Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 28 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
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112 der tvol die g" abe mei «ir 'Ra > Wormser Klagen Bon Dr. L. Lewysc ha 1» Vorm». 8. (Daschlimme Masel'). In dem chause „zu Krone", einem Gebäude iw der Juvengaffe zu Worms, nte einst — eS ist schon lqnge her — ein Mann, den gütige Vorsehung zwar mit einer zahlreichen FamUie, ein« t respektabel» Rachkommenstbaft, aber mit einer wem« zahlreichen Baarschaft versa«; der Handel ging so so, ungleich ungünstiger wurden die immer mehr zunehden Dedürsttiffe. und der! besorgte Familienvater sah vieler Bekümmerniß der Zuchrnft entgegen. Der fromme biner jener Zeit, bei welchem stch der Hartbedrängte Rajh und Trost erbolen. wollte, konnte wohl den letzter» reichen Maße, weniger aber den erstern ertheilen, denn er sollte'der gute Rabbi, t^er des Talmuds, aber nicht dei Handelkundig war, ein^n praktischen Ausweg finde,? Doch nein, ein glücklicher'Gedanke fiel dem Rabbi eir: 3*7" sagen unsere Weisen, ver« las et nur den hiesigen Ort uckd setzet Euck' an einem nahe, OrtSfiecken —Iischub—, wo der Handelsleute, aber au b dei^ Bedürfnisse nur wenige find,' und ihr werdet (Such mit Ehren ernähren. „Aber, lieber Rabbi." erwiedene der arm,, doch fromme Mann., „ich könnte ja alsdann nicht mit Minjan «10 Personen) beten und nicht “2m2 und rrcnp hören?' — , ,.Thuk nicktS!" meime der Rabbi, „habt Ihr keinen Lack zrrx:p und 77«^s), so braucht Ihr auch keinen Back (engl, bag, '-"2 und P2 “*r~:“), dorr habt Ihr weniger Neid und Anfeindung zu befürchten, und das ist auch Etwas werth." — Der gor, Mann war beruhigt und traf bereits alle Anstälren, den Orr;u verlassen. Ein einziger Wagen genügte, sämmtliche Habe auftunebmen^ und schon sollte der mit lebendigem und leblosem Gepäck beladene Wagen stch in Bcwegun^setzen, als der Favilitnvater auS der lerrgewordenm und verschlossenen T?ob»ung deutlich den Ruf vernahm: „Wane nur, auch ich will mit!" Zener wen^ Lcte sich um und fragte: „wer ruft? wer will mit?" — „DaS Schlimmasel ruft. Schlimmasel will mit," so ertönt es unheimlich hinter dem Manne. — Ach, die beabsichtigte Auswanderung war »rgeblich! Dem Schlimmasel entgeht man nicht. . ES wurdf wieder abgeladen und bin ging es zum Rabbi. „Ihr müßt, müßt helfen! Euer Rath kam m«r ziemlich rbeuer'zu stehen, denn die Ausgaben waren umsonst: nun aber gehe ich nicht vo« der Stelle, ehe Ihr den bösen'Feiftd gebannt."— Der Rabbi, der oft so manchem Geiste, so behauptete mqn allgemein, dreist unter die Augen getreten, erschrak Aar' männiglich vor dem verzweifiungsvollen Blicke deS Armen; e» blieb kein Ausweg für den Rabbi, er mußte sich jenem unholden Geiste in den Weg stelle». Tr begab sich nach dem Wohl dir richtige Aaalyse für „Schltmuasel", die 8rNLr»ug vo» yrz mVc ist unwahrscheinlich Ueber dt« Bed«tt»»g vou 77*2, s. meinen Beitrag im <3. Jahrg. d«S Kletnsche» JahrdncheS E. 73. Hause „za der Krone," sprach eiue Baunformel grausigen Inhalts und befahl alsogleich, die Wohnung zu demolircn und eine neue an ihrer Stelle zu erbauen. Es geschah, und . . . nach einem Jahre war der Arme ein reicher Wann geworden. Er hatte wohl jetzt gar oft und zu erfahren, doch hatte er auch die ungestörte Freude, ■s-a und nonp alltäglich zu hören. — Gönne, lieber Leser, dem Manne seine Freude, doch wünsche mir mir: „o göttlicher Rabbi, gäbe eS Deiuesgleichen doch ein Mal noch auf Erden!'" — 9. (Der Denunciant.) Hier in Worms hörreich zuweilen vo^riten Leuten den AuSdiuck: „KraSche nach dem Tode." — Die Entstehung desselben beruht auf folgender- Sage. KraSche*), so hieß ein »üdischer Mann, besaß den schändlichen Erwerb, durch Denunciationen aller Art sich zu Ernähren. Diele wurden hierdurch ihres Vermögens beraubt, oder sie mußten, wenn sie nicht einer langwierigen Kerkerstrafe verfassen wollten. HauS und Hof verlassen und in der Flucht ihre Rettung suchen. KraSche ward alt, kränklich und wollte fttnem ehrenwerthen Lebenslauf dadurch die Krone aussetzen, indem er der Behörde im Vertrauen mittheilte, daß seine Glau^ benSbrüder.I waS fie bei seinem Leben nicht vermochten, nach .seinem Tode vollziehen, an ihm nämlich stch rächenwürden. Gleichzeitig ließ er in seiner Krankheit die ne'p. zu sich kommen und bat fie, seinen Körper nach dem Tode die Treppe hinunter zu werfen — er wohnte nämlich im zweiten Stocke —, zugleich bereute er seine Sünden uftd wollte N27TN2 inn sein. Der Rabbiner widersetzte sich $ dem Verlangen, verbot gleichzeitig die r>*£7, (Leichenbegleitung) und behauptete, dieser ^ov-3 (Deuunciam) könne unmöglich «27, Bbvb pbn (Antheil am ewigen Leben) haben. Aber leider fehlte eS zu keioer Zeit an Zeloten; einige Mitglieder der Gemeinde, die mir KraSche in entfernten VerwandtschaftSverhLltniffen standen, wußten eS durchzusetzen, daß jener geäußerte Wunsch des KraSche erfüllt wurde. Ein sehr kostspieliger Proccß zum Nachtheile der Gemeinde war die Folge, und da- ®m» zige, was ibr hiervon eingebracht wurde, ist daS Srrüchwort: „Krasche nach dem Tode!" •) Der norddeutsch«^ Heser deachte, daß im Süden dieBcltssvrache für da» DeoMmvum nicht leiu. che», oderel. souderu che har; ebe»fo w«»fev AH« Verba bas ■ am Schlnsse'ab; rechnet ma» die außerordentlich vielen proveucaleu Elgenlbü«lichteiten binzn. so übt. nameMlich in der erste» Zeit, der hiesige Bost»- dialekt ei»e» wahrhaften Zauber aus die Hörorgane eines Norr»- tentscheu aus. Allgemeine Zeitung de» Judenthum». Ro. >3. ">3SS. Leitend« Artikel: «euer Aberglaube. — Der, Tod de» Kaiser» Rtlolau«.Die tsraeillische SileraturgeseSlAast. — 8m beberzigenswerAe» Wort, von vr. Klei», — Zur lüdilche» Ebescheid«,. III. — Zeltu,g»»achr1chte-: Deutfchka»»: au» dem Meckleubsrgischea. Preuyeu: Berli», vom Rie«en. vre»- lan. Htrschberg. Oesterreichtscher Kaiserstaat: Die». ''**£**• Darin. Großbritauuieu: London. Rußland: Warschau. *eT* resvoude»,: Dr. Sittcuthat'» Aufenthalt ln R»ß««d. VI- »y Zu beziehe» durch jede» Postamt und irde Vuchhanvluug. Jährlich 3 Dhaler. vierteljährig '/« Dhaler. . _ 8rra»t»or1licher Akrdacte»r: JL Rübe. Birtag von e»i»«atrearr'< B»ckchan»k»n, ia Setvzi,. — ITo« »»» *(«f«nHi ®l«»t m Lei»»«-.