Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 21 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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. ( Augenblick» .. . Aber sei nur ruhig uud muchtg -tich habe viele Freunde, ich habe Credit, ich kann erhalle» wa» ich will, und ich kenne mein Gewerbe durch und durch, bin kühn und besonnen zugleich- und r- Etwa» vertraue ich auch auf die Hülfe Dessen. der , die Liebe, eine wahre, unüberwindliche, un» in » Herz gesenkt . . . „Ach, Joseph, theurer Mann. laß un» noch warten, einige Jahre, und Deine Eltern werden sich beruhigen, vielleicht .... wir sind ja noch jung ,.O, da kennst Du meine Mutter wenig — wa» sie einmal verweigert hat, darein willigt sie nie felsenfest steht sie darauf — mit außerordentlicher Kraft de» Willen» thut sie da» Gute, wa» sie will, aber j— mit der» selben wankt sie auch in Dem nicht, wa» jtt| einmal sichren Entschluß ausgesprochen . . . , „Und der Vater? . . . ." I „Er hat sich zu sehr gewöhnt, "zu thunwozu die Mutter ihn bestimmt ..." Ein, Pause trat ein. La näherte sich vier Jüngling dem Mädchen und sprach: I „Mirjam, e» ist die Stunde der Entscheidung da — meine ganze Seele läßt e» nicht ander» zui . . . willst Du. mag'» kommen wie e» sei, mein Weib iwerden? . . oder nicht? . . . dann steht mein Entschluß ^fest, morgen früh gehe ich nach Australien ab, und Eurer ^'LUer Augen sehen mich nie wieder-willigst Du aber ein. so trete ich noch heute vor meine Eltern — aber mein Ge. schick hängt in. keinem Falle mebr von ihnen ab ..." Da- Mädchen kämpfte einen innern, schweren Kampf, ihre kleine Hand wak. auf da» Herz gedruckt — „ach! wider den Willen Deiner Eltern .. ihnen aufsgrbrängt . .. - von der Well geschmäht . . stammelte fiq — aber sie blickte auf, sie sah die Angst, die auf dem Antlitz de» Jüngling» lag. sie sah die Entschlossenheit her Verzweiflung schon auf seine gefurchte Stirn steigen^ und da er noch einmal wie fragend die Arme auSbreikete, sank si, weinend an seine Brust .... — — Endlich trat Joseph in da» Zimmer -‘feiner Eltern Sie schwiegen plötzlich still, aber ihre aufgelegten Geber» den sagten ihm genug. Er blieb stehen unv blickte sie an. „Woher kommst Du?" rief endlich seine Mütter. „Nicht wahr, von ihr. der Deine Eltern da» Hau» verboten? Do» nenne ich einen gehorsamen Sohn! . .{." „Ja," erwiederte Joseph gelassen, „ich komme von ihr, die mein Weib werden soll, und für die ich mir Euren Ellernsegen erbitten will . . . ." „Wie?" rief der Vater zornig au»,., Du höhnst noch unser? Kannst Du noch zweifeln, wa» unser Wille ist? Die Dirne, der Du nachläufst. soll nickt unsre Tochter werden . . „O Bater. Mutter!" sprach der Jüßgling bittend, „sprecht nicht so hart über da» Schicksal, über das Glück Eure» Sohne» ab; ich habe mich, ich htzbe sie geprüft, ich kann nickt ander», mein ganze» Herz hängt an ihr mit allen seinen Fäden und Banden, mach« mich glücklich, gebet Eure Zustimmung.. „Niemals die meine!" rief die Mutter au». „Ich will den Hohn nicht in mein Hau» aufnebmen^ ich will «ich nicht unterordnen einer' armseligen Dirne . . Joseph, wein Sohn, sieh, zwanzig der besten Häuser stehen Dir offen, Du kannst unter den retchsten, gebtldittßrn und schönsten Mädchen wählen ... Joseph, hat Dick« Mutter gar keine Gewalt über Dich? habe ich Dich nicht genährt an dieser Brust, nicht getragen auf diesen Armen, erinnerst Du Dich nicht mehr, wie ich jwei Jahre Tag für Tag, Nacht für Nacht an Deinem Krankenlager gesessen . . . „O, Mutter . . .." rief der Jüngliqg, und stürzte vor der Mutter auf di« Knie, und benefite ihr Gewand mit seinen Thränen, „bei Deiner Mutterliebe beschwöre ich Dich, wolle nicht Herzen trennen, die Gott vereinte „Renne Gott nicht, - wa» di« thörichte Verblendung Deiner Seele ist ... .V „Sieh, auch wir wollen Dich auf uns«», Händen tragen. wir wollen Dir bienin in Deinen gefunden, Dich pflegen in kranken Tagen,-wir . . ." „Nicht» da mit „wir." ich brauche da» Mädchen nicht, ich brauche Dich nicht, ich will nimmer zum Gespött« werden, ich will nicht für de» Haüfirer» Tochter gearbeitet haben . . . „So habe Du Erbarmen, Vater!" fvandte sich der Jüntzling zu diesem. ..e» sind, ja ^ehrliche Leute, und was, ist für ein Unterschied zwischen un» Juden? . . . „Unterschied!" rief der Vater, „har nicht dieser Hgu« sirer vor den Schranken de» Gerichte» gestanden, angeklagt, gestohlene Sachen gekauft zu haben? . •. . „Aber doch völlig frei gesprochen! . tj.'< „Mag sein, aber ich will solchen Schwäger nicht, und mache Dir daher gar k^ine Täuschungen, ick erklär« Dir ein für alle Male, e» wird Nicht» daraus." ,.Da» kannst Du nicht erklären!" rief!da aufflammend der Jüngling. „Du kannst Erklären, daß Du nicht ein» stimmest, aber weiter Nicht»! Ich bin mündig und da» Mädchen unbescholten, so kann Niemand un» in den Weg treten . . . ." — „So willst Du also Deinen Geschwistern solch'.«» Beispiel geben, so willst Dü dem Gebot und der WeU in'» Angesicht schlagen, so willst Du aus immer Deitier Eltern Verwünschung auf Dich laden?- . . .rief der Vater voll Grimm«». * „Und Ihr, meine Eltern, wollet kein Milletv habe» mit mir, mit dem braven Mädchen, nur weil sie arm ist — Ihr fraget Nicht» nach dem Glückt Eure» Sohne», der immer treu Euch gedient, fraget Nicht», ob sein Herz zerreißt in seinen jungen Jahren . . . ,,E» ist kein Glück. «» ist kein Heil für Dich!" ^sprach die Mutter dazwischen. „Wohlan, wähle— hier ist Deiner Eltern Hau», da» Du auf immer verläffest um einer Dirne willen, die Dich mir ihren Künsten umstrickte, um eine» schönen Lärvchen» willen — dort da» ihre, wähle ... . von un». hast Du »der Nicht» zu erwarten ... 4 wir geben Dich auf . . . „O Vater, sprich Du — Nicht», gar Nicht» . .. „Rein, und zehnmal ne!»!" stieß det Mann mit schweren Arhemrügen au». ) „So lebet wohl ..." — „Halt fin, Joseph!" rief die Mutter. „Du wirst e» bald schwer, bereuen .. - „So möget auch Ihr e» niemals bereuim. Euren Soh» find Eure treue Tochter von Euch gestoißch» z» haben!..." Er wandte sich. Die THÜre schloß sich. Jetzt klingelt« die Thür« de» Hause». Dröhnend fiel sie i« Winde zu. Man hört« noch feste Tritt«, die sich ^o» Hanf« mttfern-. len, dann verhallten sie. Der Sturm ethvb sich mir neuer Gewalt. Der Regen fiel in stärküm f&ufft.