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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 37 (1855) · p. Seite 147

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
37 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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14? denen, di« sei« harren, der Seele, die ihn suchet. Gut ist'», daß man hoffe, und schweigend auf die Hülfe de- Ewigen!" <3, 21—26.) — darum konnte er sagen: Ich bin der Mann, der da- Elend gesehen, ertragen! Und dann neben der Zuversicht, lieget nicht auch ein gewisser Stolz in unseren Worten? Wohl, tja» bestandene Leid, daS würdig ertragene Unglück —s heiligt. Mehr noch, als durch vollendete Werke, als führte Thaten wird der Mensch geheiligt durch geschicke, die er durchkämpft, durch die Schmerz erlitten hak. Seht Ihr einen Mann, dem ein großes Leid widerfahren, der einen unersetzlichen Verlust bestanden, wie groß, wie erhaben, wie geheiligt erscheint Sein Blick ist höher, sein Gang sichrer, seine wenn auch gekrümmt,- doch gehoben; er hält auf dem Herzen, daß sie schweigend verkündet: benöstrom wollte sich ergießen, aber ich habe halten. - Nur vor dem Einen Hüte Dich, menschlich daß Du wähnest: Härterekann mir nicht w> »urch voll« die Miß» tn. di« er er Euch. Haltung, die Hand mein Lehn aufge« :r Dulder, iderfahren. daS Schlimmste und Schwierigste Hab' ich ü verstanden. Denn siehe! aus dem Trümmerhaufen schlägt auS der Brandstatte die Saat wieder hervor; daS GraS, allmählig sendet Dein Herz wieder die Kasern um die Rainen, um die gebliebenen Ueberreste Deiner Erdengüter; unter der warmen Asche Deine- WeheS wuchert'- so ippig und schnell wieder herauf — und sollte nun noch einmal die Sichel kommen, die krumme, sscharti'ge Siche, die den Halm von der Wurzel trennt?. <3d)lu* folgt.) Kleine Erzählungen aus alten LÜreLey. Bon limaauel Hecht.! ' Bezähme Deinen Zorn. Ein Vater ermahnte auf dem Todtenbette seinen einzigen Sohn in folgenden Worten: „Geliebter Sohn! ich gehe den Weg aller Sterblichen und werde ih wenigen Tagen nicht mehr bei Dir sein. Ich kann tm. Allgemeinen getrost von Dir scheiden; denn ich finde Dich nach Kopf und Herz ziemlich wohlgebilvet, und befähigt, mit einiger Anstrengung Dir Dein Fortkommen zu sichern. Einenur ängstigt mich, Du bist jähzornig und begehst durch diese Leidenschaft die unüberlegtesten und nachtheiligsten Handlungen; versprich mir daher, nie im Zvm zuhandeln oder bei heftiger GemüthSbewegung wenißstenS -erst nach Verlauf von 24 Stunden zur That zu schreiten. Du warst mir sonst gehorsam, ses es mir auch in de^ letzten Stunde meines Leben-." Der Sobn legte da- Versprechen mit Thränen in den Augen ab und hielt Worti Bald nach des Vaters Tod riefen ihn dringende Geschäfte zu einer Seereise. Mit beklommenem Herzen schied er von seinem erst vor einigen Tagen mit ihm verbundenen Weibe und bestieg da- Schiff. Ein Sturmwind schleuderte ejedoch an Klippen, efcheiderle und begrub die gefammte Mannschaft tn den Meereswelleu. Durch ein Wunder entkam er aber der Todo-gefahr, mußte jedoch 10 Jahre aus einer entlegenen Insel sein Leben zubringen, biihn endlich ein Schiff, davorbeigesegelt, aufnahm. £ Nach ISjabriger Abwesenheit!kam er wieder in -den Ort seiner Heimath zurück. Ewlar finstre Rächt, die Thür» seine- Wohnzimmerverschlossen, doch bemerkte er rin Licht in dem Schlafgemach seiner Krad, und da er durch da- Schlüsselloch desselben blickte, einen schönen Jüngling; tosend, scherzend und lachenb mit derselben. Da kochte die Wuzh in seinem Herzen, wild rollten die Augen in seinem Kopfe, fieberhaft durchlief da- Blut seine Adern, mit Blitzesschnelle holte er' ein g:oße- Reisemeffer aüder Tasche und war im „Begriff, die Thüre zu durchbreche» und datreulose Weib zu durchbohren. alS er auf einmal de- Schwuregedachte, den <r dem Vaker'.ln der letzte» Scheidestunde so feierlich.gegeben, er hielt inne. legte da- Ohr aä da- Schlüsselloch'und Worte sprechen: „Alle-'gut, l nicht zufrieden, so lange Dein Vater nicht zurickgekehrt. O wenn er Dich sehen kö»nte welche Freude würde ihm drei machen.^Wo mag er wohl sein? wie wird eihm wohl gehen? Bete, mein Sohn, bete, daß er wohlbehalten riieder hierher zurückkehre." Bei Viesen Wortey stürzteder armte seine Frau, die er kurz und war selig im Genüsse de- Wiedersehen-. hren'und nicht ehren Wie man seine Eltern / svl!. Manches Kind speist seine Eltern mit Kapaunen und kommt dafür in die Hölle, ei» andereläßt sie hingegen harte Arbeiten verrichten und Ewar einmal Eine*,--der sftnem Vater gemästete Kapaunen zum Essen brachte. „Mein Sohn! woher hast Dl. denn solch' kostbare Speisen? Der Sohn erlbiederte: hörte seine Frau folgende eber Sohn! doch ich werde er kennt Dich ja gar nicht. Darer in da- Zimmer, um« vorher hatte tövten wollen, erhält dafür d-s Paradies. Da'.fragte ifon' der Vatkr: halt'- Maül, - Alter! und ftiß, wie andere Hunde auch? Trotz der Kapaunen, die dieser Sohn seinem Vater hat 'zu effen'igegeben, kam er dennoch in die Hölle.-^-' tzs wcir-aber einmal Einer, der verlangte von seinem Vater, eaß. er statt! seiner die harte Arbeit auf der Müble vornehr »e. Die Regierung verlangte ihn nämlich einst alS Frohnm iller, als -solcher hatte man gewöhnlich neben der Beschwer! chkeik der. Arbeit noch Spott, Schimpf und Schlag» auszustehen. Dasprach er zu seinem Vater: ..komm' und mahle Du für usich auf der Mühle, damit es unS nicht at dem Lebensunterhalt fehle; ich will indessen die Frohnarblejt übernehmen, eist ja besser, »ch werde geschlagen mid geschimpft. alS Du. Diese- Kind ließ also feinen Dal r auf der Mühle arbeiten un^ wurde ohne Zweifel in dm Himmel ausgenommen. Werrch der Gelehrsam eit auS dem Bechai. Lin armer jüdischer Geleh rer war einst Mit mehrere» reichen Kaufleuten auf eineu^ «Schiffe und wurde auf demselben, da er keine Güter miti sich führte, die Zielscheibe ihre- Spotte- undihrer Verachtung. „Wo sind Deine Waaren? zeige unS doch einmal Deine Waaren!" war immer die Frage und die Antwort wari „Ihr werdet sie schon sehen, sie ist bedeutender alS die eurige." ,— Das Schiff wurde brrnach. die Beute von Seeräubern, die die mitgeführten Kaufleute au-plüaderten und sie nackt und bloß an s Land setzten. Da wußten sie nun nicht, 'wabeginnen und. wie m>t leerer Hand den LebensunterhaÜ zu gewinnen. Ganz, andererging edem Gelehrte».

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