Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 22 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
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86 •1 emgetrrten, ©torfunj de- Verkehr-. Aber der junge Mann lebte sp«rscm, wa uaermüdet, seine Braut und ihre Eltern nah am unt r keiner Bedingung Unlerstützuag von ibm au. ft rtzer» le itm lieber kümmerlich von eigner Arbeit. Endl ich ging die schlnnme Zeit vorüber, Mit dem zurückgekehr en Frü ling warb etvieder lebendig in der Welt und llles ge ietb in Fluß. Joseph benutzte wacker die günstig« Eonjur crur. Er bereiste die Provinz und die angrenzmbea Lände . knüpfte überall Verbindungen an, welche eine» solides Verkehr versprachen. So rang er Schritt vo Schrit vorwärts. und die Kunst de- Geschickes best nv dari i. daß fie seinem Kleiße Feine Ungunst gewährte. Und wi beglückte ihn und da- Mädchen seiner Wabl jeder kl ine Fortschritt, jeder errungen, Portbeil. Diel und de riefe Ueberzeugung. daß eine höhere Hand ste o «neu ander gebunden, daß Scheidung von einander de Tod, >,enigstender Tod ibreganzen Seelenleberzs w ire, w« r der Ersatz für den Druck, welchen ste nicht los verden onnteo^ den Druck in ihren Empfindungen, de Eltern dauernden Unwillen zu tragen. Insbesondere n ar es 4 kirjam. die darunter litt. O die Armutb hat i uch ibre r Stolz — und dieser Stolz in der Seele de» Räbchen! war tief verletzt, daß irgend Wer meinm kön ike: ste volle sich in die reiche Familie hinein, drängen, l nd hier, i der b,herrschen de Glaube, daß obne den Segen der rn kein S^en im Hause, ein Glaube, in welchem die Töt ter Juda'» erzogen werden — .möchte es ntt and' rs werd :n! ... Nach a idertball Jabren fühlte sich Joseph seiner Zu. kunsl sicher und tt rg bei Mirjam und ihren (Slrrtn an, die Hochze r zu fe .ern. Miriam sah ihn wie um Aufschub bitten) an. si glaubte immer noch vo» der Zukunft eine Venni telung. Aber Joseph erklärte sich entschieden, daß er sei ler und ibrer Ehre schuldig wäne. ihre Verbindung tu vollzieh n — ste durfte es ihm. der u» ihrer, willen fojfl iflc? ge >pferr und getragen, nicht verweigern. Al-, sie de» Tag d r Hochzeit festg,stellt, machte er abermals einen Versut >, seine Ellern zur Einwilligung zu bewegen, Kr schlier ihnen einen langen Brief, in.welchem er feile ganze Seele auSfchünele. Er berichtete ihnen Alles-, wa: er get an. wie er gearbeitet, gekämpft, um vorwärts zr kommen; er schilderte ihnen sein und seiner Braut See enleiden über, ihren Zorn, uav daß ihm dadurch das üßeste 6 lück de- Lebens verbüken werde; er beschwerte bei je )er Regung de- Herzen-, .bei Allem, waS fie fü ihn ge ban. ihm zu verzeiben und ihre Einwilligung u erthe len . . . Aber daS anderthalbjährige Schweigen hatte die El.erN nur mehr verhärtet; fein selbstständiges Auftreten und Fortscbreireft ste erbittert, dem unglücklichen Jtinoe barten sie vielleicht, wen» er reuig zu ihren Füß« gesunl rn, verziehen, aber dem, von welchem fie vorau-1'tzren, aß er täglich ihnen zugerufen: sehet, ich.bevarf kurer ntt. hatte sich ihr Herr ergrimmt abge'wenvet ... Es erfolgte keine Antwort.... AIS nun gar das Q nicht H rrn M . . . die Einwilligung in Form der Klage abfordere, und, da er keinen begründeten Ein-, wand erhe en konn e, sie an DalerS Statt erkheilte — — Die H ochzeit r urde ganz im Stillen gefeiert. Nicht in der S.y lagoge, nicht mit Glanz und Gesellschaft — im Hause nur >>u den vom Gesetze geforderten zehn Männern ind den nächsten Verwandten der Graut. Einige Jahre verstoffen. Joseph hatte nach seiner Ver« heirathung merkwürdiges Glück. Er sammelte Vermögen. Zn jeder Weise vermied er aber mit seinem Vater in Eoncurrenz zu treten, und ließ lieb,er die größten. Borlheile fahren. Ebenso machten kernen Aufwand, und Mirjam entzog sich lieber aller Gesellschaft, um niemals ihres Manne» Mutter durch Zusammentreffen zu ärgern. Selbst im Tempel wablte fie einen weit entlegenen Sitz in einer andern Gallene, um fern zu sein . . . Die beiden Gatten liebten sich innig, ganz. Niemals die geringste Zwietracht unter ihnen. Der Ein, lebte nur für den Andern. Sie beglückten sich sehr, und empfanden ihr Glück. Aber dennoch lag ein dunkler Schleier über demselben. Es war namentlich Mirjam, als ob sie aus hohlem Boden stünden, der einmal plötzlich zusammenbrechen werde; als ob^ sie niemals der Zukunft sicher sein dürften, welche noch große Schrecken für sie enthalten werde. Einige Jabre waren verstoffen, und ihrer Ehe war noch der Segen eine- KmdeS versagt — Mirjam dachte an den mangelnden Segen der Eltern. Endlich fühlte sic fick Mutter, und zur bestimmten Zeit und ohne Unfall genaS sie eine» Jtn&fe* chenS. Iw; Uevermaß feiner Freude eilte Joseph nach sei» ner Eltern'Hause — um in seine» unschuldigen Kind», lein» Namen zu erstehen, wa» ihm verweigert geblieben — — aber feine Eltern waren verreist, und kehrten erst i nach Wochen zurück. Die junge Mutter nährte ihr Kind j selbst, pflegte sein Tag und Rächt. Aber nach einigen Monden begann e» zu kränkeln, keine ärztliche Kunst schlug an, seine Farbe wurde wachsbleich, sein Fleisch verfiel, noch einige Wochen, und langsam schwand der Lebensgeist au» dem Körperchen. Mirjam wollte es Stunden lang nicht glauben, als sie schon die kleine, verschrumpfte Leiche am Busen trug .... Der' Schmerz der unglücklichen Garten war grenzenlos. Lange vermochte Mirjam nfcht, ibn selbst ihrem Gatten zu verbergen. Joseph warf sich krampfhaft auf seine Geschäfte, um ihn zu betäuben. Nach einiger Zeit ward Mirjam abermal» gesegneter Umstande. Aber eine. Trostlosigkeit überfiel sie. welche schon an Apathie grenzt,. .Joseph eilte zum Rabbinen der Gemeinde, einem ehrwürdigen, tieserfabrenen Greise, und öffnete ibm sein ganzes Herz. Derselbe machte den Versuch, Herrn M . . . umzustimmen, er cheilte ibm sogar die Voraussetzungen und Befürchtungen de» jungen Ehepaar» mir — aber seine Krau schnirr alle Verhandlungen ab. indem fie sagte: sie hätten nie ein Won de» Fluche» ausgesprochen, aber zu segnen vermöchten sie auch nicht; über die Schickungen Gottes wären ne nicht Herr, die kämen ja über Gute und Böse . . . Besser gelang e» dem Greife bei Mirjam selbst: er vcrwieS sie auf ibre Pflichten gegen ihr ungebvrneS Kind, er rief ibre Liebe zu Joseph wach, dem fie ja selbst ibre Ueberzeugung geopfert, er erhob ihre Seele zu Gott, der die Gnade und die Liebe ist — sie fühlte sich gestärkt, leicht. Die Stunde der Noch kam, und die Hülfe Gottes war bei ibr, sie hatte bald einen prächtigen Knaben in ihren Armen . . . Jetzt begann die Zeit eine» wehmüthigen Glückes. Welch' ein Jubel, wenn Mirjam den starken, blühenden Knaben anblickt,, der ganz seine- Vater- Angesicht, aber verjüngt, verschönt zeigte — und doch wieder, welche Angst, welche Furcht zog ihr die Kammern de- Herzenzusammen, wenn fie gedachte, ob eso bleiben werde....