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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 16 (1855) · p. Seite 63

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
16 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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63 w ich Jedem, der mich darum anspräche, zehn Golvgulden auf sein bloßes Wort geben wollte, alle Schatze der Welt nicht hinreichen würden und daß solche- Darlehn überhaupt ein schlechte« Geschäft ist." — Während dessen hatte dazum Boden gekehrte Auge Menahemeine auf die Erde gefallene, unscheinbare Heftnadel bemerkt, und Mitren im Gespräche mit Don Samuel bückte er sich, hob die Nadel auf und steckte sie in sein Wamyrs. Don Samuel war dieser Operation lächelnd gefolgt und sprach jetzt: „Doch Ihr sollt die zehn Goldgulden haben auf einen Monat ohne Zins, meldet Euch in der Kaffe." — Menahem verbeugte sich ruhig und verließ die Halle. Endlich trat Lopez, der Jüngste, heran. Er war ein wunderschöner Jüngling. Etwaüber Mittelgröße, aber voll und stark, von ebenmäßigster Gestalt, mit lang herabwallenden Locken, hellem Teint und voller Frische in allen Zügen. Er war ärmlich gekleidet, aber diebinderte nicht, daß Allean ihm zierlich erschien uyv große Sauberkeit verrieth. Mit bittender Geberde trat er vor Don Samuel und sprach: „Ich bin der dritte und jüngste Sohn des Rabbi M«r auS Cordova, und wosiet Ihr, gnädiger Herr, mein Glück machen, so schenket mir einen neuen Anzug, dtnn ich kann in diesem nicht in der Gesellschaft erscheinen, zu welcher ich gehöre." — Da runzelte Don Samuel die Stirn und er erwiederte: „Ein Glück, daß Euer Vater nicht moch mehr Söhne hat al- Euch Drei; im Uebrtgen, wollet Ihr einen schönen Anzug haben, so erwerbet ihn Euch, Ihr seid jung und rüstig." — Mir diesen Worten wollte sich Don Samuel, erheben und entfernen. Da ergriff Lopez den Mantel veS Herrn, und mit dem treuherzigsten Blicke von der Welt sagte er: „Herr, meinen beiden Brüdern habt Ihr, wie ich sah, gütigen Bescheid gegeben, und nun werver Ihr sie in diesem Leben nicht wieder loS, ich aber gelobe Huch beim Allerheiligsten, wenn Ihr mir diesen Wunsch erfüllet, sollt Jbr mich mit meinem Willen nicht wieder zu Gesichte bekommen . . . lasset mich nicht wieder so von Euch gehen, warum soll.jch gerade unerhört bleiben?" Er hielt Don Samuel noch immer am Mantel fest; dieser blickte noch einmal ihm in daS wirklich' liebliche Gesicht, und fügte endlich hinzu; „Nun mag es fein, so! will ich Euer Schneider sein, und mag es Euch zum I ©lüde dienen. Aber sagt, wie ist Euer Vater. Rabbi Hkcir au- Cor» vova, Euch los geworden, da ich seine vriei Söhne nicht loö werden kann?" - „Nun," sprach Lopez, „er batte uns Nichtmehr zu geben." t- So hauen denn endlich die drei Brüder den ersten Schritt vorwärts gethan: Jose ward Don Samuels Secretar, Menahem betrieb mit Don Samuejls Geldc einen lmnter reicheren Gewinn abwerfenden Handel. und Lopez stolzierte in einem durch Don Samuel- Freigebigkeit prächtig ausgeschmückten Anzug, der dem Jüngling vortrefflich stand. folgt.> ’’ > Anfragen und Antworten. 59. Schwarz in Retchenbach. In welcher! Ord» ■ nung werden di-. Trauungen in der Synagoge zu Magdeburg vollzogen und wie kann sie der alleinige Beamte einer Gemeinde, ' dte keine -Orgel hlat, wohl würdig und _ zeitgemäß vollziehen, ohne auderesi Confefftonen nachzu- . . -äffen. V v Antwort. Die Trauung in M, geschieht in höchst feierlicher und würdiger- Weise, ohne daß ein wesentlicher Thell deS altjüdischrn Formulargeopfert worden wäre. Sie geschieht uyt 'wenigen Ausnahmen in dem erleuchteten Tempel; am Fuße der Kanzel, die.feststehend vorher heiyj ligen Lade ist, ist eine Znbüne, aufgerichret. zu der zwei > Stufen hinaufführen, von Pilastern .umgeben, welche von . Dlumenguirländen umwunden werhen, darüber ein schöner Baldachin befestigt als Nvn. von rothem Tuche, mit goldener Inschrift. Beim Erscheinen-de- Brautpaareertönt eine Introduktion der Orgel bisweilen mit einigen Derfen des Chores;! efolgt die. (nicht zu ausgedehnte) Traupredigr von der Kanzel; dann! trftt der Rabbiner von der Kanzel, neben welcher ein keiner Tisch, .miz einer Sammtdecke bekleidezwischen brennenden Kerzen die beiden Wein gefüllten Becher, die Trauagende. dkn Traubri»? und in einer silbernen Schaale den Trauring trägt, her-, unter, und spricht, ppr dem Bräutigam stehend, hie nois TDTPN, stach welchen das Brautpaär aus dem einen Becher ttinkt. der Bräutigam sprich:"die bekannte verpflichtende Formel "Ein# •nn,'' und der Rabbiner liest den Traubrief in deutsches Sprache und angemessener Bearbeitung. Hierauf ttägt der Cha(an die andern Segenssprüche vor und das Brautpaar trinkt auS dem zweiten Becher. Jetzt spricht'der Rabbinernoch einige Worte über den geschloffenen Bund, daS. Brautpaar senkt. daS Haupt und empfängt denpriesterlichen Segen, bei dessen Amen die Orgel zu einem kräftigen Finale einfällt. — Man sieht,, daß.diese Trapordnnng auch nicht vas ge- - ringste Element auS einer anderen Confeffion entlehnt, und kein wesentliches der jüdischen , Trauung beseitigt hat, aber von Allen, die jemals ihr beigewohnt, alS die eindringlichste und .erbaulichste anerkannt ward. Ich habe insbesondere aus dem Munde sehr gebildeter Christen ihre Bewunderung über>die herrlich klingende» hebräischen Segenssprüche .vernommen. Ich sehe auch nicht ab. wie va, wo die Gemeinde nur einen Geistlichen hat, diese Trauordnüng nicht gänz^ebenso erecutirt werden könne, denn in anderen Gemeinden vertraue ich. wenn der Chasan nicht tüchtig ist, dieseod dje .Zweiten Segenssprüche nicht an,! sondern spreche sie selbst, .und zwar in einer einfachen) dem allen Nigüp nahen Eantilenc. Die Einleitung und der Schluß der Orgel sind.zwar gut, aber doch nur Beiwerk und leicht durch einig- Veise de- Chors zu ersetzen. Die Hauptsache bleibt immer.: ob dir Redner versteht^ die schon-an sich, gehobene StMuiung hurch kräftige, aber nur nicht zu weit ausgedrhute-atnd;u'künstliche Worte-zu erfassen und-zu veredeln. ' . > 60. L.inH. Bei Gelegenheit ein^r hiesigen WeihnachtSeinbefcheerung für arme Kitzdex eröffne» ein hiesiger als Sprachforscher berühmtst evangelischer Prediger seine Anrede mit der Erklärung des Wortes! >,hescheeren" und lei- . * tete es in der vollsten UeKe^rugung auS dem Hebräischen her und zwar von “Rp} jzyiTfB» fw$e Botschaft bringen. WaS halten Sie vyn^diefer Etymologie, Herr Redacteur? , ] " Antwort. Der „berühmte,Sprachforscher" hat sich jedenfalls mit dieser Bescheörung e»n Späßchen gemacht. *

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