Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 38 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
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151 ste t» fich so sauer und schwer, alwenn sie lauf Zahrhundene für ihre LeibeSbedürfttisse zu sorgen Härten, al» wenn nicht zuletzt bei nur etlichem Fleiß, der Tag brächte, waS der Tag verzehrt. O wohl, wa» der Gedanke de» Tode» Erschwerende». Drückende» für den Erdensohn hat, da» fühlet Ihr wohl herau»; wa» er aber Erstarkende», Erleichternde». Anseuernde» in fich trägt, da» lasser Ihr bet Sette, - und e» fällt Luch gar nicht ein. Da» Bewußtsein unsre» kurzen Erdendaseins muß un» an* feuern, e» wohl anzuwenden — in der Veredlung unsre» Geiste», in der Annäherung an Gott, in guten Werken und rechtem Genüsse unsre» Leben» in Lauterkeit^. ES muß un» erleichtern von der ewigen Sorge und Mühsal um die LeibeSbedürfniffe, daß wir nicht nach Vielem streben. sondern nur nach bescheiden genügendem Theil, da alle» Andere überlei. ja vom Nebel ist. E» , muß un» erstarken, die heiligen Nebel de» Leben», da sie doch nur kurze Zeit währen. Mit Kraft und Bestimmtheit zu tragen, und neben ihnerl unser Herz offen zu halten — für die Freude, die un» Gott in dasselbe leget. — Aber wa» endlich am meisten der Freude im Herzen entgegen« steht, da» ist: daß die Menschen wenig verstehen, worin die rechte Freude besteht, und sie suchen, worin sie nur eine lügnerische, heuchlerische Freude finden, die mit Be« schwerde beginnt und mit Detrübniß endet, durch die nur Mißtöne gehen und Klagen kommen. O. ich meine Euch, ihr nur-sinnliche Freuden, ihr nur auf die Sinnlichkeit de» Menschen gebauten Genüsse, die ihr entweder im lieber« maße euer Ende, oder in der Sünde schon euren Bestand habet .... doch ich will von euch heute nicht weiter reden: da mir Gott die Freude in» Her; gelegt hat, und wo wäret ihr da?- Und so kömmt e» denn, daß e» nur seltene Momente sind, in denen wir der Freude einen vollen, ganzen Raum gegeben in unserm Herzen, wo der Zatfberstab der rechten, der von Gott kommenden, gesandten Freude unsre Seele berührte und weihete. Es ist da» ein hoher Feier» rag, der nicht oft kommt. 4)a wird unser Geist emporgetragen aus lichten Wolken, da» Irdische nii^ all' seiner Schwerkraft ist hinuntergesunken, ach', e» ist un» so leicht, so leicht zu Muthe. Da fühlen wir unsre Seele al» eine wahre HimmelStochier. gekleidet in da» weiße Linnen de» Aether», bekränzt mit den Rosen der Morgen- oder Abendrölhe, und einen leuchtenden Stern al» Diadem auf der Liliensiirn. Wir haben den Saum de» Allgütigen, de» Vater» gefaßt, der Hauch Seiner Liebe durchströmt un». wir geben un» ganz der Seligkeit hin. und süß und wohl klingt e» durch die Saiten. Solch' Blitz fährt dann au» unsrem Auge, wie wenn wir Gort geschaut in Seiner Wahr« heit 'inen Augenblick; so quill: e» in unserm Herzen, wie wenn e» zu einem Borne Seiner Gnade geworden . *. . Aber selten sind nur diese Momente? ach, sie sind auch kurz! Auf der Höhe erhält der Mensch sich nur geringe Zeit, sein ^Fuß schreitet bald wieder hinab in die Thäler, wo der Rebe! sich lagert und die Sonne nur durch ein verschleiernde» Gewölk schauet. Aber gerade darum sei mir gegrüßt, gegrüßt vor allen Deinen Brüdern, süßer, heiliger und heiligender Moment, wo meine Lippe stammelt. Du hast Freude gelegt in mein Herz, mein Hott und Vater! Wenn ich je vergäße, daß ich ein Sohn de» Himmel-, wenn es mir je entschwände, daß meine Seele von ander-wv.staminet, al» vom Staube, dann will ich mich Dein erinnern. Za, wenn ich je verzagen wollte, wenn mir da» L»en bitter schmeckte, wen» ich murrte, und Ungeduld mein Herz überkäme: danN"ftehe Dein Bild vor meinen Augen .... ich werde mich dan» noch einmal erhoben fühlen, nrjch einmal wird da- Irdische mit all' seiner Schwerkraft higt harr' ich entgegen der tztt nde, wo meine Lippe abermals gestehen und jubeln wird mein Herz, mein Gott! hinuntergleirea, und beru- Du hast Freude gelegt in Rabbinische Antilogien von Smanu^l Hecht. 5. R. Zosua» Ansicht über die Trauer. Jerusalems Zerstörung machte auf viele mit asier Gluih ihre»-Herzen» an dem'verlorene» Vaterland hängende'Israeliten einen so tief innerlich »rügenden Eindruck, daß ste sich jede» Fleisch,» und Weingenuffe» enthalten wollte». ,Wie könnten wir Fleisch uvd Wein kosten," sprachen sie, „da diese Speisen nicht mehir al» Opsergaben.auf den Altar Gotte» gebracht werden!tönnen?" — „Dann sollt ihr aber auch kein Brot genießen," redete R. Zosua ste an, ein nicht minder gotte»furchiiger und patriotisch gesinnter. aber ernst denkender Mann; „denn auch die Opferbrote können Gott nicht mehr Gebracht werden." — „Run so essen wir Früchte.'* —. „Aber auch die ErstlingSoPfer haben aufgehört," versetzte wiederum R. Zosua.- — „So genießen wir jene Fruchtgatrüngen, die nicht al» Opfer dargebrachr werden." — „Dünn sollt ihr aber auch kein Wasser trinken; denn auch da l Waffergießen am Laubhüt» tenfrst kann nicht mehr staMilden.'? Al» daraus die Angeredelen nicht» mehr zu entgegnen wußten, sprach der Rabbi: „Unsere Gelehrten sagen: da»'ganze Hau» mag man neu au-weißen lassen, nur ein kleine» Plätzchen nicht zur Erinnerung 'an die Zerstörung Jerusalem»." Damit wollten ste der zu großen Trquer, wie . auch der gänzlichen Trauerlofigkeit durch ein anschauliche» Beispiel enkgegentreten, indem ste von der An icht ausgingen. daß Israel» Genossenschaft nicht bestehen kknne, wenn zu schwere Satzungen ihr auferlegt würden. Drr goldene Mittelweg ist der best,. 6. .Trug uvd HandelSlist. 1) Eine Gesellschaft Eseltieiher beabsichtigte bei einem eingetretenen Mangel an Sa z diese» ^unentbehrliche Mineral von ander-wo Herzubolen und baten ihren Handel»- chef, mir ihnen gemeinschaftlich die Reise anzutteten. Der aber sprach: „Wenn ihr bi» übermorgen warten wollt, so kann e» geschehen, beute und morgen aber muß ich meinen Acker bestellen." Die Gesellschaft willigte darein. De» Morgen» aber sprach ep zu seiner Frau: „Merk' Dir e». wenn ich da» Joch fordere, so reiche mir den Sattel, und wenn ich den Schlauch verlange, so gieb mir de» Sack." Al» die» so geschehen, bepackte er den Esel mit dem Sacke und trabte d«ou. Die übrigen Eseltreiber kamen de» andern Tage» aber von seiner Abreise un» mußten nun ihre» Wege» um ihn abzurufen, hörte».