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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 35 (1855) · p. Seite 138

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
35 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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bemüht ist. zutu Beleg dienen kann. ..Einer derselben/!so begann er, „r ar vergan zene Woche an einem Kaffeeha!>sc - vorüber gegan en. welch » ein ibm wohlbekannter Muselmann, Name» ) Mohaml v. inne hakte. Da er nun eisten Mann in de« elben sah, den er wegen des noch herrschenden Dunkel» nicht genau unterscheiden konnte, sondern vielmehr'den Witlh de» X ifftriame» in ihm vermurbet«^! so grüßte er ihnlmir den Worten: ..Guten Morgen, Scteik Mobamed!" labe/ stakt iller Antwort empfing er eisten drohenden Vebweis. das er, al» Jude. den andern jnit einem Namen baue ano den können, der dock einem Mahne seine» Glaubsn» der v< -haßteste unter allen sein müßte, die über die! Lippen g bracht werden können. Sogleich wurde der Beleidigende vor einen Hodenpriefter geschlestpt, welcher ihm »zwungen b -n 'Ausspruch kbat, fich eine Trdcht Schläge für die vermein e Beleidigung gefallen zu lassen, lvmn schon derselbe bui derkmal Kerheuerte, daß es nicht so gemeint gewesen warEin gewöhnliches Sprüchwort ist es ilNterl dvn ägyprscheu Muselmännern: „Er haßt mich mit 'de» Haffe ein s Juden!" Aus diesem Bopur» Itbeile also erklärt es üb, daß der Jude von noch istehr verhaßt ist,'! als der C >rist selbst. Bor Kurzem wurden sie in den Straßen von E uro oft gestoßen, ja geschlagen, Weil sie.einem Muselmann a i der rechten Seite vorüber gegangen waren.! Jetzt find le zwar nicht mehr in dem Gtade unterdrückt,!jedoch dürfen sie immer noch kaum einen Laut über ungerechte Behänd ung ausstoßen, wenn ne der! ge-" ' meinste Araber oder Ti rke beschimpft, oder ohne Ursache schlagt: den» mancher uve wurde auf die falsche oder!arglistige Anklage hingerlch et, fich gegen den Koran ödenden Propheten schmähender Ausdrücke bedient zu haben. ^Oft sogar wurde ein Jude n Aegvplen aufgeopfert, u» tinen MoSlim zu retten, 1 >jg folgendes Beispiel bestätigen kann. Eim türkischer >$ oldat batte bei Gelegenheit eines geringen, »ldumsatze» on dem Sevrefen sdem Gelpum- ' Wechslers emem Moslir: einige türkische Geldstücke, wovon jede» L6 Piaster > n Werkb hatte, erhalten. Er bol diese Münlen einem J ramer als Betrag für einige^ von ibm. gekauj:e Waaren n; Letzterer wollte den Ädl^eneh (so hieß di ses Geldstüc) nicht böber als zu 15 .Piaster annehmen, indem er ib n sagte, der Pascha batte erst vor einigen Xi jrn den Bes hl gegeben, daß diese Münze keinen Höhen CourS Hab n .dürfe. Der Soldat trug! nun die Adleer h» zu dem Wechsler zurück unk verlangt^ für jeden eine» Piaster Zu itz. Da die» ibm verweigert wurde, so begab r fich ohne Letteres zum Pascha, der, höchlich darüber ei trüstel, daß eine Befehle nicht aufs Pünktlichste befolgt wi rden, den S vrefen holen ließ. Der Mann bekannte nu , zwar, ein 8 erbrechen begangen zu haben, suchtees aber a if der ander n Sette, damit zu beschönigest, daß er angab. fast jeder G lvwechsler in der Stadt bältf dasselbe gerbi n, we-halb < c selbst Avleeyehs zu diesem Eourse erhalten nätte. Der % ischa jedoch, der ibm nicht glaubte, oder wentzstens.ein öf entliche» Erempel für nötbig > hielt, gab sogle ch ein Zeiche stlit der Hand, anzudeutea', haß er enthaupte! werden sollt. . Der Dolmetscher de» Pascha'», von Äitl id gegen der armen Mann ergriffen, bat de» Despoten, feine» Leb ns zu schonen. „Dieser Mann," sagte er. „tbat nicht a ehr, als alle anderen Geldwech-lsr der Stad; ich selbst rhielt vor nicht längerer Zeit alst gestern tr ehrere Avleeh h» zu demselbm Preise." — „Bon wem?" lärmte der Pascha.— „Don einem Juden." lautete de» Dolmetschers Antwort, mit dem ich für mehrere Jahre Geschäfte abschloß." — Ter Jude wurde gebracht und. verdammt, gehangen zu werden, während der Mo-lim Begnadigung erhielt. Der Dolmetscher suchte in der größten GemüthSunruhe den Juden ernstlich zu vertheidigen; aber der Pascha war unerbittlich; eS sollte durchaus, so meinte er, ein Erempel ausgestellt werden, und eS dünkte ibn beffer. eine» Juden Leben zu rauben, als einen schuldigen Moslim um- Leben zu bringen. Lane sah den Unglücklichen an dem Fenster einer öffentlichen Wasserkunst auf der Hauptstraße hängen. — Sein Leiden war noch obendrein durch eigens dazu gemachte Anstalten verlängert worden, und die einzige Gnade, welche seine Verwandten, die ungeheure Summen für seine Rettung boten, erkaufen konnte», war die. daß sein Angefichr dem Fenster zuge-' wendet werden könne, so daß die Vorübergehenden e» nicht sähen. Er war von Allen, die ihn kannten, sehr hochgeschätzt worden (natürlich mit Ausnahme der MoSlim»), und -er verließ eine Familie in der verzweifelsten Lage; doch suchte der Dolmetscher die halb unverschuldete Ursache seine» Tode», ibre Unterstützung zu befördern und ru ihrer Erhaltung beizutragen. Die Juden in Aegypten führen ein sehr eingezogenes Leben; sie finden auch in der Thal nur Personen ihres Glaubens, welche sich mir ihnen verbinden wollen. Ihre Nahrgng ist zwar sehr reich und gut; doch gelten sie im Allgemeinen für ein sehr mäßiges Volk, Die Reicheren unter ihnen tragen im Haufe eine geschmackvolle Kleidung, legen aber größtentheil» eine schlichte, ja selbst abgeriffene. an. bevor sie ausgehen; und obgleich ihre Häuser ein schlechtes unk ärmliche» Ansebn haben, so findet man doch in vielen schöne und netteingerichtete Zimmer.' In ihren Häusern nun sind, sie nicht so ängstlich, ihre Krauen vor Fremden zu verbergen, wenigsten» nickt vor ihren Glaubensgenossen und vor derr Franken: es geschieht oft, daß ein 'fremder Europäer in ein Zimmer eingeführt wird, wo die jüdische» Frauen unvcrschleierr fitzen, und daß er so von rhnen selbst bedient wird. Bei vielen syrischen Christen, welche zu Cairo leben, gilt derselbe Georauch. — Und doch findet man unter diesen Frauenzimmern keine, die sich öffentlich Preisgabe. Tie niedrige Claffe befindet sich in »er Thar in der schlimmsten Lage, da viele derselben keine andern UnlerbaltungSmittel haben, als das Almosen, wel. ches ihre reichen Mirbrüder ihnen freigebig. dock für die Masse nicht ausreichend, spenden. — Kein Wunder ist e» wohl, daß der Geiz die jüdischen Einwohner Aegypten» mehr charakterifirr, als überall sonst, wo sie weniger unterdrückt find. Sorgfältig suchen sie durch alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel, den Verdacht großen Güterbefttze» oder einiger Wohlhabenheit zu verhüten. Darum legen ste jene ärmliche Kleidung öffentlich an, darum ver- »achläfftgen sie dassauße^ Ansehn ihrer Hauser. Sie halten fich streng a* tf tfnatu, Befolgung ihrer Wauben»- gebore. UiU^Sigleich «ib^Derstand im Handel ausgerüstet, find sie'doch in der Erfüllung ihrer Verträge ehrlich und gewiffenh^t. Diele unt»dea Sgypttschen Ihren find Saraf» (d.h.' B»pquierL^llü/Ge^»^iher), a»deä fistd Sevrefee» und find iEefemIGeseMi» wegbu Hrer Höhen Rechtlichkeit geschätzt Eiaye st^^SilberarbMer od^r Goldschmiede,'

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