Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 16 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches VolkSblatt. Zur -llelkürung und Unterhaftung au! jüdischem Gebiet?. Rabbiner Herausgegeben von vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg? -m t'on twftr 3< Ifftnfi crifr'iBt »cihtnilt* «Hr «niinfr. Satt-. .'Jtf . A lRo. 16. 185a.] *■* ' «fi tssSSS^U^JS. SäK»£ 1L. Ashrg. S. CBörlaL] Erziehe Deine Kinder jüdjsch! IX. Tas bauplsächlichste Mitte! einer jüdischen Erziehung im Hauie-ist: erziehe Deine Kindermit deoi Bewußtsein. daß sie Juden sind, aber mir einem erhebenden, geläutertem Bewußtsein. Wenn unsere Vätervon aller Weh ausgeschlossen, '.'erfolgt, mißhandelt und verhöhnt wurdest, so fanden sie. in ihrem Hause, im Schooße ihrer Familien und Gemeinden einen rercken Ersatz, wo Liebe,! Achtung, Ebre,;a Ruhm ibrer harrte, ihren Tbatcn nach ^Verdienst wurde; i'o fanden sie Erhebung int Bewußtseinl eines Glaubens, der die Quelle aller religiösen Erkenntnis und nach ihrer Ueberzeugung erhaben übet alle andern religiösen Erscheinungen, daS lautere Wort GotteS sei; Erhebung in dem Bewußtsein unerschütterlicher Treue und Festigkeit in die: sem Glauben. An diesem Felftnschutz ihres «Hauses tobten vergebens die Stürme von außen , uu^ je heftiger diese anschwollen, desto msbr wuchs die Widerstandskraft auS dem Bewußtsein dessen, waS sie in drem Haufe und ibrem Glaubeti besaßen. J Wenn nun auch in unsren Zeiten, zwar milder, und weniger vollständig, doch immer noch sehr fühlbar AuSschließung und Verholmung den Juden rftffk, wenn unsrer Jugenk aus allen Wegeni Zurückstoßunä alS Juden und Spott auf ibr Juvenrbüm begegnet - und diese Jugend •febit nun im Hause ihrer Eltern ein: was »isst sie da? . . . entweder suchen die Ettern ihren Kindern so lange wie möglich zu verberge», daß sie Juden sind, und wenn fie daS Gcständniß endlich nicht mehr pbweiftn können, stellen sie eS als ein unadwenvbarcS Be^hängniß dar — ober die Jugend bört im Haufe der Elftrn selbst nur die Juden verachtet: und schmähen, die Cerbmonien des JudemhmnS verlachen, über Geschichte und Lebre desselben aber sind ja die Eltern selbst meist unwissend, so ist auch der Zauberbann des HauseS für die Juden gebrochen ... > . Und warum habet ihr mm diese» großen Schatz Eurer Väter, in vi, Winde zerstreuen lassen? 'Vichts ist wohl gewisser jetzt, als daß die höchste menschliche Bildung mit der tiefsten religiösen Ueberzeugung deS Judentbums durchaus vereinbar, daß wahrhafte Begeisterung für daS Menschenthum, lebhafteste Hingebung an' daS Leben und die Zwecke der Menschheit "mit dem innerlichsten Bewußtsein, Jude zu sein sind der religiösen und socialen Lehre Mosches als «ohlbewnKter Träger zu dienen, durchaus zu verbinden ist. — Das hindert Euch ’ , . also ein solches Bew.ußtfem Euch zu verschaffen,/jtnt in ibm Eure Kinder zu erziehen? Hüter Euch wohl, Ihr jüdischen Eltern-Ihr könnet Euren Kindern keine unseliger« Gabe in daS Leben mitgeben als Verachtung ihres StammeS und Glaubens :— Ihr vermögt ihnen kein herrlichere- Gm zu verleiben alS die Verehrung ihrer Religion, welch« der lautere Born aller, religiösest Lehre ist^ und als der Stolz auf ihren Stamm, dessen Namen durch vier Jahrtausende hin: durch der Menschheit ins innerste Mark gewachsen! Nennet also vox Euren Kindern den Namen Juden nie anderals achtungsvoll, daS Wort- Kubenthum nie anders alS ShrsstrchtSvoll. Flößet Euren Kmdern Verehrung für den Beruf unsrer Httaubensgemeinde ein, setzet ihnen frühzeitig alle Vorzüge unsrer Religion, alle erhabene Würde unsrer Geschichte, alle Lugenden unsrer Ahnen auseinander, . lasser Euer Haus durchwehet sein ron rem Gciste des Bewußtseins: daß. wie es sich auch außen verhalte,- wir freudig Theil.nehmen müssen jm dtr Herrlichkeit, welche, in unsrem Glaubest und Unsrer Geschichte entboten ist. ~ ~ •£!.. -i ' ' Die drei Leidenschaften. llrzäblunvon övd'wig Echragge. ' ' . rLortitvBns.» _• ' . . _ ' II. D er e r.ste Schiit t. Jose, Menahem und Lopiz, die drei Söhne Rabbi MetrS. hatten die Reise nach Valladolid gemeinschaftlich zurückgelegt. Als., sie daS Thor diestr Residenzstadt der kasiilischen Könige erreicht hatten, lagen drei Straßm vor ihnen', welche nach verschiedenen SkadttheUen sühnen. Ein jeder von ihnen' schlug ehe andere ein. Sie grössten sich nicht, sie blickten -sich nick« an. sie zogen eiligss ihre- Wege-, wie drei Helfend«, die sich zufällig getroffen. Einige Jahre verflossen.^ die Jünglinge reiften unter großen Mühen und Röthen frühzeitig zn Männern. Mit den Gorgen um-die täglichen Bckürfntffe ringend, strebten sie, '.ein Jeder in seiner Weife, sich Kenntnisse zu er»' werben, die ihrer, innen»" Natur entspräche«. Jose sah sich in der Stadt um, dir ihnHehfKerate, kümmerte sich u» alle Verhältnisse der Großen, de» Königs, des Stanlr«. forscht« in der Geschichte des lrtzchr». in seinen Verträge».