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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 34 (1855) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
34 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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134 i seinen Glaubtn», e »offen in Dort. Schrift und Thar ward, es sejläübergang ri; insofern gehört er nicht ^ir, dem Baker. sondern'de Geschichte unsre- Glaubens, wenn auch an einer bescher «»en Stelle an. .Er war ein herzlieber, dankbarer Sohr / »er mir nur Freude bereitete, der meine Ehre, mein € tc lz war. Sein Amt und mein Geschäft hielten unS leii ei! zumeist entfernt. Ach? aber die glücklichen Lage. n er n ich zu den hoben Festen zu jhm eilte, und diese bei i jwt verbrachte .... Er heiratete und ward ein glück i»er Gatte, glücklicher Gatte von sieben Kindern .... Da. da war eS eine- Tages, als ich von meinem Eompt >i>abgerufen ward, eS fei ein Bote da, der mich sprechen puffe. Ich kam in- Wohnzimmer — ein mer Schwiegertochter stand vor mir. Eror, Weh in allen Zügen .... mein Blut VaS bringen Sie?" rief ich in bangster Ahnung, die! r lir das Herz zusammenschnürie. ,^Ach, traurige Boksma t ... ." — „Was ist. was ist'-.'«ein Sohn . . . ."I - „Er ist krank, sehr krank ... . .'*■ Ich stand wie ei» Bildsäule .... „Er ist . . . ." stauunelte ich . . . „Einpi rvensteber. ergriff ihn. und . . . J‘ — ,,<St ist todt, er r» ndt! . . . .“ schrie ich, einelr--Spning lhat ich in die «öh , und lag bewußtlos am Boden. Wie lange? ich'»eis eS nicht. Spät erwachte ich, »on Äerzten und Fr^un >en umgeben, im Bette. Langsam kehrte ich zum Lewus ksein zurück; dann winkte ich Alle fort, bis auf den Bojen der Trauerbotschaft. Der mußte mir Al- Verwandtet schöpsung, Tr^u erstarrte leS erzählen in stürmisch m gleich man hui nzie mein Sohn halb krank, eine Leichenrede Wetter auf dem GorteSacker gehalten, obabgerathen .— aber der Verstorbene hatte ihm viel Hrzeleid geiban, und darum wollte er gerade nicht ^abstel en — wie er nach Haufe gebracht werden mußte und in Derselben Nacht verschied. - AlS er rollender hatte, wieich auch ihn fort, drebte mich heruo. und wollte lange, lange von Niemandem Etwas wiffer ^ch uabm wenig Speise zu mir.,welche meine treue Mac ) r >r mein Betz brachte, und redete mit Keinem. Mei e i, nere Natur mußte dieses schwerste Leid mit sich selbst > urd kämpfen, bewußt und unbewußt. Am dritten Tage stan l ich auf. zog mich an, und begann die Trauergebräuche um i meinen verklärten Sohn zu üben. Da erhielt ick theure Wort w, meineselbst v< Kinder, undankb« über di« und die standen. sine» Brief von meiner Schwiegertochter. Die au schrieb wenig von unserm Verlust. Jedee i berstüffiz gewesen. Ich hatte den Schmuck den!, sie aber den größten Theil ihre- LebenS out. Nur gedrängt von der Sorge um ihre 'chri b sie schon jetzt. > Die Gemeinde zeigte sich Der Verstorbene, wohlthätig und freigebig Maßen, baue nichlS von Baare» hjnterlaffen, Gemeinde sich nur auf einen Gnadenmonat. ver- Wcts Mit sieben Kindern beginnen? So schrecklich es ei. -wollte sie sich doch von mehren ihrer Kinder trennen. S e wollte mit zweien in das HauS. ihrer Eltern zu ückkr^rra, sie bat mich, zwei zu onp zu nehmen, und dr< i roj Uten Geschwister von ihr erhallen. Sie frug «ich, o» ich einverstanden fei, und bat mich darum. . Alich den Brttf gelesen, stand ich von meinem Bänkchen auf, ging a de, Tisch und antwortete ihr: ich wäre nicht einverß intze l damit, auch könnte ich keine zwei Kinder zu mir n hme,, wohl aber sollte sie und alle ihre sieben Kinder zu «ir komme», ich hätte für das treue Weib »er meines Sohne- und feine edlen Kinder noch Platz und Nahrung genug in meinem Herzen und an meinem Tische .... Nach den sieben Trauerkagen machte ich mich selbst auf, und holte meine Schwiegertochter und meine sieben Enkel zu mir. und da leben sie noch. Meine Schwiegertochter führt mir Vas HauSwesen, und so ist mir Vieleersetzt worden, wean auch mein alter Kopf oft von dem Lärmen und der Sorge brumnu . . . * Ick habe Dir nur erst die Geschichte meineältesten SobneS — ach! meiner früh verloschnen Krone — erz<N'», und zwar biS in die Neuzeit hineinreichend. Da-!KUtt muß fich zusammenbalten.. wenn eS sich nicht zerstreuen und ganz und gar verlieren will. Nun, ich habe nicht viel hinzuzufügrn. Meine Tochter mar ein stilles, sanfreS Wesen, das sich zu einer süßen Jungfrau entwickelte. Ein würdiger junger Mann auS einer Nachbarstadr warb um ihre Liebe und gewann sie. und mit ihr meine Einwilligung. Sie fübren ein ruhiges. gesegnetes Leben, das bis jetzt nur von den kleinen, unvermeidlichen Nebeln deS Lebens beimgesucht worden. Hätte ich nicht einen so großen Hausstand noch in meinem Alter erhalten. würde ich mich vielleicht zu ihr zurückgezogen hoben .... Mein jüngster Sohn — laß mich darüber binweggehen, nachsichtsvoller Leser. Ach! er hat fich verirrt und verloren . . . Ein wildeS, leidenschaftliches Gemüth hat sich, so viel ich ihm auch beistand, mit Milde und Strenge, und ttotz edlem Kerne, nicht zu beherrschen verstanden. Zu Fehltritten verleitet, mied er au- Stolz mein Angesicht. und vergrub fick in der Dunkelheit. Die göttliche Vorsehung begünstigte ihn nicht; jeder feiner Schritte, um sich emporzuraffen und einst geläutert vor mich zu treten, führte ihn zu größerm Verderben .... Meine Bemühungen, ihn aufzufinden, scheiterten an dem doppelten Schleier, den er um fich gezogen .... Ich erhielt erst Kunde von ihm vor sechs Zähren, als er. unverheiratbet, aber Baker zweier Kinder, seinem Leben in den Fluthen der Donau ein Ende gemacht, und die Mutter dieser Kinder sie mir mit den Denkblättern, die er niedergeschrieben, zusandle... Vielleicht lieft Du diese einmal, vielleicht nach meinem baldigen Tode ... sollte nur ein Jüngling daraus eine Warnung ziehen, wäre eö Verdienstes genug ... Auch um diesen Sohn trauerte ich — da er mir aber so lange, schon abgestorben war. ging meine Seele schneller darüber bin, und in der Tiefe tröstete mich der Gedanke, daß er jetzt, der irdischen Hülle entledigt, zum Heile zurückgekehrt sei, und die Gnade Gottes ihn heilen werde, während er auf Erden der Schmirzen ,fo unsägliche zu erleiden gehabt .... Denn ja, mein Leser, das kann ich, an der Schwelle deS Grabes, Dir unter heiligem Schwure versichern: wenn ich auf meinem schweren LebenSgange irgend eine unzerstörbare Stütze gefunden, an der ich mich immer wieder aufgerichtet, so war eS die nie wankend gewordene Ueberzeugu.ng, daß Gon uns zu einem hohern Leben bestimmt hat . . . Wie? in mich sollte jemals der-Gedanke gekommen sein: mein Vater, mein angebeteter Vater sei. weil todt auf Erden, nicht mehr unter den Seienden? meine Lina, sie, die ohne Fehl fast, die Tugend, ^ie Liebe, der Friede selbst, sollte aufgehört haben zu eristiren? mein Baruch, der reine, gottdurchglühete Geist. . wäre zu Staub geworden? O Ihr »»reinen Thoren, die Zhr Solches denken, Ihr ftrvelhasteu Männer, die Lhr Da» aus-

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