Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 27 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Inbegriff M Volkswilleps wil M BolksunwiÜens, verbreitet Schrecken um sich her, und steht da' al« der einige Mittelpunkt der ereigntßreichen Be«eg,ng. Sein eigentlicher Kam« war Dar-Eosiba. ohne Zweifel von ei; net Stadt Eosiba oder Kesib, deren ,» zwei gegeben hat. Die jüdischen Quellen kennen ihn einzig und allein unter diesem Namen und deuten auch nicht t» Geringsten darauf hin. daß man ihm denselben al- Schimpfnamen „Lügen» sohn" beigelegt Hütte, wie jüngere Nachrichten behaupten. Bar-Eochba war nur ein symbolisch, meffwmscher Name, welchen ihm R. Akiba gegeben har. AlS dieser für die Befreiung veS jüdischen Volkes so thürige Weise ihn zu« ersten Male erblickte, machte dessen ganze Erscheinung einen solchen ergreifenden Eindruck auf Ihn, daß er in die Worte auSbrach: ,.Daist der meffiastische König!" Er wendete auf ihn den Schriftver- (Na©eri 20.) an: „Costba ist als ein Stern (Cochib) aufgegangen in Jakob." R. Akiba wurde durch die jedenfallshervorragende Persönlichkeit Bar-Eochba'S inseinen Hoffnungen, daß der römische Uebermuth bald gebeugt und die Herrlichkeit Israels wieder erglünzen werde, noch mehr bestärkt, und erwartete durch denselben dameffianische. Reich in der nüchsten Zukunft. Er wendete darauf den Vers de» Propheten Ehagzai an (2, 21.): „Noch ein Kleine- und ich lasse Himmel und Erde erschüttern, fturge um den Thron der Reiche und vertilge die Macht der Heiden." Indessen »heilten nicht Alle R. Akiba's fromme Schwärmerei; R. Zochanan ben Torta rntgegnete zweifelnd auf diese hochfliegenden Hoffnungen: „eher wird Gras ' aus Deinen Kinnladen, Akiba, wachsen, ehe der Messias erscheinen wird." Die Anerkennung und Huldigung, welche R. Akiba ihm zu Theil werden ließ, war jedoch vollkommen hinreichend, Bar-Eochba den Sirablenschein deiner heiligen, von Gott stammenden Würde zu verleihen, und ihm eine unbestreitbare Autorität beizulegen, welche dse Mittel, die ihm zu Gebote standen, vervielfältigte urzd steigerte. Die ausführliche Geschichte diese- Aufstandts gehört nicht hierher. Man kann stch vorstellen, welche Bedeutung er hatte, da Div CaffiuS die Zahl der jüdischen Krieger! auf 580,000 Mann angiebl. Bar-Eochba nahm den Römern 50 feste Plätze und 945 offene Städte ab. so daß ganz JudäamitSamaria und Galiläa wieder in Besttz war. Auch Jerusalem war in den Händen der jüdischen Sieger, aber eS mangelte an Zei^ um an Wiederherstellung des Tempels zu denken. Dar.Eochba prägte, um die Unabhängigkeit zu bezeichne«, die ix erworben, eigne Münzen. Nachdem diese-ReichBar-EochbäSzweiJahre gedauert, alle römischen Heere geschlagen worden, sah stch der Kaiser Hadrian genöthigt, de« größten Feldherr« sei« ner Zeit, Julius SeveruS auS Britannien zp holen, wo er den Aufstand einer nicht minder freiheitsliebende« Nation unterdrückt hatte. Dieser große Krieger vermied jede entscheidende Schlacht, beschränkte stch, seinem Feinde die Lebensmittel abzuschneiden, die jüdische» Truppenkörpcr vereinzelt anzugreifen und sie durch die Reiterei aufzureiben. Ein Heer von mehr al- 100,000 Römern schlug Schlacht auf Schlacht, stürmte Festung nach Festung. Der Krieg dauerte 3*/, 3ahre, der Schlußakt war di§ Belagerung Bethar's. welche ein ganzes Jahr währte^ und am 9. Ab 135 endete. Nachdem der Aufstand unterdrückt war, begann di, Zeit der Verfolgung; aicht blos. die jüdische Nation, auch die jüdische Nationalität fd^t« vernichtet werden. Die schwerste» Strafen wurden über Alle verhängt. welche die Bescheidung, den Gabbath beobachteten oder sich mit der jüdischen Lehre beschtfttgtra. ltzas Gyn. hedrion war gesprengt. Die übriggebUebenen Gesetzes lehrer versammelte» Ach in de«. Dachzimmer eines sonst unbekannten Nitsah in Lydda und zogen die Frage über Lebe« und Toin Berathung. Unter deie Mitgliedern dieser Versammlung werden R.'Akiba. ist. Tarphon, R. Jose der Galiläer, namhaft gemach». Die Versammlung faßte einen Beschluß, welcher non der verzweifelten Lage, in der stch die iüdisch, Gesammtheir befand, bas sprechendste Zeugniß ablegt. Der lyddenstsche Beschluß bestimmte, um bas Leben zu erhalten, > dürfe man alle Religioasgesetze übertreten, mit Ausnahme von Götzendienst, Unkeuschheit und Mord. Dieser auffallende Beschluß scheint aber die grheime Elausel enthalten zu haben, im Nolhfalle zum Schein das Gesetz zu übertreten, oder es irgend wie zu umgehen, im Uebrigeu aber soviel davon zu beobachten, alnur immer möglich wäre. Indessen waren diese Rothbehelfe nicht für Alli maßgebend. Es gab allerdings viele, welche stch daran hielten, vor den Augen der römischen Beamten und Spione stch den Schein zu geben, als übertreten sie die ReligionSgesetze. Rührend sind die kleinen Künste und die frommen Kniffe, deren sie stch bedienten, um hier dem Tpde auSzuweichen. dort aber auch ihre« Gewissen zu genügen. Di« Seelenmartern, die ste täglich und stündlich erlitten, machten ste erfinderisch, allerlei Auswege zu erdenke».' Um daS Gesetz, zu lesen, stieg man auf entfernte Dächer, stch den lauernden Blicken der Gpä» her zu entziehen. R. Akiba selbst, als er einst von feinen Jüngern umgeben.' einen römischen Aufpasser bemerkte, winkte ihnen, das Schema-Gebet ganz leise und kaum vernehmlich zu sprechen. Henri -die römischen Bebörden machten mit der Ausführung der .BerfolgungSdcerete bitter» Ernst. Jeder, der auf frischer Tbak Srtappt oder verra» then wurve, einen religiösen Act ausgeübl zu haben, wurde nach der augenblicklichen Stimmung de» Richters zu Geld- oder Leibesstrafe, oder gär zum Tode verurtheilt. - So konnte es denn an .zahllosen Märtyrern nicht fehlen. Besonders werden'zehn gefeiert, von welchen sieben unS namhaft gemacht werden. v Bald kam, als den Drifte» dieser Zehn. die Reihe an den greisen R. Akiba, weil'er im Geheime» Lehrvorträge gehalten batte; er wurde, laut dem „Käsender der Ua» glückStage," am'5.., Tischri in einen Kerker geworfen. Vergebens hatte ihn PappuS ben Juda, einer der Friedfertigen, welche zur Nachgiebigkeit, um jeden Preis gerathen hatte», nachvrüEich gewarnt, die Z»sammenkünfte mit seinen'Schülern einz'ustellen, weil der! lauernde Blick der Aufpasser di« geheimsten Winkel durchdringe. R. Akiba hatte ihm durch eine'Faßel bewiesen, wie die Furcht vor dem Tode eben so vergeblich wie sündhaft sei. „Ein Fuch», welcher dis Fische a« Ufer unruhig herumschwim» men sah, weil «an Ainn mit Netzen nachstellte, rieth ihnen, sich auf's Land zu begeben, um bei ihm sicher zu wahnen. Aber die Fische, de» Rath verschmähend, er» «iedertea darauf: „wenn wir in unsrem eigenen Elemente nicht sicher sind, um wie viel weniger wären wir e», wenn wir uns daraus entfernten." Davon machte R. Akiba die Anwendung auf die damalige Lage: „Unser Lebeaselement ist die Lehre, geben wir sie at»f, Hann ha»