Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 34 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4908862-5999336-6000689--0492-4909223- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
195 I sprechen könnet — Ihr seid fürwahr! da» «größte Weh der Menschen, ihnen zur Prüfung anbergesiiudt! Nein! ohne diese Ueberzeugung hätte ich eniweder meine« Leben ein Ende machen, oder zum gefühllosen, Thiere herabflnten müssen . . . Nein, und nochmal» Nein, 3hr Alle, die Ihr die Stimme de» Greise» vernehmet... so wahr die Ljebe in unferm Herzen schlägt, so wahr die Tugend in unsrer Seele lebt, so wahr ich Gott, Gott denke, und hiermit den Inbegriff alle» Erhabenen und Herrlichen: so wahr leben wir auch nach dem Grabe, weiter, weiter und höher! .... Doch kehre ich zu meiner Erzählung zurück. Vor drei Jahren nahte sich die Vollendung meine» siebzigsten £ ben»jahre». Ich sprach nicht davon, ich suchte e» zu ver« tuschen, und kurz vorher schützte ich eine nothwendige Ge» schäftSreise vor. Vielmehr war da» meine Absicht, zu diesem großen Abschnitt de» Leben» alle theuren Stätten meiner Kindheit und meiner Vergangenheit zu besuchen. Ach, Freund, e» war nicht» Unbedeutende» firr einen Grei» — aber der Drang meine» Herzen» trieb mich — war e» doch wohl der Abschiedsbesuch in diesem Leben. Und ja. lieber Leser, trotz der unendlichen Wehmulh, die mich da beglettete, trotz der unsäglichen Sehnsucht, die auf jede« Schritt in mir erwachte, trotzde« ich die alten, lang ver« narbten Wunden meine» Herzen» aufriß — und sie alle, alle wieder bluteten — trotzde« wünsche ich Dir, daß Du zu gleichem Zeitpunkte eine gleiche Reise sollst ma« chen können. Denn heilige Schauer durchrieselten mich, ich fühlte, bald, bald, und die Trennung ist überwunden, und sie stehen Dir Alle wieder nahe, ganz nahe, Du hast sie in Wirklichkeit wieder — uekd, ich will e» nur sagen, ich könnte ruhig meinem Vater vor da» klare Auge treten, könnte meinem Weibe die Hand reichen, könnte meinen Sohn segnen, wie ich e» bet Ankunft und Abschied« thun pflegte, könnte Mutter und Geschwister begrüßen, unw. selbst dem, ach! dem verlorenen Sohne sagen: siehe, ich hatte Dir ja längst vergeben .... So knieete ich zum letzten Male auf dem eingefallenen Rasen, der die Hülle meine» Vater» verschloß — so pflückte ich Blumen auf den Hügeln der Mutter, und Geschwister — so legte ich da» Haupt müde, müde in die Grasdecke, unter der der Leib meiner Gattin verstäubt war — und die Runde machte ich durch all die Plätze der Zugend, und gelobte an allen, so länge mir Gott noch den Akbem schenkte. Gute», nur Gute» nach meiner Einsicht zu thun. und Liebe und Frieden zu predigen, und Furcht Gokle» und Zucht de» Herrn zu lehren, wo und wie ich nur könnte! .... 3ch kehrte zurück. Meine Rückreise führte mich zu der Eisenbahn, die mich schnell nach der Heimath fördern konnte. Sollte ich da» einsame Gehöft, da» rothe Häu»« chen hinter mir lassen: Meine Seele war ermüdet, ich wollte e». Al» ich aber in die Nähe kam, da zog e» mich mit unwiderstehlicher Sehnsucht dahin — bald kam <» mir wie ein Derrath vor, wenn ich vorühfrflöge. Wiek rief' e» mir zu» in Deinen Nöthen HMÄ hechntzen.;müssen, und jetzt willst Du e» verschmähen» .. . 9>Ee nicht ander», ich verließ die Bahn, ich schlug drttst»stml,a Pfad dahin ein .... Don. dort tauchte es auf, der Köhrenwald, da» niedrige Dach, 'dchrüt ftellich! da» stelze Gasthossgebäube . . . d»N ZMWMn, die dichte L«Pe . . . wie e» einsam, still, liegt ... Ich trete in de» Garten, ich durchschreite ihn, ich komme an den Hof... ha, da» Häuschen unbelaubt, Guirlabden, Kränze ringsum, die Pforte ,ur Laube »«gewandelt, wa» ist »a»k die Wege bestreut i tt Kies und Rosenblittern — wie sich da» schickt, e» ist ja heut «rin Gebuttstag — wa» mag da gerade hier lo» sein» ... Ich komme auf de» Hof... horch! Musik — Choral — „Run danket Alle Gort!" — die Thüre öffnet sich, meine Tochter, ihr Gatte, meine Schwiegertochter, meine neu» Enkel, die meine Kinder ge« > worden, meiner Tochter drei süßen Kinder, sie umringen, I umarmen, umdrängen, küssen mich, Thränen, Glückwünsche, Jubelgeschrei der Kinder . . *. Leser, ich habe keine Dorre .... wir blleben, wir feierten den Tag im rothen Häuschen; meine Kinder hatten für Alle» gesorgt; die Armen br» Dorfe» wurde» gespeist und beschenkt — spät am Abend sühne der Dampf« wagen die glückliche Familie, den, trotz der viele«, viele» Trübfale beglückten Grei» nach der Heimath — ach, er hat ja nicht umsonst gelebt/— Batet in der Höh', darf ich den Psaimfpruch auf mich anwenden <92. 15.): ..noch blühen sie im Greisenalter find saftvoll und belaubt, , zu künden, daß der Ewige gerecht, mein Fel», kein Fehl an ihm!" — Leb wohl, einsame» Gelöst, rothe» Htzuschen, leb' wohl — werde ich Dich noch einmal wiedtrsehen? * Anfragen und Antworten. 80. W. in D. Einige meiner christliche» Bekannten möchten gern den Aosepdu» lesen und suchten bet mir Auskunft über da» Vorhandensein diese» Werke» fm deutscher Uebsrsrtzung nach. ÜLo ist eine gute Uebes^etzung erschienen und wie ste zujlezftheak Antwort. Danach/romtten nicht blo» einige Ehrt« sten, sondern auch recht viele Christen frageki. »— Der 3osephu» war in frühereriZeit in größer« Flor al» jetzt. | Don feinen Werken erschienen UebersetzUnge» in tatet- ' nischer (schon 1470, 1481, 1490, 1499, 1502, 1510, 1511, 1513, 1514, 1524, 1528. 15Z4, 1537, 1540, * 1578, 1611, 1617, tnfelii 1845); französischer (sechsmal von 1492 bi» 1846U italienischer (dreimal au« ßer den einzelnen Schriften); englischer (achtmal außer einzelnen); spanischer (fünfmal); portugiesischer; holländischer, (füitftnal); böhmischer (1553); russischer (1799); schwedischer (1713); Dänischer (1750) Sprach,. 3n» Heb'päifchd (rückübersetzt, denn da» Meiste schrieb Zofephu» urshrünguch Hebräisch) ist nur die Schrift gegen Apion von 3s. Bär töwinsohn übersetzt, und zwar nur 6 Kapitel (Wilna 1844). — Endlich deutsche Uebersetznngen sämmtlicher Werke kristiren 1531. 1556,1569, 1574. 1581. 1587, 1676,! 1735 und 1736, diese in mehrfachen Abdrücken. Einzelne»: da» XL »nd XD. Buch der Alter« thümer von Or. HorschetzÜp 1826, da» XUL Buch 1843; der jüdische Krieg von Frielse 1804, dann von Gfrörer 1835 und einige» Unbedeutendes Außer de« in Stuttgart erschienenen jüdischen Krieg von' Gfrörer können wir Herrn W. nicht» empfehlen. Wir haben aber i» Sinne, eine-neue »nttfthe Uebersetznng »