Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 17 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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f 67 seyen fromme Scheu und' beilige Schauer lagerten sich an den Stufen, die hinauf zum'Sitze des Stuhles führen. und Ehrfurcht fesselt den Fuß de- Besucher-, daß er sich nicht vergesse, die ehrwürdigen und durch da- Andenken jene- Unsterblichen geheiligten Stufen zu besteigen. Der Besucher fühlt.— und glaubt - waer fühlt. — xtn im«, baß er aq htiliger Stättei’fld) befindet. Einst jedoch versuchte ein Leichtsinniger, den Fuß auf eine der Stufen zu setzen -t- und schwer mußte er seine Verwegenheit büßen. Bon unsichtbarer Hand.empfing er t-uun Schlag ins Gefickt und fiel bewußtlos zu Boden*). 2) fDie zwei Fremden.j Wenn T^u, lieber Leser, m die ehrwürdige, durch Alter und Bauart berühmte Svnagoge zu Worms trittst, so erblickst Dsi vor der heiligen Lade eine Lampe, aus welcher zwei Flammen den Wieversckein ihre- Lickteauf den Vorhang der Bundeslade werfen. Schon ging manche- Jahrhundert bin in daS nimmervoüe Reich der Dergangenheft. Geschlechter betraten und verließen im ewigen Wechsel dir Bühne de- Lebens, doch jene Lampe leert sich nimm«. die Flammen erlöschen nicht, und der Lichtstrahl beleuchtet immer fort den inner» Raum de- Gotteshauses, als sollte nächtliches Dunkel niemals in ihm welltm —, geistige Finsterniß niemals in ihn einvringen. - Und warum jene Lichter nie erlöschen?! Weil der ewig leuchtende Glaube fie angezündet. — Einst, so erzählt die Sage, zog eine katholische Prozession, eröffnet von dem Bischof, der daskreuzvotantrug, auch durch die sonst verschmähte, gemiedene Juddngaffe zu Worms. Was Verkünder dieser seltene Besuch? Wird Freuten er, wird er Leiden bringen? . . . Immer größer wird die Menge, immer länger dehnt sich der Zug. und der tausendstimmige Gesang wirbelt wie deS SrurmeS Brauser durch die Lust und übertönl die Gebete und die Seufzer der Einwohner jener Kaffe. ..die in banger Ahnung, von Schreckensfurchl befallen, in ihren Wohnungen sich umschlossen und ba-^ Ende der Prozession ersehnte^. Ach die I'Ahnuuq ward^ bald zur schrecklichen Wirklichkeit! Jener Gelang verstummte, und wie das Getöse des entfesselten Orkaß-, erfüllte wildes Geschrei die Luft. „Bon dem Dache i eines Hauses." schrie die Menge, „goß ein Jude Waffer auf daS heilige Atreu; und den Bischof, 'und „Thv! Tod allen Juden!" war ver einzige SchreckenSruf. der nun als Gottespreis — zum Himmel empordrang. Alle Häuser wurden erbrochen, die unglücklichen Einwohner. Greise und Kinder nicht ausgenommen, wurden auf den freien Platz vor der Synagoge gezerrt und ..ein Opfer, ein Opfer," schrie der Bischof und die Menge, „fordert der beleidigte Gott, gebt den Schuldigen heraus!" —! Hierauf sprach der Rabbiner mit lavier Stimme, so daß>alle Glieder seiner Gemeinde ihn hören konnten: „GÜiebte, unglückliche Brüder in Israel! Gelobt sei Gott, der wahre Richter. er giebt das Leben, er nimmt eS. er fei gepriesen in Ewigkeit. Haben wir unser Weh verschuldet — und Gott straft nicht umsonst —, so nehmen wir vch Liebe hin da- Loos aus seiner Hand und bringen wir >unS, wie Erzvater Jsaac. mit Freuden ihm zum Opfer dar: bä- •) Der norddeutsche Leser wird sich sicherlich der bekannten Tage von dem „Htrschlopf" in dem Hause des Rabbi Napbtalt in Pose» erinnern. ben wir es nicht verschuldet und bfttim Gott uns eine schwere Prüfung, so bleiben wir^stsudhast, vertrauend ferner Gnade. Ist ja hechte der firjbtnte Tag de- Passahs feste-, an dem unsere Vorfahren dwtch dastrockene Meev zogen, auch ui»S sollen die Strömt der Unterwelt nicht erschrecken. .Gottes Hand vermag' usiS aus mächtigen Flu« then^ zu. retten. Doch gebe e-Einesi-ufäter unS, der wirklich daS getban. deß man unS befckmlöÄt, so trete er «heraus und bekenne sich zur. Tbüt. . auf >c ß er daS Unheil ab, wälzr von dtr schuldlosen Gemeiohr und nicht wie Achan einst Unschuldige das, Unrecht chüße r machte. DaS Antheil am ewigen Leben verliert der : ind ist hier und dort verdammt, durch dessen.'Unreche sch« dloseS Leben verlöre» geht." — Der Rabbi schwieg; doch keiner trat vor, Niemand war. fick der angeschuldigten!Übat bewußt. Eine» Augenblick dauerte feierliche Stille, r nd selbst jene rasende Menge gelangte, wir eS schien,' zur Menschlichkeit; doch bald erbebt sich daS Geschrei von.' Sruem: ..Ein Opfer, ein Opfer," schrw per Bischof uirü> die Menge, ^.fordert der beleidigte Gott!" unv schon zucke die Mordwaffe von allen Seiten, schon drang durch d»S, Wuthgeschrei ^der Menge der muthigr, der letzte^ G auhenSruf: ,Lvüsm» .lisrsei, oclon») sloüeou, >6vns)- oaüock!" zum Himmel empor, als . . . zwei- Manrier^'groü und kräftig, durch die dichte Majft^sick drängend,, mit ihr^n starken Armen fich einen Weg bis zum Synagochmplatz^ bahnten, und hier angelangt, mit lamer Skimme riefen.: „Haltet ein! Hier find die Schuldigen, von dieser Gemeinde war e- Niemand, der Euren Gott beleidigtes * Erstaunen^erfaßt die Gemeinde, befriedigt, und doch -irnkefriedigt war die brutale, blutgierige Menge —y dtzch^schnell ward Holz herbeige'holt, ein. Scheiterhaufen ^.erftchket, .und die zwei Männer Derschtbanven bald in den lichterlohen Flammen, . . . kein Wort mehr vernabm an« au- 'ihrem Munde. —• Wer diese Männer waren? weiß nicht, wie ste hießen, man wußte nickt, woher'stle kamen; doch sah man eine Taube-auveS Rauches Wirdes zu^l Himmel-emporsteigen, vkrschwindeiH in i>en fernen Höbm, unsschtbar mehr dem menschlichen Auge*).— Die, Gemeinde aber war gerettet und aus Tankbarkeit erbält sse.für alle Zeiten die Lichter jener Lampe, die Du. lieber deSlade in der Synägoqe slrhst, unl^üf welcher'Du die Worte: kiest. . •) Man bellst Herder so trefflich pos hierb Mciniflketten aus der jüdischen Geschichte. ' Bon Emau.llel H« ch tk 40. DaS «Selüb.de, .esne!s''.Schäfers. Simon der Gerechte,- Hohepriester zu^erufalem, rühmte sich, immer Gelübde der-Enthaltsamkeit abgewiesen zu haben, und daß er nu>! in folgendem Falle davon eine Ausnahme gemacht. Einst kam nämlich ein sanftmüthiger Jüngling zu ihm und sprach: „Mein Baterl Ich bin gekommen, Dir da- >ei an die Sage de» Polystrrvu», dir von «fisch beatbeitrt wurde.'