpahan (einer Hauptstadt in Persien) redete hn folgendermaßen an: ,.O, was wsr in Persien leider, ist unbeschreiblich! Täglich gebt der Vater mir Furett auf den Markt, denn er muß besorgen, daß, wäbrend pr Brot für die Scinigen kauft, der Prinz oder Gouverneur seine Tochter rur den Harem geraubt bat", am semen kleinen- Sohn, um einen Eunuchen aus ihm zu machen. Vor Kurzem erst sind zu SchiraS acht jüdische Mädchen auf Befehl des Schah hinweggenommen worden. Zu Jspahan wurden fünf Töchter Israels für den Harem qeS Gouverneurs genommen; sie sind für ihre Eltern auf immer verloren, denn wir können nicht gehen und sagen: Gieb uns unsere Töchter zurück! O daß wir mehr i i der Bibel lesen könineu! Wir würden die Auskunft deS Neffias unS näher offenbart finden, als jetzt, aber wir muffen für unser täglich Brot umherlaufen! '.'lit würden Alle gern nach Indien enlstiehen, aber sie lassen unS nidt hinweg!" Zu SchiraS hat die Entwürdigung der^ Juden die höchste Skuie erreicht. Eines AbenvS, erzalblte-Wolff, ging ich, um die Straß: zu sehen, welche dse Judenin SchiraS bewohnen; aber ich glaube nicht, haß ich eine bessere Beschreibung von ihrem Zustande gebest kann, als indem ich wiederhole, waS Scheich Abmed Abu Kami-, ein persischer.Muhamevaner von Schiras. mit sagte, als ich ihn an din Ufern des Hafar. in dem Gebiete von Tschaab Scheich sah. wo ich mit Kapitän Tuylor, dem brikkischen Residenten zu Bufforah, war. — Scheich Ahmed besuchte einmal den Kapitän tlnv irgnk Tbee mit unS. Ich befragte ihn um den Zustand der Juden zu SchiraS. Er sagte: „Jede- HauS zu SchiraS mit einM niedrigen engen Eingänge ist daS HauS eines Juden. Jeder Mann mit einem fchmuzigen wollenen oder kamelhaarnen Turban ist ein Jude. Jede- Kleid, dasehr zerrissen und auf dem Rücken geflickt ist. ist da-.. Kleid eine- Juden. Jever, der ein zerbrochenes alte- Glas aufliest oder schmuzige Lumpen sucht, um alte Schuhe und Sandalen bettelt, ist ein Jude. Jede- Hau-, in welches kein vierfüßige- Thier hineinkommt, außer einer GeiS, ist daeine- Juden." Und diese Schilderung de- Elendmnnep Brüder fahrt Wolff fort, ist knneSwegübertrieben.! AlS ich da- Juvenquartiek zu. SchiraS betrat, sah ich alte und junge Männer, alte und junge Weiber, auf der Straße sitzen und betteln. Den Kopf zur Erde gebeugt, und die Händ^ ausstreckend, rieseü.lre mit schwacher Stimme mir nach: „Nur einen Pul ^Pfennig). nur einen Pul.- ich bin «in armer Jsraelite, ich bin-ein armer Jsraelite!" 'Ich »er- «heilre-einige Kleinigkeiten unter sie. und mehrere sagten zu mir: „Bist Du gekommen? Wir haben gehört, daß Du ein Sohn Israelbist!" Ich sagte ihnen, daß ich^sie zn ihren Häusern besuchen würde, und, während ich mit ihnen sprach, -hörte ich die warmen Juden 'und Jüdinnen schreien. „Ich bin ein armes Kind Israels! einen Pul, nur einen Pul!" uni» andere faßen auf der Straße und aßen Zwiebeln' und bettelten Brot, und riefen: „Nur einen Pul, ich bin ein 'armes Kind Israels!" Zu Bufforab und Bagdad, wo die Juden nicht so unterdrückt sind, siebt man schöne! und große Männer unter ihnen, und ihrr^Töchter sind artig und schön; aber hler zu SchiraS sind sie blaß, gelb und klein von Gestalt; sie sind in der Thal arme, arme Israeliten. und von ihren -Töchtern ist alle Schönheit gewichen. - Ich wundere mich.nicht, daß die Harfe unter ihnen verstimmt ist; ihr einziger Gesang ist jetzt: ..Rur'einen Pul. «b bin ein arme- Kind Israels." Und dennoch findet der Schah'Zadeh. der Statthalter von SchiraS, Mittel, von dem hohen Priester dieser armen Leute Geld zu.erpressen. Ein schottisches Sprichwort sagt: Es sei schwer, einem Hochländer seine Hosenabzuäehmen (weil er keine trügtj; aber hier kennt man dine magische Operation, die diesen armen Israeliten einige Rupien auSpreßl. Wenn der. Hohepriester aufgesördert wftb. eine Summe von 15.000 - 20,(KM) in den Schatz des Prinzen zu zahlen, erbalt er eine tücdtiße Bastonade. Diekann natürlich zu keinem uninitttlbarew-Erfolge führen, denn kein einzelner Mann in ganz SchiraS besitzt eine solche Geldsumme. Aber es wird dem Priester die Erlaubniß ertheilt, ii<fe; desselben Mittelbei seiner Heerde zu bedienen, und so geht die Bastonade durch die ganze jüdische Bevölkerung, und endlich kommen die Piäster auf irgend eine Weise zum Vorschein. — Der Zustand der Juden zu Teheran macht allein eineLluSnabme. weil hier der Schah rrstvirt, der gegen alle ReligionSfecten gletch^tole» rank ist. Er verlangt nur Rübe und Ordnung, und wenn man ihm Geld giebt, mag man sich zu einet Religion bekennen, zu welcher man will. Se. Majestät zählt sein Geld und seine Juwelen unk ' lebt in Frieden mit Jedermann. Er erlaubt ttn Juden gern. Geld zusammenzuscharren, um eS dann ihm zu geben, unv wenn sie.zuweilen eine Peischkib. d. i. ein Geschenk, bringen, so-rst er äußerst zufrieden mit ihnen. Man möge ihm auch nur eine Guinee zum Geschenk Machen, so wird er ste-annehmen und dafür danken. . Blumenlese. Auszüge von ErzähladgeN, .Gftichaiffen, Gedanken und Mein«», gen. wie Erklärungen von Schrtftstellen auS hebräischen Werke». «2^5 "i halte bcheitS vaS dierzigste Lebensjahr zurückgelegt und war noch der Wissenschaft fremd. Wodurch begann er dem Studiumsich zu wid.men? Einst i

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