Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 39 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
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154 «- l'djaffnt, aber mit^yannäckizkeft wies tx ihre Bestrebungen zurück, so t »ß s^e allmalig die Hoffnung verloren, mit diesen >Bekeh uugäversuchen jemals ans Ziel zu gelangen. Diese ifromm n Bestrebungen aber batten ibnen nebenbei mit z^r Lnt chulvigung dienen muffen. denn vi* Menge fab ihren li bhatten Berkehr mit dem Juden nicht gern; ja diese Sn rmung steigerte stch sogar bis zum Unwillen, «lg einst in.einsn wissenschaftlichen Streite Einer seinem Gegner vorvar!'. er verschmähe selbst in "Streitwagen über eine ch istli he Materie die Beibülfe des Juden nicht. So zogen ch enn allmälig Alle, halb gezwungen von ihm zurück u»d die Einnahmeguellen des, von Juden und Cdnstt t Verlassenen begannen vollständig zu versiegen. Eines - ages im November wollte sich der Pastor von 8t.-Andrea in I seiner behaglich geheizten Wohnstube eben zur Mittag'rafel nieberlaffen, alS mehrere hastige Schläge des Klopfeis d/r HauSthüre erklangm. Die Haushälterin off >ere lund war nicht sehr erfteul. allste wieder den Juden intrrten sab. der dringend den Pastvr in einer Kirchenang' legenbeit zu sprechen wünschte, während er dazwischen in dielsröstelnveu Hänve blieS, um s^e mit dem Hauche fei: eS MundeS zu erwärmen. Zn die em Augenblicke trat der Pfarrer. daS Mundtuch in die Hal-binde gesteckt, wie eS schien auch nicht sehr erfreut übet die Störung. auS der Thüre seine« Wohn- ^zimmerS. Ww sehr aber erheiterte sich sein Antlch, alS ihm der I ide ierklärte. beute sei sein Geist über theologische Studi n plötzlich erleuchtet worden, so daß «r stch nunmeb, von der, Wahrheit der christlichen Religion vollständig überze igt fühle unv dem Drange sein,- Herzennicht' mehr hält chi^erstehen können, alfogleich die ersten Einleitungen u seiner Aufnahme in den Schooß der christlichen Kirck ' zu treffen. -..Der Herr segne Deinen Eingang," spracht der fromme Pfarrer. „Kamm', laß Dich in meine Arme schließen alS ein neues theureS Glied einer großen Familie." ' Und so »hat er li rd rückte dabei einen Kuß auf die Lippen de- Juden. >anr fuhr er fort: „Doch nun kommt? seid «ejn Ga:. n»ch Tisch besprechen wir daS Weitere. Marrha, noch ein Gedeck!" Die lte Kartha, welche gehöN hatte, um was eS sich handelte, war nun die Beweglichkeit selbst utzd eilte« AlleS 'herbe zubolen, waS Küche und Keller pormochle, um die Tafel für? ein so seltene- Freudenfest zu ergänz,n. Der jüdische 1 telegne aber widerstand dieser herzlichen Einladung nid t, and athmete unwillkürlich, die-Hund aus dem Herzen. I och jauf, alS er die Stube betrat, ovo der Duft der ange icht ten Speisen die Einladung »och eindringliche w ederholte. Der Pastor sprach da- Tischgebet. Man spe ste, trank, chaS Gespräch erwärmte sich, und alS daS bxle >te Mahl beendet war, nahm sich, der glückliche Wirth ki um die Zeit, die Geschichte , der inner« Bekehrung seine- G »steh anzuhöven, .so sehr beschäftigte ein möglichst prunkhaf eS Kauftest bereitalle feine Gedanken. Würdige Par len für den Täufling zu gewinnen war die erste - .Aufgabe d e er stch stellte; er ging dabet so eifrig zu Serke, ' 'aß er bald sich unter wiederholten Umarmungen voin den N ophyten verabschiedete. AlS dieser dann selbst auch na h seine« Hut verlangte, . war Martha bei der Hand, i ierchuadert sah ste zu ihm auf, denn seine Stimi münz war plötzlich eine andere geworden. Zn tiefe- Sinnen versunken stand der Jude da, vas Haupt auf die Brust gesenkt, und schien fast bekümmert. Erst alS ihn Martha besorgt fragte, ob er auch gesättigt wäre, nickte er nur und mit dem Seufzer: „O Menschen. Menschen!" ging er von dannen und verschwand. Ter würdige Pfarrer von Sr.»Andreahaue nicht lange zu suchen. Die reichsten Patricjer stritten sich um die Ehre, Pathenstelle bei dem so gelehrten Täufling zu übernehmen. Nach kurzem Karechumenenunt,reicht nahte die Zeit, in welcher der Jude in den Bund der Kirche ausgenommen »werden sollte, und von allen Seiten flössen reiche Taufgeschenke dem Täufling zu. ES war ein klarer Januarmorgen, an dem die Taufe stattfand. Der Tag wurde für ganz Köln zu einem wahren Kirchen- und Freudenfeste, denn wie im Himmel größere Freude ist über einen reuigen Sünder als über einen Gerechten. der noch nie fehlte, so hier über den gewonnenen Christen, der im fremden. Glauben erzogen war. Nach damaligem Brauche wurden ohnehin Profelytentaufen nur in Hauvtkirchen und nur durch Bischöfe mit wirklichem Unlertauchen de- Hauptes vollzogen. Deshalb strömte eS schon in aller Frühe nach der PeterSkirche. wo die heilige Handlung durch den eben in Köln anwesenden Bischof Egbert von Münster, unterstützt durch den Abt Rupert von Deutz, mit allen üblichen Feierlichkeiten von statten ging. Drei mal wurde dabei der Täufling nach Morgen, nach Abend und nach Mittag bin in dem noch vorhandenen großen bronzenen Taufbecken untergetaucht. Dock» stylen eS dabei. alS hätte ihn eine Scheu vor der Eeremonie angewandelt. Er selbst sprach fich darüber später dahin auS, schon nach dem ersten Untertauchen hätte eS ihn heftig gefröstelt, dabei sei ihm der Teufel erschienen und hätte ihn versucht, seinem ftommen Vorhaben untreu zu werden; aber die Zusprüche der Priester hätten ihn unterstützt, in seinem Kampfe gegen die Anfechtungen deS Satans auS, zudalten. Am Abend deS Tagefand ein große- Festessen stakt. Hier vermehrte sich noch der Jubel der Theilnehmer. alS der neugewonnene Christ, der nach einem der vielen Namen. die er seinen Pathen dankte, von nun an Herrmann hieß, den Wunsch auSdrückre, sein ganze- Leben dem Dienste der Kirche weihen zu dürfen; Jedermann war der Ansicht, daß er »IS Priester eine der Zierden der Kirche sein würde. Seine vielen Parhen und andern Gönner erboten stch sofort. ihm überall die Pfade dazu zu ebnen, und ste hielten Wort. In der kürzesten Frist empfing er sämmtliche Weihen und als Pftünde bald nachher ein Kanonicat an demsel- 'ben Stifte St.-Andrea-, wobei er gleichzeitig in der AndreaSkirche als HülfSprediger zu fungiren hatte, so daß seine rasche Beförderung wohl im Stillen den Neid mancheandern jungen Geistlichen erregt haben mochte. In der Thal entsprach der Kanonieu- Herrmann aber auch allen Erwartungen, die man gehegt hatte. Eeine Führung war musterhaft. Versagte er stch gleich die Genüsse nicht ganz, die ihm jetzt geboten waren, so behielt er doch die Mäßigkeit deS Juden bei. Dagegen war von Habgier bei ihm keine Spur. Ergab, soviel man erftthr. den Armen reichlich, und doch mußte e^ bei Weitem «ehr geben, als man erfuhr, da man nirgendgewahrte, daß stch die Gelder bei ihm häuften, wie edoch bei seiner