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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 35 (1855) · p. Seite 139

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
35 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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139 und nocb andere treiben einen ziemlichen Berkehr als Gewürzkrämer und TetreidehLndler; wenige von den reichen find große Kaufleute. Alle Reisenden stimmen, mit Lane darin überein, daß die Stellung der jüdischen Frauen in Aegypten noch freier ist, als die der koptischen »nd armenischen. Auf öffentlichen Orten zwar wissen sie den Schieier zu tragen, und überhaupt da- Benehmen der muselmännischen Frauen fich anzueignen, im Jnnetn ihre- Hauses aber fich eine so achtunggebietende Stellung zu geben, daß sie fast auf gleicher Stufe mit ihren Männern stehen. Sie führen die Haushaltung ohne Aufstcht und find mehr die Gehülfinnen als die Sklavinnen ihrer Gatten. Die jüdische Krau sucht dem Manne seine Geschäfte zu erleichtern, und schafft von-dem, wavon »hier ordentlichen Verwaltung von der HauShaltungSkaffe übrig bleibt, sich einen kleinen Schatz von Putz und Schmuck' waaren an, dessen Werth der Gatte oft gar nicht kennt, ja dessen Dasein ihm oft ganz unbekannt ist. Sie hält vorzüglich auf Reinlichkeit und Ordnung. Oft conlrastirt neben solchen Frauen, die nichts an ihrer Toilette gespart haben, ein mühbeladener Mann, oft in zerlumptest» Gewände, dem ein alter Turban kaum die Haare zushmmenhält. Leider rechtfertigt dieser Kontrast in den Aügen der Fremden die Erklärung der ägyptischen Juden, däß auch diejenigen, denen bessere Mittel zu Gebote stehen, dennoch diese Livree der Armuth anlegen müssen, um sich den Plackereien und Erpressungen der Regierung zu entziehen. Sie stecken alle ihre Reichthümer in den Schutz der Krauen, weil dieses Eigenthum unverletzlich und heilig ist, nicht nur für die gewöhnlichen Gläubigen, sondern selbst für die Regierung. Kommt eine Geldverlegenheit, so! können fie die Diamanten verkaufen, während der Werth der Münzen, die der Pascha schlagen läßt, alle Jahre wechselt. Diejenigen, welche die Aufopferungsfähigkeit ihrer Frauen nicht für stark genug halten, vergraben beträchtliche Summen in Gold- und Silberstangen, ohne irgend Jemand das Gehcimniß ihres ReichchumS anzuvertrauen. Daher kann Jeder, der ein afteS, verfallenes HauS kauft, hoffte vielleicht einen verborgenen Schatz,zu finden. ‘ Die Christen können mir 'weit weniger Gefahr das Innere ihrer Häuser verzieren und in der Nähe der Stadt einen Garten mit Bäumen und einem Bach kaufest;, aber der Jude, der Tyrannei der Regierung mehr astsgesetzr, besitzt in der Regel nur ein schlechte- HauS, und sSin ganzes Vermögen steckt häufig in den Edelsteinen, die daS Haar seiner Gattin schmücken. Oft sitzt diese mit der ganzen Habe des Mannes angethan, an dem Fenster, um die Spaziergänger zu sehen, die fich vielleicht in »aS Labyrinth der engen Gaßchen des JudenquartiereS verirren; drei Fuß vor ihren 'Lugen ist das Fenstergitter deS gegenüberstehenden HaufeS, und wenn man gegen den Himmel steht, so steht mo» mchtS als einen schmalen Gtieifen Blau'S, daS zwischen. Jfrh Dächern durchscheint. llW Loch »st ihr Garte neben ihr glücklich, stolz auf die Tug^md und Häuslichkeit seiner Ehegattin. > ■> Denn vor allen andern orientalischen Frauen^Wen fich die jüdischen durch ihre eheliche Treue Hie Stärke ihres Glauben- und ihr hoher National^tz schützen fie vor Derirrnngen, die ft^Häufig die Rvhe V Familien stören. Wenn fie vonMi^muselmLnntfchen christlichen Frauen verachtet find, fVchergelten reichlich. Eie würden fich für befleckt unb entehrt halten, mit ihren ftemden Unterdrückern näher zu verkehren. Gelbst bei dem Verlust ihrer Familien betragen fie fich wie Königinnen und unterscheiden fich von dem gemeinen Hänfen. Die Schönheit der jüdisch«!» Frauen im Orient ist merkwürdig, ihre Züge find höchst regelmäßig, Majestät ruht auf ihrem Antlitz, die Äugest find schwarz und glänzend, der Wuchs ist schlank, ihrq Bewegungen sind rasch und zeigen eine wehmüthige Grazie. Daß ihnen, wie, fast allen Frauen de». Orient-, die Farbe fehlt, rührt wahrscheinlich von ihrem'zurückgezogen in Leben her, da» sie der Sonne nicht ausfetzt. Die Männer haben bei ipeitem nicht diese Regelmäßigkeit der Züge. Nur UnhLrtige findet man größtentheilS> von männlicher Schönheit. 'wogegen die ausgewachsenen Männer alle eine gedrückt, GefichtSbildung haben. Dsöglich, daß dieser Kontrast von der verschiedenen Lebensweise herrührt; indem die Frau durch ihre Zurückgezogenheit vor der -Serührung mit den Unterdrückern ihrer NaHon geschützt, ihre Schönheit und Würde behielt, während dex Mann, der täglich der Schande und Gefahr die Stirn kitten muß, bk n dem Druck politischer Entwürdigung niedergebeugt ist. Del dew Juden bringt die Frau ein HeirathSguk in die Ehe, wovon im Orient da» Gegentheil im Gebrauch ist; der Wann hat die Berpflichtung, dasselbe nebst einem Lrgänzungsvrittel zurückzuerstatten, wenn die Ehe durc!» seine Schuld, aufgelöst wird. Da» jüdische Gesetz sche ut überhaupt hinsichtlich der Mannigfaltigkeit der Eombin tionen in Ehesachen am weitesten auSgebilvet; es be'tracht> t die Ehe als einen Vertrag, in welchem die verschiedenste Bedingungen gemacht werden können. DieS liegt fchor in den ältesten mosaischen Einrichtungen, und bängt r icht, wie Vieles der Meinung sind, die diese Anmerkung gemacht haben, bloS mit der Beweglichkeit und* Unbeständi zkeft der Lebensweise der Juden zusammen, und'mit ihren weiten Reisen, wobei fie sich immer den respectiven Lan reSgesetzen^ fügen müssen, die von einander so sehr .abweich n. Viel mehr giebt schondaS mosaische Gesetzt obgleich ei dem Weibe Gehorsam gegen den Willen d,S ManneS vorschreibr,. ihnen doch eine' höhere, achtungSwerche Stellung in dem. ehelichen Dkrhältniß, als alle übrigen Lltereü und orientalischen Verordnungen. Daher besitzen fie noch etzt eine im Orient ungewöhnliche Freiheit. Besondergebührt den Frauen dort die Auszeichnung, daß fie für dit Gleichstellung 'mit ihrem Manne ein praktisch,- Gefühl be^tzen, und sich nicht als Sklavinnen, sonder/r 416 Liebeny« bettachten, die fich mit. dem Leben de- Manneam feste ten vereinigen. Anfragen und Antworten. 83. H. in G. Da Sie, Herr Redakteur, so vftl von der Erziehung der Kinder geschrieben haben, frage ich Sie, wie eS möglich ist, ein Kind.jütisch zu erziehen, wenn die Eltern auf dem Lande wohnen, drei Meilen der Umgegend kein jüdischer Lehrer ist, u> v die Eltern unbemsttelt find, da- Kind in Pension zu gebest, wo eS Religionsunterricht erlerne« tu»; ab« als fich dieselben Mühe gaben. da< Kind io einer jssdifchen Gemeinde unter zu bringen, rvo-es den ZG^llkn Religionsunterricht haben kann, 'und diese Gamiabt .fcu Unterstützung der leben-mittel für das Kind

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