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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 16 (1855) · p. Seite 62

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
16 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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Ansprachen und Rechten. bier sich auS des Gegenwart die Birgangenl eit und aus beiden die^ Zukunft zusammensetz e. Miaahem s ih sie» in derselben Stadt unu strebte-naL lorgf.ält ger Ker ntniß des Handels und BerwhrS, wußte die Be itzunzen .aller Eigentbümer und der^n -Schätzung auf's genaueste und hatte eine besonders-Liebhaber." dar-, -an, al e Verle, enbeiten zu erkunden, in Welche Geldes halber igenv eit bedeutender Mann gerietb sind-die Mittel, .drrch welä e er ihr entkam. Endsich Lppez.sab stck nicht m nver in der ^tadtum. und Nettete ich' gleichsam an All;. welck e deft edlen Künsten körperl cher Ausbildung o »lagen, >nd Zechten, Reiten, Schwiu men u. dgl. von Grind.aus und jmit allen Praktiken zu erlernen, füllte seine Z it auS. Es j^ing dies natürlich nicht »b. ohne ,daß nid t auch .« nderi weniger edle Künste gitrieben wur den. l.', denen bald überaus Bescheid wuß e. An dem gn«n Platze in der . Mute d, r Stadt lag ein »rät tiges HluS.,mit großer Kunst von Rarmorguadern au der Terra Morena gebaut. Aber noch herrlicher wa: das innere des palastartigen Gibäudes geschmückt die großen und kleinen Räume warm sämmililb mit Ge chmack i nd Reichthum so sehr ge;i rr, wie .die damalig' Zeit es her^usteüen vermochte. Der Besttzer diese- Hau eS war Don Samuel Hanagid, der oberste Rakhgeber urd Sckaz kämtrerer des Königs Jauch«, eben so all Geist, r ne an ( ütepn reich, eben so .freigebig wie klug. Sein W>rt galt Allebeim König, atre er sprach es strengster; nur f r dßs aus. was er als «lüt lich-und gerecht für seinen Oebftter und dessen Unterrhaien erkannte. Im untr en Gesi offe des HauseS befand sirÜ ün linken Flügel ine gro re Säulengetragene Halle snach maurischem Geschmack, in buntesten Farben gemalt, mir. Arabesken und Blur en in Stukkatur. Eine lanae Taielstand hier unutterbroch'n ausgeschlagen-, renn hier'war es, wo Don Sa nuel täc [id> -freie Tafel für alle Glaubensgenossen, welche in üallSkolid den Künsten unn Wissenschaften oblagen, diel. Man kann sich renken, welch'ein Zufluß'.hier immer latt and, und dennoch fanpen sich noch immer sei, Plaj e. ( s wurden' durchaus kräftige Speisen, mit Ent ernung iller bloßen Leckerbissen, in Fülle ausqckragen. hingeger liel le es der freigebige Wtrtb. die Tafel mit Silber und Krvstaü zu schmücken.; m<$: um zu prunken, sondern um seinen Gasten Ehre-zu erweise». Bisweilen, oenn Dl n Zämuel seinen Geschäftes und. Studien es ibgewini en konnte, führte er selbst hen Vorsitz an der Tafel, und >anni konnte nach vollendeten - Tischgebet ein Jede der G ste vor ihn treten, und ibM ein Gesuch vorrragei. -! ' . Sechl Jahr« waren vorüber gegangen,- seitdem die Söhne >eS Rabbi flsteir am Thore von Äalladolid sich getrennt hatten. Am Neumondslage deS Th^mmuS batte sich eben Don S lwuel an der Spitze jener Tafel niedergelassen, welche weithin von Männern deverschiedensten Aeußern und A. terS eingenommen war, aifi dreijunge Minner, welche, nur wenig an Jahren von einander, getrennt, l bschon s hr 'verschieden an Gestalt und Aussehen, dennoch >urch ge oisse" Familienzüge als. Brüder erkennbar waren, ln die e habene Halle eintraten, einer nach dem anderen. Sie bli kten ficb an, erkannten sich, aber begrüßten stch nicht, wie elen Männer, die nur zufällig zusammen-?gen. Sie ließen'stch, nachdem sie vorschriftsmäßig die -s^Hände gewaschen, neben einander an der Tafel nieder, und waren bald eifrig mit den Speisen beschäftigt. welche vor ibnen standen, und mit den Gegenständen, die sie umgaben. Der Eine blickte die langen Reihen der Gäste hinunier, auf die zahlreiche Dienerschaft, welche auswarkete, , ans den aus dem Ebrenstye thronenden Don, zu welchem anch i während der Tafel sehr oft Bolen und Herren kamen, ' welche Nachrichten und Briefschaften brachten nidli» flüsterte er in stch hinein: Solch ein Regent mußt Du werden und noch mehr; ich will es. - Der Andere sab vielmehr aus die herrlichen Silbergeräthe, aus die kostbaren Krvflallvasen, aus alle die prächtigen Gesäße und Gedecke, von denen-die Tafel prangte, -auf die herrlich geschmückte Halle; er gedachte, wie aus diesem aut die anderweitigen Reichthümer deS DonS zu schließen sei; endlich flüsterte er in sich hinein: All dies mußt Du besitzen, und noch mebr; ick imU eS. Der Dritte dieser Männer, der Jüngste, schien viel unbefangener feine Stelle an der Tafel einzunehmen. Man sah ihm an, daß er lange gehungert, unv daß er gern esse, und noch liefler trinke, unk bei diele* schönen Gaben des Herrn alles Andere vergesse. Seine Ausdauer in Vertilgung von Speis und Trank war bewundernswürdig, aber endlich flüsterte er in sich hmein: Das mußt Du täglich baben. und noch mebr;'ich will es. Nach Vollendung des Mables. als sich die meisten Gäste des Don Samuel entfernt hatten, und nur diejenigen zurückblieben. welche eine Bitte dem Gastgeber vorzukraqen, erhüben stch auch die drei Brüder einer nach dem andern. Jose trat zuerst vor Don Samuel. Er war zwar von nicht hoher Gestalt, trug sich aber stolz und aufgerichtet, seine Züge waren m»rkirt, sein Blick stechend und scharf, sein Bart am Kinn z'ugespitzk. Er trug ein Heft in seiner Hand, unv redete Don Samuel, der aus.seinem Stuhle saß. folgendermaßen an: „Ich bin Fin Sohn des Rabbi Merr aus Corvova, unv habe den Wünsch, in Eure Dienste zu treten, da. wie ick gehört, die Stelle eines Secrelärs bei Euch unbesetzt ist. Als Beweis meiner Fädigkeiten überreiche ich Euch hiermit eine Darstellung der Rechte Castiliens auf den Bezirk von Tuvela. Aragogien gegenüber, in bebräischer und kastilischer Sprache." - Ton Samuel firirre den Sprecher überrascht, nabm das Heft, las einige Seilen und erwieverte: „Ihr seid kühn unv befähigt - aber die Treue lese ich nichr in Euren Zügen, und diese ist die Hauptsache - kommt morgen wieder . kann sollt Ihr Bescheid haben." Jose verbeugte stch, nat zurück und verließ die Halle. Ihm folgte Menahem, eine lange, hagere Gestalt, zum Theil schon nach vorn gebeugt, mit' tiefliegenden Augen, spitzer Nase und zusammengekniffenen Lippen. „WaS wollt Ihr?" frug Don Samuel, wie es schien nicht zu angenehm von der Erscheinung vor ihm berührt. — „Ich bin." sprach Jener, „ein Sohn des Rabbi Meir au- Cordova, kundig und beflissen des Handel-. aber ohne Mittel kann ich nicht vorwärts kommen. Ich weiß jetzt eine Gelegenheit, ein sehr vortheilhaste- Geschäft mit getrockneten Dattelfeigen zu machen, ich bitte Euch um zehn Goldgulden, welche ich in einem Monat zurückerstatten will." — Don Samuel antwortete: „Wenn Ihr der Geschäfte so kundig und beflissen, so wisset Ihr selbst, daß. wenn

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