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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 20 (1855) · p. Seite 79

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
20 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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„daich so lange weder in den Händen «habt, noch gesehen habe, so stark aufgeregt werden konnte." Diedie eignen Worte deangesehenen General- S., zu denen nur noch hinzuzufügen ist. daß derselbe während der ganzen Saison regelmäßig in die Synagoge ging, nur die Gesellschaft ein,- Rabblnen au- G. »nd die mehrerer jüdischer Lehrer wählte — die er sämmtlich inständigst bat, ja Acht darauf zu haben, daß die ihrer Gstege anvertrauten Kinder dem Glauben ihrer Väter getreu leben und bleiben — und in keiner andern, alin eitler jüdischen Restauration speisete. — Vor Kurzem aber brachten die Zeitungen die Nachricht. daß der General bet Znkerman auf dejm Felde der Ehre geblieben. > Kleine Erzählungen aus alten Quellen. Bon E » auuzl Hecht. 1 D i e Macht der Zung^. Ein persischer König war einst sehr schwer erkrankt. Die Aerzte hatten alle ihre Mittel vergebenversucht und nur noch Löwenmilch aldaeinzige vorhandene Rettung-mittel erkannt; Niemand aber war im Stande, solche zu erlangen. Da erbot sich einer von den Hofleuten de- König-, sie zu verschaffen; er iedurfte jedoch eine zahme Ziege dazu; diese erhielt er und ging dann zu einer Löwengrube, worin sich eine ihre Zungen säugende Löwin befand. Am ersten Tage stand er stzrchtsam in der Ferne, aler der Löwin die Ziege zu deren Verspetsung zuwarf. Am zweiten Tage wagte er etwanäher zu treten und ihr wieder eine Ziege zuzuwerfen, und so kam er immer näher zu ihr und gewann sich immer mehr ihre Zuneigung, bier endlich vertraulich mit ihr umgehen und ihre Milch gewinnen konnte. Nun ging ezugleich an die Zurückreise. Der Gedanke, seinen Zweck gefahrlos erreicht zu haben, beschäftigte feine ganze Seele und verließ ihn sogar auf dem Bette nicht, wo ihn ein sonderbarer Traum beschäftigt?: Die Glieder seine- Leibestritten sich zusammen, welchevon ihnen davorzüglichste sei. Die Füße sprachen: Ich bin davmyüglichste Glied; denn ohne mich hätte er di? Milch nicht haben können. Die Hände sprachen: Hätten wir die Löwin nicht gemelket, so besäße er die Milch nicht. Die Aügen behaupteten : UnS gehört der Vorzug, hätte» wir ihm den Weg nicht gezeigt, so wäre Alleohne Erfolg geblieben. Nein, wendete da- Herz ein: Keiner von Euck kommt mir gleich; denn ich habe ihm den Rach dazu lgegeben, ohne welchen Ihr gar nicht zu jenem Zwecke in, Thätigkeit gesetzt worden wäret. Da sprach die Junges Keinevon Euch kommt mir gleich; denn-j Wie? fielen ihr alle in- Wort, auch Du willst Dich «litt unin de« Rangstreit einlaffen» Du schwache-, knochenlose» Glied, Du ohnmächtiger Gefangener tu der dunkel» Kerkerhöhle? Bet diesem Streit erwachte der Schläfer äud setzte nun seinen Weg weiter fort. Bor den ähönig gekommen, sprach er: Hier hast D» die Milch einer iHündtu. — Wie? donnerte der König, Huad-milch wringt er mir, fort mit ihm an den Galgen» Da- UecheS war gesprochen und e» sollte vollführt werden. A-n»-l» beschilft y. tigte den wegen feiner Berurtheilnug erst zur späten Nachtzeit unter Roth und Angst Eingefchlafeaea ei» schwerer Traum und abennalkam e-.ihm vor, al-stritten fich die Glieder seine- Leiteum de« Vorzug. Die Zunge sprach:^ Run sollet Ihr einsehen, wer dawichtigste aller Glieder sei. Wollt Zhr.mir Viesen Vorzug bereitwilligst zugestehen. wenn ich E»ch von der bevorstehenden Gefabr befreie?— Za! ja! erwiedetten sie Alle einstimmig. Der Mann erwachte, gedachta^ seine- Traume- und faßte ven Entschluß, dem König chie Sache nochmalvorzutragrn. Wa- Hab' ich gethan? sprach er zu ihm, daß Du mich zum Tode verdammest? — Ha! erwiderte dieser : Ist eS nicht empörender Hohn und unverzeihliche Frechheit, mir Milch meiner Hirudin zu langen und so noch Spott mit meinem Leiden zu tteiben? — Verzeihung . großer König, sprach *tr Derurtheilte. Ich habe mich bloversprochen und da- Wott Kalbla (Hündin) für da- Wort Labia (Löwin) gebraucht, so und so bin ich zum Besitze derselben gekommen und ich hoffe sicher, daß e- Deine Genesung herbriführen wird. Die Milch ward untersucht und gefunden, daß sie von einer Löwin war. Da- Tode-urtheil wurde 'zurückgenommen und Allesah ein, daß emit Recht heißt: „Leben und Tod ist in der Gewalt der Zunge." _ S ch e i n h e i l i g.k » i t. Einst langte ein Reisender kurz vor dem Beginne de- Sabbathin einem Dorfe an, wußte aber nicht, bei wem er dort Herbergen und wem er die mit' sich geführte ansehnliche Summe Geldeanvertrauen sollte, da er efür ungeeignet hielte diese am heilige» Sabbathe mit fich herum zu tragen. Da dachte er: Ich gehe in die Svnagoge und werde aus dem andächtigen Benehmen der diese besuchenvenPerfvnen einen ftommen, gotteSfürchtigen Mann herauSfinden. Gedacht, gethan. 3n der Synagoge bemerkte er einen anscheinend Lußerst heilige« Mann, der sich betend fast bizur Erde bückte, die Hände faltete, die Augen rrehre,, hin und her schaukelte und ganz in (' Andacht versunken zu ftin schien. Ehrfurchl-voll trat er . ' vor ihn hin und fragte ihn, ob er ihm nicht eine Summe Gelbeüber Sabbath aufbewahren wolle. „Zhr seid ein Fremder/' antwortete' der Mann, „und die heilige Schrift gebietet. Fremde zu unterstützen. Ich^will Euch als».Eure Bitte gewähren und Euer Geld in Verwahrsam nehme«." Sonntag- Morgen verlangte der Fremde sein Geld zurück. Wie erstaunte er da, alihn der Mann barsch und rauh . anfuhr, vorgab, ihn nie gesehen zu haßen, die Thbre * öffnete und ihn fortjagte. Jammernd rang der Fremde seine Hände; denn er hatte NM Mn ganze- Defitzthu» verloren und wußte nicht, wie er nunmehr seine Famllie ernähren könnte. ,Hier in fremdem Lande, ohne Geld, ohne-Freunde ffift Bekannte, wprde ihm seine Noch »och drückender. Er erzählte Überall, was ihm begegnet, doch Keiner konnte ihm helfen. Er betete, er schluchzte, n flehte; doch Allevergehen-. Da war icher ein Man», -C, e» gilt gleich, wer ewar, der kannte hginnerste Ge. heimniß de- Frömmlerauf- Genaueste,, Ihn,, dauerte da» Geschick de» betrogenen Manne» und er entschloß fich» ihm auder Rvth zu helfen. Fretindlich näherte er stch ihm und sprach: -.Lieber Frrund, wollt Ahr wieder zu Eure« Geld« komme», so "folget mrmem Rache. Der

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