Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 19 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Alsie einander näher gekommen, erkanntes ft, sich, und al-balv fiele« die beiden ersten über den dritten her, und auS ihren Augen sprühte eS wie Mordlust. Da ertönte von Ferne eine schmetternde Fanfare, daß die Streitenden von einander abließen; bald erschien ein glänzender Zug von prächtig geschmückten Rettern, daß die »rei Fußgänger an den Rand der Straße zurücktraten. Nachdem eine Abtbeilung Krieger zu Roß vorüber war folgte eine Schaar edler Herren. In ihrer Mitte ritt'die hohe Gestalt Don Samuelauf einem Zelter. Zufällig siel sein Blick auf die drei ärmlichen.Gestalten a»p Rande der Strafte. Unbewußt zog seine Hand den Zügel seines PferdeS an, daß eS einige Augenblicke ftiüstqnv. (St hatte sie erkannt. Aber noch schneller ließ er desi Ziegel wieder fahren, wandte sein Angesicht und ritt ruhig und voll Verachtung weiter. Als b.r Zug vorüber war, sprachen die> drei Männer kein Work mit einander, sondern trennten sich. Der eine wandte sich rechtum die Stadt, der andere links, der dritte, wie es schien, der jüngste, trat in den GotkeSacker ein und warf sich unter Lhränen und Jammer aus -a- Grab deS Rabbi Me»r aus Eorvova nieder . . . Die Leidenschaft erreicht immer, was sie will, verschlingt aber ihre eigenen Söhne . . . Anfragen und Antworten. 63. E. in S. Mein Freund N. St. a M besitzt eine Leimiabrik. bekanntlich kann nur 6 Mhnare gesotten werden. Da ihm' nun der Sabbath wegen Arbeiten und Sonntag wegen Arbeiter verloren gehen, sv läßt er an» fragen, ob er nicht durch seinen Werkführep am Sabbath arbeiten lassen darf? , Antwort. Wir haben eS schon öfter ausgesprochen, daß daS „jüdische DolkSblatt" sich nicht für oomprtent hält, in solchen, lief in da- Leben veS JudenthuqrS eingreifenden Fragen tjnt Entscheidung, ober gar nur Bescheidung au-zusprrchen.' Wir empfinden diesen Zwiespalt dewirklichen und religiösen Lebens so lies wie ein», wissen aber, daß dem Einzelnen hierin nur gegeben ist, Opfer zu bringen. nicht aber eine vollständige Lösung. Wir hätten daher diese Frage hier gär nicht wiedergegeben, wenn nicht ganz ähnliche Fragen schon allzuhäufig ai| unS gerichtet worden, so daß wir ihnen nicht ganz und! gar auS dem Wege gehen können. WaS nun die Sache selbst anbetrifft, so kann nach dem Schristgesetz und nach der streng talmudischrabbiuischen Satzung die Fabrik eine- Zudey am Sabbath nickt in Thätigkeit sein, sei eS auch unkerl Leitung eines christlichen Werkführer-, da der Bortheil aus einer am Sabbalb gelhanen Erwerbsarbeit. sobald sie durch die Mittel und Instrumente eine- Juden zum Vor- oder Nachtheil desselben geschieht, sündhaft ist. In Nordamerika kann diefreilich keinen Conflict abgeben, da dprt dem Juden die Arbeit am Sonntag nicht verboten werden kann. Wohl aber bietet dieser Umstand in Europa zu einem großen Eonflicle Gelegenheit, den aber dajüdische DolkSblatt in-seinem zweiten Jahrgange zu lösen nicht vermag. Wir müssen eS vielmehr dem Gewissen deS Einzelnen überlassen. I 64. L. in H. Giebt eS Wittwenkaffen für jüdische EultuSbeamten? und welches sind bis Bedingungen derselben. und welchedie Dortheile., die fir bieten? " Bor einem Jahre entstand eine Rabbiner-Wittwrnkaff, in Frankfurt am Main. ~ Wir haben aber über deren Fortgang nicht-erfahren. Herr Räbb. Stein ob« Herr Rabb. Formstech?r in,Offenbach wird gern Aufschluß gkben. Nach Anzeigen in den Berliner Blattern giebt ein Berlin auch sine ..Pension» und Dutwen-Kaffe für jüdische Lehrer in Preußen." wir haben aber nie etwa- Näheredarüber erfahren. 65. A. I. in E. Wenn ein Lehrer eine ziemliche Summe Gelvedisponibel hat. wie könnte derselbe dieseam besten verwenden? Antwort. So erfreulich und selten eine solche Anfrage ist — ein jüdischer Lebrer mit einer ziemlichen k Summe disponibel! —- so? schwierig ifi sie doch zu beant- ■ Worten. Denn da- Geld auf die -Sparkasse zu legen, oder auf'den Ankauf zin-tragendir Papiere zu verwenden, bedarf man unsere- Rath'enichts Andrerseits kann ein Lehrer nebenbei ein Geschäft nicht betreiben, um guten Vortbeil audem Gelve zuziehen. Man könnte sa- . gen: Kaufe Dir eine Lribrenle-dafür wenn die- Verhältnisse nicht so wären,- daß man düS Kapitälchen nicht gern auS den Händen giebt. DaS Einzige, waS da dem jüdischen Lebrer zu rathen wäre, weil S mit seinem Stande vereinbar, kein zu'groß,- Kapital erfordert, und doch einen mäßigen Gewinn abwirft, wäre: lege Dir eine kleine Sckulleihbibliotbek an. um' die Jugend gegen mä» '■ ßiqe Gebübren mit gesundfr Lektüre! zu versorgen, und dehne sie nach und nach auch auf die erwachsenere Jugend au-, verbinde damit einen kleine» Verkauf von Gebetbückern. Fibeln. Bibeln und Schulbüchern für die jüdische Jugend tbeils neu, -tbeilantiquarisch. Hiermit geht der Lebrer nickt auS seinem Kreise heraus, und richtig betrieben, ist eS auch vortheilhaft. 66. Derselbe. Eist in der Elementarschule. hier» selbst Mangel an jüdisch - deutschen Lesebüchern, b) hebräischen Werken, in denen Aufsätze und Briefe, theils in Musterarbeiten, tbeilin Aufgaben enthalten find. Welche würden Si, zur Einführung in Vorschlag bringen? .. Antwort. Denn wir recht verstehen, so meint der geschäht, Fragesteller rruter a) Lesebücher in jüdisch - deutscher Schrift.. Nun bringt zwar jede hebräische Lesefibel auch eiitlge Seiten Uebnngen in jüdisch-deutscher Schrift, aber allerdingist dievon zu geringem Umfange. Wo wir unerinnern, einen bedeutenderen Tbeil de- Bucheder jüdisch-deutschen Schrift gewidmet gesunde» zu haben, dawar. in dem '1854 in dritter Auflage erschienenen Rischon Lemikra von Michael Wolfs in Lemberg {5*/, —' Sgr.), worüber in Nr. 49. der allgemeinen Zeitung de- Judenthumv. I. berichtet worden. WSS die Frage-1») betrifft, fo empfehlen l wir daß hebräische Lehr» und UebungSbuck von H Leeser. erster m>d!zweitrr CursuS. CoeSseld 1848; . ferner ein-ähnlich»-—We» von Ehrenberg in Wolfenbüttel; für böherr Slüfen hain vielen Beziehungen interessante „Auswahl historischer Stücke auhebräischen Schriftsteller» vom zweiten Jahrhundert biauf dse Gegenwart, (von Zedner) Berlin 1840.— Uebung-bücher zur 0tammatlf giebt - natürlich noch viele, z. B. von Rehfuß (Frankfurt 1841),. Bondi (Prag. 1845). —. Ueberhaupt aber empfehle ich hier die