Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 26 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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108 »er Fackel in Forschung die noch. uneatb«hrlichere der Seelenkenntniß verbindet. Seine Zugendgeschtchte ist sagenhaft. Rach einer Gage soll er Proselyt gewesen sein und zwar audem Oeschlechte de» kqnanitifchen Feldherrn Gißera, den die List und die schwache Hand eine» Weibe» getöbtet hatte. Nach einer andern soll R. Akiba in einem dienenden Verhältnisse zu Kalba-Sabua, einem der reichsten Männer Jerusalem», welche mit ihren Dorräthen die Noch der Belagerung auf viele Jahre hatten verhüten wollen, gestanden haben. Die Sage fügt hinzu, daß eine Tochter diese» reichen Jerusalemer», mit Namen Rachel, ihm ihre Neigung geschenkt habe unter der Bedingung, daß er sich Gefetze-kenntniffe — ird» in der damaligen Zeit Bildung überhaupt bedeutete — arteignen sollte; dadurch habe er fich entschlossen, zu vier, zig Jahren in eine Schule einzutteten, um die Anfang»- grüvde zu erlernen, bi» dahin sei er alle» Wissen» baar gewesen. Während der Zeit, die er zu seiner Heranbildüng gebrauchte, habe die Tochter au» dem'Zeichen Hause dem armen Jüngling ihre Liebe treu bewahrt dem Unwillen ihre» Vater» trotzend, der sie deswegen verstoßen und der ärmlichsten Eristenz bloß gestellt haben soll. Da» steht jedenfalls fest, daß Rabbi Aktba bi» in sein vorgerückte» Alter sehr unwissend war; erzählte er ja selbst später von fich, daß er im Stande der Unwissenheit die Gesetzeskundigen leidenschaftlich gehaßt habe. Auch.die Thatfache, daß er mit seiner'Frau in sehr dürftigen Umständen gelebt, bat entschiedene Gewißheit für sich; denn eine durchaus glaubwürdige Nachricht erzählt, seine Krau habe ihre Haarflechten verkauft, um ihm da» Nolhwendigste zur LebenSfristung zu liefern. Alle diese Hindernisse, die einen Andern aus halbem Wege entmuchigt hätten, dienten nur dazu, ibm beft Stempel der OeisteShoheit aufzudrücken; feine kräftige Natur befiegt« alle Hindernisse, überwand alle Schwierigkeiten, und stellte ihfi al» den gefeiertsten Lehrer bin. R. Akiba bat nach zweien Seiten unermeßliche Verdienste: er war der Schöpfer einer neuen Methode, dprch welche die traditionelle Lehre einen neuen Aufschwung erlangte. und war zugleich der Erste, welcher den ungeheuren Stoff systematisch ordnete. Während man nämlich bi» dahin nur da» a!» gesetzlich annah«. wa» als eine bestimmt ausgesprochene Tradition überliefert war. ging R. Akiba von dem Grundsatz au», daß in verThvrah nicht» Ueberflüffige», kein Wort, keine Svlbe, kein Buchstabe; jede» Flickwort, jede Partikel ist al» eine tiesiere Andeutung anzusehen. <S» bedürfe däher nur gewisse« Deutung»- und Folgerungsregeln, theil» um für jede» traditionelle Gesetz einen Anknüpfungspunkt in der Schrift zu finden, theil» um au» einer derartigen Folgerung wieder eine neue Folgerung u. f. f. zu ziehen. Mit diese« System war eine völlig neue Bahn gebrochen. Di« Mitwelt Rabbi Akiba » war überrascht, geblendet und begeistert. R. Tarphon, der früher R. Akiba überlegen war, äußerte in einem verehrenden Tone zu ihm: „Wer von Dir weicht, weicht von seinem ewigen Leben, wa» die Überlieferung vergißt, da» stellst Du durch Deine Deutungen wieder her." R. Josua, ftüher sein Lehrer, sprach davon mit Bewunderung: „Wer nähme die Erdschollen von den Augen R. Jochanan» b. Sakkai. baß er sehen könnte, »te seine Befürchtung eitel war. daß einst eine Halacha aufgegebeu I werden möchte, weil ste keinen Anhalt im Schrtfttene habe, stehe da! R. Akiba hat dafür eine Anlehnung gefunden." Man gestand fich ei», daß da» Oqetz vergesse» oder doch stenmchläffigt worden wäre, wenn 8t. Akiba ihm nicht eine Stütz» gegeben hätte. In übertreibender Begeisterung sagte «an: „Biele GeseDeSbestiw! »ungea. die Mose unbekannt waren, seien R. Akiba aasgegangen." Eine Sage stellt diese» Berhältniß. das^man fich zwischen Mose und R. Akiba dachkl, in einem eigene i Achte dar. Mos, verwunderte sich, welchen Zweck die Kpöachen hätten. welche einten Buchstaben der Thorah hinzugefügt seien, und Gott belehrte »hn-hierüber, daß ei »st nach einer langen Reihe von Geschlechtern R. Akiba b. Joseph._au» diesen Krönchen Halacha» herausfinden werde. Mose habe dann eine Sehnsucht empfunden, diese Größ ./im Geiste zu schauen; aber er mußte stch dazu acht 9i eihe» hinter R. Akiba setzen und konnte dessen Worte gar nicht fassen. In» Besondere war e» die Jugend, welche R. Akiba mit Begeisterung an hing. Die Zahl, seiner Schüler wird von der Sage auf 12,000, ja sogar auf d^S Doppelte - angegeben. Von seiner, jedensall» zahlreichen Jüngerschaar begleitet, soll R. Akiba einst seine Frau Rfichel wieder, besucht haben, von welcher er auf ihre eigenb Veranlassung viele Jahre hindurch entfernt gewesen war, während welcher sie in großer Dürftigkeit gelebt batte. Die Scene ihre» Wiedersehen» hat eine wohl nicht gjan^ sagenhafte Nachricht recht malerisch dargestellt. , Au» der lganzen Gegend war ein Menge Volke» zusammengeströajt, um den hochberühmten Lehrer zu sehen, darunter auch Rachel, ganz ärmlich gekleidet. Bei ftinem Anblick ^ertbeilt sie ungeduldig die Menge und drängt sich an ihren Jugendgeliebten.-um dessen äknie zu umfassen. Die Jünger waren schon im Begriff, da» zudringliche Weib zurückzustoßen, da ruft ihnen »er Meister zlN „Laßt, fiel denn wa» ich bin, und wa» ihr seid, haben wir ihr allein zu danken." Sogar ihk harter Vater Kalba-Sabu^, stolz auf einen solchen Schwiegersoha,, soll ihm sein ganze» Vermögen hinterlassen haben. Bon dieser Zeit an lebte R. Akiba mit seiner Frau, in großem Reichthumej deren Armuth bisher so erschreckend gewesen sein soll,, daß ste sticht» al» Stroh zu ihrem, Lager hatten. Seine Dankbarkeit gegen seine hartgeprüfte Frau stand zu den Opfern i» Derhältniß, die ste ihm so zuvorkommend gebracht hatte; unter Anderm schenkte,' er ihr einen seltenen Schmuck von Gold, woraus die Stadt Jerusalem geprägt ^war. Auf diese» kostbare Geschenk war de» Patriarchen Frau nach Weiberart recht neidisch, R. Oamaliel verwit» ihr aber diese Schwachheit mit der Bemerkung: nur ] jene Fra» verdient eine solche Auszeichnung, die für ihren Manst fich sogar ihre» Haarschmucke« beraubt hat. Seinen beständigen Aufenthalt schatte R. Akiba in Bene-Beoack. wo auch sein Lehrbau» war; d!ie Lage diese» durch ihn berühmt, gewordestm Orte» soll südöstlich von Joppe gewesen sein. Andere verlegen e» '»tel südlicher in die Nähe von A»dod (Azotu»); doch war R. Akiba al» Mitglied de» Gyahedrin oft in Jabneh, 'jmb selten wurde ein Beschluß ohne ihn gefaßt. Al» et einst bei einer wichtigen Verhandlung i« Räche fehltei, konnte die aufgeworfene Frage nicht entschieden werden r denn «an sagte: „wenn^R. Akiba abwesend ist, so fehlt »ie Lehre." Die Huldigungen, die ihm vo» so vielen Seiten zu Theil