Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 38 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belefjning und Anlerhallung aus jüdischem HeKiete. Hrrau-ge-eben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. [X». 38. 1853.] B«a ttrftr grtilckriN erkch«t»l »Menrlidi »tue Jtnnmtr. 4>r»i» »,» Aadr- «ing« I ldlr. Lxnklj^drij 1'/, Na». *a« e>»»d»nk>in-e». Softi»»« >n» ZriionA»»r»edltt^nrn nrd«»i *<ifDii*«i «». I2.Z«hrß. 3.(DurUL] Wohin wir eS bringen wollm? Dabin. daß der Käme „Jude" in seiuer Glorie und Erhebung den Kamen „Jude" in feiner Schande und Erniedrigung überwinde, und in ihm, dem Gepriesenen (1 Mvs. 49, 8.). sich verei« ne«, die den Ewigen preisen (1 Mos. 29, 35.). Die Gegensätze. ISit-lit.) 2. Du hast Freude gelegt in mein Herz, o Ewiger! (Psalm 4, 8.) Wölbe Dich über mich, reiner, blauer Himmel, Du klarer Aether; kein Wölklein fei zu schauen, das einen Schatten werfe; durch und durch sei Allevon goldnem Licht« vurchwoben. Nimm mich auf unter Deine Laub» gange, auf Deinen weichen Rasen, sonnendurchblitzter Eichwald. Wehet mir Euren Gruß zu, ihr grünen Berge mit den hohen Häuptern, in einem frischen Winde-Hauche. O, wie licht ist ein meinem Herzen! Sieh, ich sitze am kühlen, murmelnden Bach; weiterhin rauscht er den Felsen hinunter, schäumend bricht er fich Dahn durch da- Gestein; hier aber sammelt er vor dem Sturze seine Wellen ruhig noch einmal auf. der hohen, frischen Matte. Tief unten auf der Ebene liegtda- Städtlein» wo ich meine Wohnung ausgeschlageq; seine rothen Dächer, sein Kirchtburm winken mir frepftstlich zu, alwüßten sie, daß der Flüchtling schon wieder zurückkehren werde zu ihnen. Den Morgen, sprechen sie, .den Hellen, thauigen Morgen laffen wir Dich dort vben.^voll ist Deine Kraft, sie verlangt de- Hohen, de»^Erhabenen, der weiten Fernficht. Aber oer Morgen har doch einen Abend, und dann wirst Du unsuchen, ganz von selbstm. nach der Ruhestätte, nach der erquicklichen Zuflucht wirst Du Dich sehnen, wirst Du wandern. Aber jetzt eilen die geflügelten Schritte vorwärt- und hinan; hie und da eine Ruhe, hie und da ein Derweilen, um da- Schöne tiefer in da- Herz und die Einbildung zu prägen. O, ich bin allein mtt «einem Gotte, mit feine» herrlichsten Werken, mit mir; weggeworfen habe ich alle Bürden, von der Tafel de- Gedächtnissevöllig gewischt all« Erinnerungen; ich will genießen, rein genießen, wa» «ein Gott Schönes zusammengebaut hat auf seiner Erde. Wie es mich durchschauert, wie der Geist seine Schwingen lüftet, wie da- Herz überstr-mt. Daist derselbe Geist, der unter dem Druck der Arbeit erlahmte? Dasselbe Herz, davon Sorgen und Aengsten fich so zusammenpreffen. zusammenschnüren ließ? Nein! sie find enicht. Wawäre Dir wohl jetzt zu schwer, mein Heist? Und hber 'welche der kleinen Bedrängnisse lächeltest Du jetzt nicht, »ein Herz? Wie Ihr Euch so doch, so hoch erhoben fühlet: weit über die Wipfel der Bäume, weü über die- Spitzeft der Berge, weit über den Zug der Wolken, ja selbst über Dein Flammenmeer, glühende Sonne — ' erhoben bizu Gott, der da- Weltall füllet, der die utftndljcheki Räume in seiner Unendlichkeit ttägt. Aber ich bleibe lieber auf der Erden; ich pflücke einen Sttauß der schönen, würzigen Bergblumen^ ich lab* mich auder krystallnen Fel-auelle, ich stimme an, auder vollen Brust, ein Lied, ein Lied, ein JubeUied, ach — über den §trom der Fr, Herz gelenkt!- Aber brauche ich Euch, Bäche, Sonoenschein und Bltpnen — Sieh. de. den Gott in -mein Berge, Matten, Wilder, brauche ich Euch auch in meine» wirklich so nöthig zur Freude? engeu Stübchen ist emir so jwohl. Draußen rauscht der Regen, heult der Wind; der Abend ist so grau, die Rächt wird dunkel; wie die Linden!dor der Thür unwillig die Häupter schütteln, und die Zweige dadürre Laub vor Aerger abwerfen. Aber ich habe ein knisternde- Feuer und eine hÄe Kerze; da- Stübchen ist so rein durchwärmt, erleuchtet, und duftig. Ach, upd ich habe mein Tagewerk so rüstig vollendet, daß ich sagen kann: Du warst heut' nicht unnützlich auf Erden. Ach, und eist mir gelungen, eine T^rine zu trocknen, ein Elend zu lindern, einen Jammer zu stillen; ja, ich habe vermocht; eine Unschuld zu retten, ein,'Bedrückung zu entfernen, eine Ungerechtigkeit zu verhindern. Und nun weiß ich: Du hast Dein Rnbestünbchen verdient, Deine Behaglichkeit ist Dir gegönnt, nun willst Du noch r|tir Stunde Deine« Geiste leben, Du lauschest den Worteyl eine- Weisen, den -ehren eine-, Forscher-, den Sängen eine- Dichters, daß Verstand und Herz Dir au-gebaut werdend Dann wirst Dü ymüberschleichen, und Deiner altes»' Mutter auf die schlummernde Stirn einen leisen Nachtßuß aufdrücken, dann Dnnen Abeadsegen beten, still dt« Hände falten, und sprechen: Vater, welche süße Freude hast Du mir durch- Herz gewoben!. 34 war in großer Gefahr; der Weg »eine- Lebenhatte fich so abwartgrfenket, daß er abzubreche», daß er