Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 38 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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150 in'S Boven wußte nich lose zu versinken drohte; ich war rmhlos, ich wobin mich wenvrn.; die straft, die mir geblieben. batte keinen Anhalt mehr, nach Hülfe ischaute ich mich vergesenS um; ich rang und rang; mit dem Wort deiGebek - auf der Lippe, mit dem Gedanke^, daß es droben der; noch nie an einer Rettung gefehlt, »m Herzen, raffte ich nich auf, zerriß die Bande, die mckncn Arm umschlang n. drängte mich empor, und siehe, ich bin gerettet! Nm liegt meine Lebensbahn wieder vör Mir wie auf weite; Ebene, wie vom Sonnenschein Beginnet; ver» schwundel sind all' di« schwarzen Schatten, di/ mich umkreisten; i. ich weiß, ich werde zum Ziele, zu riwem schönen, siche n Ziele gelangen, ich werde mir ein bescheiden Theil Ri bmeS bei Gott und Menschen erwerbet, ich werde mit und den Meinen ein, wenn auch mühevoll«, doch sorgenloses Zoos gewinnen, o, ich habe mich, jneme Kraft nun bew ibrt im Leben; wie schlagen voller' dir Pulse, wie arbl et freier die Brüst, wie schreitet fest r der Fuß, wse blick k fröhlich das Auge — Freude, best; Freude der Sichert»t bat mir Gott ins zagenve Herz gl legt - Eü e, holde Unschuld. Dich Hab' ich wie er, ich habe Dich w eder erkämpft, ich bin rein, ich bin schuldlos! .. PSie m h die Versuchung überkommen batte;! wie fie sich hrransck Itch mit so kindlicher Geberde. reftenv. anmutbig, Unbeder end. Da war der Funke angeschlagen, und er zündele Bald brannte eS bell, bald wa>1 es Klamme, die dur h alle Gebeine drang. Leidenschaft, ich hatte Dein g trunken. Deine Schlangen hatten mein Herz um* wunder, die Sünde bane meine Rechte gefaßt, und zog lick n ich sich mit unwiderstehlicher Gewalt? Wohin, wo. sin w llt' ich geratben! . . . Was war^ eis, was mich mf ei mal elektrisch rurchsubr, welch' Bild.stell» sich vor >as-A ge meine- Geistes? Ich weiß nicht. I Besonnenheit ^war o rr fern; unter dem Sturme der Gefühl«; konnte der .Gedanke nicht wurzeln; und doch riß es mich empor, doch trachte es mich zum Kampfe.. Willst Du untergehen? frug es. in mir. Willst Du Dich verloren gebßn? willst lDu Dein edelstes Kleinod, Deinen wahren Schmuck : mit ßelbsträüberischen Händen tilgen? Hedsnke Deines Gotieß, gedenke Deiner Jugend, gedenke Deiner Eltern, Dein« Lehrer, gedenke Aller, die Dir träum, die Dich ehren! gedenke Deiner Zukunft! .... Ha, es durchzuckte 1 mich. Hier fühlte ich die Süßigkeit de- Genusses, dort die 2 itterkeil der Schuld ... ich riß mich empor, ich nabm davchwert des Rechtein meine Hast». tfrn Schild der l ugenv an. meinen Arm, ich warf lfteder die erniedrige ide Begier, ich siegle .... o, nun weiß ich, welchen ' Triu nph ich feire, den Triumph über mich seÄst; der Stu m ist besänftigt, ich weiß gär nicht mehr, was ihn anzurächm vermochte, aber das weiß ich,: daß ich großer vernichtender Gefahr entgangen; mein Bewußtsein richtet stch bist still es bet zen! in mir auf. mein Blick erhebt sich zum Himmel. Du nun mehr, al- Du warst, Du bist gjepchft. und hast bestände«. ES ist kein Stolz, aber Befriedigung. eist r, säuselnder Friede, der mir da- Herz durchweht . . st die Freude der Unschuld, die in preiner Seele be- „jauchzet, ibr Gerechten, jubelt, die ihr geraden Herseid!".... ES ist daeigenste Wesen mit der Freude bei dem M «schen. Alles sehnt sich nach ihr; Alle» gehet nach ,_i_ ihrunter den größten Bürden schauet der Blick nach ihr auS; niemals verlernet vaS Herz, sich zu freuen: ob es auch viele Male dem gbsaget, ob eS niemals seine Pforte dieser Himmelsbotin wiederöffnen zu können wähnet: wenn sie kömmt in ihrem lieblichen Prangen, mit dem gewinnenden Lächeln, aufspringt die Pforte von selbsten, wie drunten der blaue Himmel wieder lächelt, wenn eS droben noch aus grauem Gewölke regnet. Und dennoch verstehen sie. die Menschen: nicht, die Freude recht zu empfangen, recht zu genießen, und am wenigsten, ste fcstzubalten. Da ist zuerst die häßliche Gewöhnung, die selbst dem Schönsten, deni Besten den Reiz nimmt. Wie wenige Menschen vermögen es, was ste Gutebesitzen, immer wieder, immer von Neuem zu genießen. Selbst deö Kleinsten. Unbedeutendsten Mangel fühlen fie. aber der größten Güter Gegenwart schätzen fie nicht, weil - - ste da sind. Würde der Mensch immer empfinden, wie BieleS und wie Großes er sein nennt, selten kam' er aus der Freude heraus, und selbst große Verluste würde er leichter ertragen. O. eS ist ein sonderbare- Ding, das Mrnschenherrl Gin Grundfehler von ihm ist das lieber» schätzen, dem Niemand entgeht — und gerade daS. wodurch rbm. wenn er es etwas viel schätzte, wenn er eselbst überschätzte, daS Leben l<td» und wonnig würde, achtel er gering, geringer als es verdient. Von wannen käme denn sonst die viele Sehnsuchtdas beständige Langen und Ban»" gen. kämen die ewig sich steigernden Wünsche, die sich doppelt auS dem Erdreiche deS Herzens erheben, wenn sie einfach erfüllt over beseitigt sind? Und dieS macht eS zweiten-: daS Hangen an äußern Gütern, an den Flittern, mir denen sich der Mensch umgeben hat. O, ich will sie Euch gar nicht Leides machen — waS mir auch nicht gelänge — sie geboren einmal zum Kram veS Menschen, und Niemand kann sie ihm wieder nehmen. Aber Schade ist es. Denn die größte Mühe des Lebens macht eS. fie anzufchaffen. die meiste Sorge verursachen sie. und darum stehen sie am meisten dem Genüsse der Freude entgegen, den sie so sehr ver- und abkürzen. Wäre der Blick des Menschen höher gehoben, lebte er. ich will nicht sagen innerlicher. aber mehr mir Innerlichem beschäftigt — braucht' er doch darum seine Aeußerlichkeiten noch nicht zu vernachlässigen — seine Empfindungen würden reiner und ungetrübter. Um jener willen ist er ja so vielen Entbehrungen ausgesetzt, und neben diesen weilet die Freude nur ungern und kurze Zett. — Zu diesen gesellet sich aber drittenals Frieden-- und Freudenstörerin: die verkehrte Auffassung des LebenS. Der Mensch macht es sich viel zu schwer, viel zu sauer mit seiner Spanne Zeit. Man verstehe mich wohl. Wenn es darauf ankömmt. denhöhern Ernst des Erpenlebens zu verstehen und zu üben, wenn eS sich darum handelt. unS ganz zum Bewußtsein zu bringen, daß Erlangung von Erkenntnis und Uebung des Rechts, Tugend und Liebe und Frömmigkeit die wahren Aufgaben veS Menschen sind: wir können da nicht ernst genug sein, uns nicht Müde genug geben. Aber daS weiß ein Jeder, daß auf diesen Weg die Freude gerade ihre schönsten und dustendsten Blumen gepflanzt und gestreuet hat. und viele ganz ohne Dornen. Aber nein! die meisten Erdensöhne haben ihre Lebensaufgabe nur in den Erwerb der äußern Erdengüter, des Geldes und der Menschenehre gesetzt, ach! und da machen