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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 23 (1855) · p. Seite 91

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
23 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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-r fern israelitischen Luleu» bewilligt, und christliche Mitbürger haben für 2l),OOOTHlr. Aktien zum Synagogmbau gezeichnet. Merkwürdig find die vielen und reichen Stiftungen, welche seit einigen Jahren von'Juden in Wien zu Gunsten ihrer Glaubensgenoffm gemacht werten. Fast "jede Eorrefpondenz der ..Allgem. Ztg. de- Judlenth." von dort weiß solche aufzuführen. Wien wird s^ bald eine der reichst dotirlen Gemeinden sein! Möge ^ieleuchtende Beispiel viel Nachahmung finden! > Wormser Tagen.! Don Dr. L. Lenryfohn in Dorm-. (gerttffung.) 3. (Da- Sefer.) Bevor wir den heiligsten Punkt der heiligen Stätte, den Ort vorder Bunbe-lade, an dem wir zuletzt verweilten, verlassen, wollen n!ir, lieber Leser, mir einander noch einen Blick in da- AÜerheiligste werfen. Drücken wir den Vorhang an die! Lippen, ziehen wir ihn auf die Seite, öffnen wir die Thüre der Bundeslade. und fassen wir die Lhorahrolle in!- Auge, die fvglei^h durch die Höhe sowohl, wie durch l!en merklich dreilern Umfang unsere Aufmerksamkeir auf! sich zieht. Du hebst auf meinen Wunsch die Lhorahrolle^ au-, und auf Deine Verwunderung, daß diese so ungewöhnlich schwer ist, bemerke ich Dir sogleich, daß dieselbe'mit Ausnahme einer einzigen Seite (W'T), die später au' die" Stelle ei» ner schadhaft gewordenen eingesetzt wurde^ und die auS. gewöhnlichem Pergament besteht, darchgättgig auf Hirsch» Pergament geschrieben ist. Wir legen die ^horah auf den Schulchan, entrollen fie, .und ein flüchtiger Blick in ihr Innereüberzeugt unsogleich, daß kein Sofar von Fach da- Sefer geschrieben habe; denn die Buch!staben find nicht gleichmäßig, mancher Buchstabe (z. B. dav. daö immer in doppelter, in einander liegender Form erscheint), hat einen eigrnthümlichen.Schriftzug, und wir werden noch mehr überrascht, wenn wir bei vergleichender Prüfung auch in ritueller Beziehung (namentlich bei mrrTE und nrrrc) mannichfache Abweichungen von der üblichen Schreibweise der Thorahrollen wahrnehmen. Deine Neugierde steigert sich zur Wißbegierde: Du möchtest erfahren, wje es sich eigentlich mit dieser Rolle verhält, und da sage ich Dir" denn, daß diese da- Sefer des Ram m«,Rothenburg ifl1). Deine Ehrfurcht vor dem Heiligthum verdoppelt sich durch die Erinnerung an einen der berühmtesten jüdischen Gelehrten des 13. Jahrhundert-, und ich will gern Deinem Verlangen Nachkommen, die Sage über diese- Sefer Dir mitzutheilen. Sie lautet: Rabbi Keier au- Rothenburg starb nach fiebenjäh» riger Einkerkerung im Gefängniß zu Jsencheim bei Mainz im I. 1293*). Die Mauern de- Gefängnissebegrenzten jedoch Nur die leibliche Freiheit, nicht die detiefen Geistejene- Gelehrten. Gerade wahreny seiner Haftzeit verfaßte er mehrere seiner unsterblichen Werke, und auch jene Lhorahrolle wurde damals von ihm geschrieben. Wie einst die Welt audem Schooß der FiNstersiiß zum sichtbaren Dasein sich entwand, und selbst das! Licht erst nach Besiegung der Kinsterniß Raum und Dauer fich erkämpfen mußte, so ging eine Welt voll tiefer Gedanken für den -1- ') s. ijiialeitnng de- "ty* aroa -AI» rmn TW. •) Da« Geschichtliche ansfithrlich in «ei»» v-vTL rmDK S. 35—39. . Geist und daS Licht der GotteSschrist Gr die geweihte» Liefen de- GemütheS auS der Fiaster»jß jenes Kerkers hervor.- und die göttliche Kraft und die himmlische Wahrheit spotteten ver menschlichen Thrannei. — Die Thorah war bizum letzten Buchstaben geschrieben; das letzte Wort ^«Tv'' belohnte mit überirdischer Freude den ftommen Rabbi; er ahnte, er hofft«, .er war überzeugt, dass tarzr einst ebenso aus den- Gefängnißmaüern des Haffes und der Verfolgung hervorgehen würde, wie diese Thorahrolle auS den düsteren Räumen des Gefängnisseentfernt, nach einem schöner» Orte, durch Gotte- Wunder, gelungen werde. Er verfertigte eine Lade von Holz, legte die Rolle hinein und setzte erstere alsdann auf die Spiegelfläche de- Rheines. „O Gott," flehte er. ..floh ja das Meer bei Deinem Anblick und der Jarden floß rückwärts" (Pf. 114, 3.) „lasse auch diese Lade aufwärts nach Worms ° ziehen; dort ruht die Asche meine- Vater-, dort wird einst auch — ich ahne es — Me «einige ruhen, und dort....' -mag auch diese- Kleinod meines Lebenfür ewig aufbewahrt bleiben!" — Und steh, welch Wunder! Die Lade zieht wafferauf; lange schaute er dem wunderbaren Schisstein nach, es bahn; sich immer vorwärts, immer kräftigereine Bahn durch -die entgegenströmenden Fluthen, bald ist eS dem Auge entschwunden, und eh' die Sonne ihren TageSlauf vollendet, landete es' an den Ufern jenes majestätischen Stromeim Angesichte der alrehrwürdigev Rheiustadj. WormS. Alle Welt eilte, daS Wunder zu schauen,' man wollte die Lade an- Land ziehen;! doch ist es Täu- , schung, ist eS Wirklichkeit? Je näher man der Lade kam, - desto weiter sie vom Ufer sich zurückzog; eS betraten Schiffer ibre Fahrzeuge da- Schifflein zu erhaschen, doch der , unsichtbare Fährmann stieß eS weiter und immer weiter abwärtS; die menschliche Kraft ermüdete im fruchtlose» Jagen, man kehrte mißgestimmt zur harrenden Menge zurück. Und da- Schiffieink Es folgte auf den-Schritt dm» : Schiffern, esuchte Menschen, aber welche?. D^löste stch seltsam da- Räthsel.!' Wnige Juden, Ke neugierig Hc^ Menge sich anschlossen , amd seitwärts am Ufer Stellung faßten, sahen da- Schiffiein auf sich zukommen, fie erfaßten emuthig und zögen eS.mir leichter Mühe an-Land. Man öffnrle die Lade und erblickte da- Heiligthum. Ehrfurchtsvoll wich die erstaunte Menge zurück. Die-Jsraeliten luden die Lade auf die Schulter und zogen mit ihr nach der Stadt, wohin die ganze.Menge in stiller und ehrfürchtiger Haltung, in einer großen, feierlichen Prozession nachzog. Bis zur Synagoge dehnte sich der Zug; hier ward da- Heiligthum beigesetzt, und alljährlich a« Freudenfeste wird da- Sefer de- Ram» me» Rothenburg auögehoben und auihm. ein Abschnitt der heil. Schrift, verlesen. 4. (Da» Ales.) Wir verlassen jetzt da- Inner« der Synagoge und treten in den ersten Dorhof; rechtführt, eine kleine Thüre zur Raschi-Kapelle *), und dorthin folge . mir, lieber Leser, auf einige Augenblicke. Wenn Du vor dem Raschistuhl Dich befindest und durch das nächste Fen- . ster zur Linkerz einen Blick hinauswirfst, erblickst Du an der gegenüberstehenden l^nd ein in Stern tief eingehaueneS «, woran sich folgende Sage knüpft. Raschi trug ') Meine» trpTX rrn»B3 ist eine vorzüglich qelungene Li- - . thograpbte »»» der Laßer» und iaNern Anficht »er Raschi-Krpese vorgeheftet.

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