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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 30 (1855) · p. Seite 118

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
30 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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118 in deck Korst, den ich schon beschrieben, und nun batte man wenigsten- Schatten, unv suchte stch feste Stellen au-, vo man weniger den Sand empfand— aber Haiti da tri b Einen oft der furchtbar heiße Kichrenqualm wieder h naut, um auf »er Straße nur etwareinere Luft zu ql men. Nach einiger Zeit kam man auf Lichtungen, auf ' »etthin sich strebende Haidestächen, ring-utz, vom Wald . der zurückgewichen, umgeben, und wenn - die rechte Zeit war, war da der Boren schön blau und braun vom 'lühenden Haidekraut, und zahllose Bienen und Käfer u nfchwirrteu die bescheidenen Blümchen, daß eeia Brun men und Summen war — und trafst Tiu hin und wled«: einig« Felder, welche urbar gemacht und mühselig bestell waren, zur Erntezeit konnte man die -lebren fast .zahle«, so dünn standen und so mager warensie; in ih» -rer Nähe «rar dann ein Dörfchen, aueinigen Gruppen Giro »Hütten bestehend, wie bemoost und verfallen! . . So oandertest Du viele, viel« Stunden; selten ging es eine Höhe hiuauf unv hinab; noch seltener murmelte eia Bäck eichen durch dre weite Eben«, seine nächste Umgebung «,l ftuchtbarerm Boden segnend, daß eine Strecke weit yie!aadschafl 'einen andern Anstrich gewanu. Du würbest mütfc, sehr müde . . . denn wann begegnetest Du einmal ftnem' Menschen, der quer über die Srraße ging, oder einem Leiterwagen, der ächzend durch. den Sand «af Ite? . . . Die Sonne neigte sich ihrem Untergänge zu. Da senkte sich »er Poven zu einer Tiefebene, , Du kämest an 'tittr langen, weißen Scheuer vorüber, da»n an einem «tw S großer» Dorfe, an deffen weitem Ende ein un« fche nbares Kirchlein über die Gebüsche guckte — — jetzt, nacl dem Du daS Dorf hinter Dir, pilgerteft Du rüstiger Weier, wieder »eM Walde zu, und einem prächtigen Stück Wilde, denn die Kronen der Edelstchtea. ragten doch Irin, auf — aber eb' Du den Saum de- Waldebetratest, tra st Du auf-daeinsame Gehöft, vaö kleiUe roch an-' geß ttchene HäuSchen, und da Übernachterest Du, denn Du fan iest. was der müde Pilger wünscht, freundliche Wirthe, gut - Strohlager, und Erwas für Hunger unv Durst, we n auch nicht- Auserlesenes ... Diewar der Weg, der von Süden aunach dem' Ge >öfte führte. Aber auch von Norden her nähere man sich demselben, und zwar noch verschlungner durch den W< ld, von Dörfchen zu Dörfchen, bis man plötzlich an her ^ehmmauer de- Gchöftes stand, welche die hohen Edeltannen selbst beschatteten. Ich, der Greis, war einst ein Knäbchen — eS ist sch n geraume Zeit, daß seitdem sieben Jahrzehende Versio «ft — ein schwache-, zarte- Knäbchen. aber so schwach un zart ich war an Aussehen und Gebühren, war ich dö> t abgehärtet, und viel Weiter lhat mir nicht-, und an sch oere -asten war ich ftüb gewöhnt. Denn oft mußte ich ou inen Vater auf seinen Gängen begleiten — — meine i Barer. . . wie da- Wort so nicht-sagend mir aude Feder floß . . . meinen Vater! . . o, hoher, Herr« lit er Mensch, den ich »einen Vater »amtte, heiliger S »atten-so viele, viele Jahre sind verflossen, feit» de » Dsin brechend Auge an mir hing, so viele Menschen ItitU ich kennen unt, ge»o6tte ste in den manvichsaltigstr« Lagen — aber noch bist Du «ir da» Ideal alle- G tten ul»d Tugendhafte« und Herzen-frommen .... Dein er abener Sinn, der Dich über alle» Gemeine hinweghob und enur still duldete, weil wir uneben daran erproben sollen. Dein demüthige- Herz, welchejede Last trug, als ob egar nicht anderfein könne. Deine unerfchöpstiche Güte, die noch den Spötter entschuldigte und den, »er Dich mißhandelte, bedanerte .... doch hinweg mit jeder Schilderung-nur zehn Jahre meine- Lebenwandeltest Du vor mir her, aber Alle-, was Gutean mir war und ist, verdanke ich Dir, Dein Bild leitete mich auf meinen Wegen, vor dem Gedächrniß Deine- Blickefloh jeder Versucher, Deine- Lächelnjeder Schmer; .... Mein Vater war ein Hausirjude .... nun, er war dazu geboren, erzogen und niemals etwa- Andere-, mocht' es auch nicht sein — sein Wissen -erstreckte stch wohl nicht weiter, aber sein Gefichlskreireichte in da- Unendliche, weil rief in das Gvltwesrn, das seine Lippen früh, Mtl» lagunv Abends anbeteten in Ääkerweise, und vor dem er wandelte immerdar .... Ach, unv der Kreis feiner Hausirgänge war ringsum in den erbärmlichen Dorfes deS Forstes, durch die mooS» und strohbedecklen. verfallenen Hütten. Da mußte er sehr oft vorlieb nehmen, für feine kleinen Waaren Hülsenfrüchte, Mehl, Eier u. dgl. einzutauschen, und ich ging neben ihm mit einem Säckchen. um die eingerauschken Dinge nach unsrer ftrohbe« deckten, verfallnen Hütte zu bringen von Zeit zu Zeit, damit Die zu Hause nicht'. . . hungerten. Dies war auch der einzige Grund, warum mich mein Vater mitnahm, denn sich zu erleichtern, hän' er eS nunmer gechan .... DaS Jabr 17.. war ausgezeichnet durch einen harken, .'barten Winter; kaS ich doch später in einer Cbroink, daß die Vögel aus der Luit erfroren herabstelen und die Wölfe schaarenweise 'aus den Wäldern in die Dörfer drangen unv sich willig tödten ließen; ich glaube kaum jemals einen folchen.,Frost wieder erlebt zu baben. Tief, tief hinein drang er in die Erde, daß die Kälte um so länger anhielt, alleS Fließende war bis in die innerste Quelle gefroren, und biS in die Mitte deS Aprils blieS der eistge Nordwind über die erstarrte Flur, durch den knarrenden, ächzenden Wald, in welchem ein beständige- Knocken unv Springen den Frosttod so vieler mächtigen Stämme erzählte. Ein solcher Winter ist eine Zeit unsäglichen Elend-, bitterster Nolh. Holz gab eS die Fülle, denn damals waren die Bäume noch nicht so genau gezählt, der Aufseher weniger und daS Gesetz «richt so streng, weil daS Material noch nicht so kostbar. Aber um die lodernden Scheite saßen hungrige Menschen, und jene vermochten nicht, ibre wohlthärige Wirkung auf gefüllte Töpfe zu üben. Mein Vater mußte wochenlang seine Gänge einstellen, theils weil die Kälte zu arg war, um meilenweileS Wandern zuzulaffen. theils weil bei den armen Bauern und Leibeignen doch nichtzu holen war . . . aber die Notb ward zu groß, er mußte daran denken, nur Etwaeinzuhandeln, was unvor dem Hungertode schütze, denn alle Borrache waren zu Ende -— und etwa-, gelinder war da- Wetter worden. Der Dauer, meist Leibeigener oder Fröhner, stand sich damals — in vielen Landschaften ist es wohl jetzt noch so — viel besser mir de» Ju»en, als der Städter. Der Bauer hatte keinen Brodneid auf den Juden wie der krämerische Städter, und sah i« Haüflrjuven ein sehr nützliches, uueutbehrliches Glied des Ganzen. Bei dem Wangel

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