Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 28 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
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ffin Haugebracht, um es den nächsten Tag den besorgten und kummervollen Eltern wieder zurückzustellen^I Zum Schutze seiner Unschuld wieer dem Mädchen im Übergemache ein Zimmer an und hieß die dahin führende Leiter wegstellen. Doch stehe! de- Mädchenseltene Schönbeit blieb nicht wirkung-loselbst auf den stttlich wüsterhaften Weisen. Der dankbare, liebevolle Blick deiMtd« chenauf seinen Wohlthäter zündete ein unedle-iFeuer in de- Manne- Busen an. danach de- Mädchen- Entfernung Lurch der Phantasie gaukelnden Trug nu^ noch glühender wurde. Wer hätte edenken sollen, ivie in Fieberhitze ergriff Amram die weggestellte Leiter, setzte fie an ihren frühern Platz und war im Begriffe.;u dem Mädchen zu eilen, alim Kamps« der Tugend mit der Sinnlichkeit erster« die Herrschaft gewann. Amram! schrie mitten auf der Leiter auvoller Kehle: „Feuerl Feuer! ES bremy, im Hause. Amrambrennt'-?' Da stürmte erschrocken Alleherein: HauSleute, Schüler, Nastbarn. Man erblickte aber kein Feuern sondern lediglich jR| Olmtarn mitten auf der Leiter mit erhitzten Augen, zerstörtem und schamrothem Gesichte und oben daschüchterne Mädchen staunend und gaffend über die ihm unerkli rlichen Vorgänge. Endlich erkannten fie Alle Amram- Kampf und Absicht. Er aber sprach mir niedergeschlagene» Augen und zitternder Stimme: „Besser, ich stehe jetzt b schämt vor Euren Augen, aleinst beschämt vor Gott. 3. H i I l e l. | So oft dieser Mann arm vom Lehrhause nach > Hause gehen wollte, drängten fich seine ihn über Alleliebenden Schüler zu ihm, um ihm da- Geleit zu geben. Er aber sprach: „Haltet mich nicht unnöthig auf, denn i<!) habe einen armen Gast zu Haufe, welcher meiner Sorgfalt sehr bedarf. Aler immer also antwortete, glaubten die Schüler, er hätte ste zum Besten, und fragten ehrfurchtsvoll, warum er ihnen doch solche Antworten gebe? Er sprach: „Fern sei eö von mir, Eurer zu höhnen. Ist denn nicht meine Seele ein bulfSbedurftiger, meine Sorgfalt Inöthig habender Gast? Heute weilet ste noch bei mir, borgen kann sie schon in ihre Heimath zurückgekehrt sein und Kunde bringen von der Aufmerksamkeit, die ich ihrem Wohle habe zu Theil werden lassen." 4. R. Janai und sein Gast. R. Janai traf einst bei einem Spaziergange einen I Mann, einen feinen Hut, schwarzen Frack und nette Handschuhe tragend. Da er ihn für einen gebildeten Mann hielt, bat er ihn, einige Tage bei ihm als Gast zu verwellen. Zu Haufe angekommen. wollte er sich in gelehrten Dingen mit ihm uuterhalten, fand aber zu seinem Erstaunen, daß er keiner fiiffe»- schaft kundig und in den gewöhnlichsten Dingen nicht zpHause war, ja nicht einmal da- Tischgebet vortragen konnte. ^.Willst Du mir denn da-Tischgebet nachsagen?" fragte R. Janai? „Wenn Duj Mir eS vorfagm wolltest." — „So sprich denk nach," sagte R. Janai, der, wie so viele alterthßmliche Gelehtte, unwissende Menschen geringschätzig behandelte und mit der den ungelehrten Männern gegebenen Benennung D9 y*M!t den Gedanken alle-Unwürdigen und Gemeinen Herband sprich nach: Sin Hund hat fich erkühnt, an dejr Tafel deS R. 3anai zu essen." Dem Gaste stieg diese Beleidigung zu Kopf. Kurz besonnen faßte er. wie eS rohe Leute zu allen Zeiten gern zu thun pflegen, den Telehtten an den HalS und rief im harten Baßtvae: „Gieb mir mein Erbtheil, da» Du mir zurückhältst." :— „Welches Erbtheil? " fragte der Rabbi erstaunt und erschrocken. ..DaSErbthcil, daim meine," war dieAntwort, „ist die Leß^e, die MofeS gegeben--«!- Gemeingut für ganz Israel (5 B. M. 23, 4.) und nicht zu Deinem alleinigen Erbbdütze;'"damtt wollte er sagen, daß Janai bloS da- Recht der Belehrung, nicht aber dader Beschimpfung habe. R. Janai war nicht zu stolz, die Richtigkeit und Wahrheit dieser Behauptung anzuerkennen. „So sage mir denn aufrichtig," fragte ihn der Gelehrte, (-„denn die Kühnheit deine- BenehmmS und die sofortige Annahme meiner Einladung läßt, auf Dein gute- Selbstbewußtfein schließen), welcher guten Tbaten. hast Du Dich vorzüglich befleißigt?" — „Ich babc nie," antwortete der Fremde, ..lose Reden dem verlamndeten Manne wieder hint.erbracht und nie Feindschaft und Zwietracht zwischen Menschen bemerkt, ohne Versöhnung-- und FriedenSverfuche bei ihnen aagestellt zu haben." — „Wenn dem so ist." sagte R. Janai, „so ist Dein Verdienst ein sehr großeuiid Du bist sicher jenen Vielwissern vorzuzieben, die wobl daS Rechte kennen, aber nicht üben.'^ 5. R. Berachiatz und sein Gast.' Als elnft R.^Bexachiah vor der Tbüre seine- Hausesaß, erblickte er einen- Wanbeter, müd^-nnd matt, vom Regen ganz durchnäßt, deS Weges daher kommen. Er -bat ihn sogleich um seinen Besuch. versorgte ihn mir trocknen Kleidern und erauicktr ibn mir den besten Speisen. Bei einer weitern Unterhaltung mit ihm gewahrte er aber, wie der Eingeladene Alles religiösem und weltlichen Wissen« ledig war und eine seltene Unwissenheit de- Leben-, sogar in den gewöhnlichsten Dingen, an den Tag legte. Da konnte er ibn kaum mehr seine- Anblickwürdigen. Der ist nicht besser, sprach er zu.sich selbst, als mein Hau-bund. Sagen doch auch unsere Gelehrten, daß ein Mensch ohne Kenntnisse de- Gesetzedem Biehe, gleichzuachten sei; mag er de-halb neben der Thure dort mit meinem Hunde Nahrung und Schlafstätte theilen. Deandern Morgens, als er sein' Gebet verrichtete, fing der Gast auf das Ungebührlichste zu lacken an. Al- R. De« rachiah diesenicht zu merken schien, trat der Fremde-zu ihm bin und sprach: „Ich muß lachen, weil Du ein Wesen anbetest, dem Du doch so "wenig nachzueifern suchest. AlS Gort den Menschen bildete, schuf er zuförderst alle dessen Bedürfnisse und reichte fie ihm,^obn« vorher darauf zu achten, ob er auch solcher wenh oitr gleich dem Diehe zu behandeln sei." Diese Rede "ging Jrtn Rabbi, der den Zweck sogleich begriff, gleich Dolchstichen durch da» He^. er fühlte daS Unrecht, daS er begangen und vermochte kein Wott der Erwiederung zu äußern. Der Fremde aber fuhr fort. „Wie wagst Du eS, Deinen Schöpfer anzubeten und fein Ebenbild für so gering zu'schäßen?L' Der Rabbi reichte ihm die Hand und bat um.seine Vergebung. „Ich bin unwürdiger, als Du," sprach er; „denn ick siible eS. da- Wiffen ist nicht die Hauptsache, sondern da- Thun.- Du bist ein Bote de» Herrn, für mich gesendet, meine Irr thümer zu heilen. Nimmer will.ich, selbst bei den geringfügigsten Menschen, deren lÄenbildlichkeit von Gott übersehen und eihnen an der^'nkchigen Achtung fehlen lafftn.