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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 15 (1855) · p. Seite 59

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
15 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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5» Hände seiner Kinder ließ, da sahen fich nur kalte Blicke an und die Hände fielen auseinander im selben Augenblick. Einige Jahre waren verflossene Sie hatten von Zeit zu Zeit Nachricht gegeben, jevochnur oberflächlich von ihren wechselnden Schicksalen, ^iabbi Me»r sah sie nicht wieder. (&i welkte Än. Noch einige Zeit und er lag einsam im Sterben. Wir sehen ihn hier den letzten Kampf kämpfen, bewacht nur von einem geistesschwachen Greise. Noch einnral,öffnete sich sein großeglühende- Auge; er wandte mühsam seinen Kopf nach dem Fenster, sein Auge fchaure in die flammende Abendsonne, ihr letzter Strahl schimmerte rosenroth auf seiner hohen, bleichen Stirn, ein schwerer Seufzer stieg auS seiner Brust — sein Geist hatte seinen Leih verlassen. , Rabbi Merr auS Eordova hatte Allein seinem Leben gehabt, aber Nicht- — Reichthum, der ihm genommen, Unterricht, der ihm verstümmelt, Geisteskraft,'die ibm gebrochen, ein Amt, daihm verkürzt, ein Weib, daihm geraubt, Kinder, ^>ie ihm entzogen worden. Es ist dienicht genug, un» zu leben, aber genug, .um zu sterben. t-»n,«tzuna folgt.) . Ein karaitischer Gelehrter. Der Moniteur vom 25. September hat «inm Reisebericht veröffentlicht, von welchem folgenden Auszugmjt» zutheilen. unsre Leser un- Dank wissen werden: Bevor wir Bagtihö-Serai sin der Krim) verließen (welchen Ort Fürst Mentschikoff einige Zeit besetzt gehalten), besuchten wir in Gesellschaft unsre- Philosophen da- Thal von Josaphat und'die berühmte Stadt Tschoufout- Kal« (Judenstadt)*), welche seit mehreren Jahrhunderten im ausschließlichen Besitze jener Juden ist, die unter dem Namen Karairen bekannt sind"). Nachdem wir Morgenum sechs Uhr unsre kleinen tatarischen Pferde bestiegen hatten, begannen wir den steilen Pfad zu erklimmen, welcher sich durch ein weite- Tödtenseld dahinschlängelt, von dem der ganze Bergrücken bedeckt ist. Der melancholische Anblick der mit hebräischen Inschriften bedeckten Gräber vereinigt sich mit der traurigen und wüsten Natur dieses OrteS. Don der ganzen Bevölkerung, ') Tfchoufout-Kale, früher unter dem Na»ca Kickor bekauat. war «ährend langer Jahre'die Rrfidenz der^ihan». Erst im Jahre U45 verließ e» Menzls-Grerai, um seinen Aufenthalt in eine» Schlosse in nehme», welche» bgld der Mittelpunkt der Stadt Bagtihs. Gerat. wurde. (Anmerkung de» Moniteur».) ”) Rach der Meinung verschiedner Gelehrten trennte» sich die Karatten, welche uoch heute uur dem mosaischen Gesetze tr»> find (nicht dem Talmud), von der großen jüdischen Familie, mehrere Jahrhunderte vor der gewöhulichru Zeitrechnung. Ander» Nachforschungen zufolge, wäre ihr« Trennung eine viel spätere und schriebe sich erst vom Jahre *50 nach der gewöhnliche» Zeitrechnung her. Wie dem auch fei, die Karaiten unterscheide» stch wesentlich von den übrigen Inden. Die Einfachheit ihrer Stt- . len. ihre Rechtschaffenheit uno Arbeitsliebe, machen fle zu «ine«! der interessantesten Stämme, und der erstannte Reisende findet bet ihnen all« jene ursprüngliche» Tugenden, welch« »och einige orientalische Raja» ao»zetchueu. (Anmerkung de» Nonttenr»,) welche während so vieler Jahrhunderte stch auf diesem Felsen erneuerte, sind nur dtz Gräber und einige Dutzende Familifn übrig geblieben, welche im religiösen Geiste dabei beharren, in Mitten dieser Ruinen zu leben! Zur Zeit der.Herrschaft der KhanS waren die Karaiten von Tschoufout?)kalN. streng darauf verwiesen, ihren Felsen -$u bewohnen,< und durften nur am Tage in der tatarischen Hauptstadt erscheinen, um dort ihre Handelsgeschäfte zü. besorgen. Jeden Abend erLornmen sie mühsam ihren Berg und ckehrlest' Heinz, ym im Schooß« ihrer Familien den. dearuthlgenden DüSporiSmuS zu vergessen, welcher sie bedrückte.^. Weser' Deö!pottS«uS ging so weit, daß ein Karaite, 'welcher zu Pferde vor daS Schloß kam. absteigen und sein«»MGeg zu^Fuße forjfetzen mußte,' bis er dem Serail auS dem ^Gesichte - war^ Seit der Eroberung der Russen ist den Karaiten der Aufenthalt in Dagtibe-Serai nicht üiehr.ufittrfagt; auch verließen sie nach und nach ihren Berg^ mir Ausnahme einiger Familien, welche, wie schon gesagt, eS als eine heilige Pflicht betrachte«, an Leut Orte zu lfben^wo ihre Vorfahren gelebt haben. Wenn man die beinahe »«erreichbare Lage der Stadt betrachtet, ihren Wassermangel.' .die Unfruchtbarkeit ihre- Bodens, die Absonderung IHM Bewohner, so muß man stch tief betroffen fühlen v^n verhiebe zur Fieih<it. welche die Karaiten ehemals einen solchen Ott wählen ließ, und von der AuSrauer jener'Familien, welche noch daselbst leben. Tschousout-KalH ist^ganz auf dem nackten Kelsen erbaut. Der Berg ist selbst»!) der Stelle, wo er ersteigbar ist, so .steil,, baß man Lehrer« hundert Fuß hoch Stufen auShauen müßte. Wenn--.mar) höher hinansteigt, so thürmen fich über unsrem ^äuptr große KeiS^Oen. gleich Festungen, odkr riesenhasten Mauern, welchettrtr einer schrecklichen Zerstörung zu drohen scheinen. Unter solchem Eindrücke betritt man -die verfallene Stadt, . die mit ihren Ruinen voller Schutthaufen, ihrer Grabesstille, ihrem trostlosen Atihlick, vollendS'^rn Geist mit Schrecken. füstl. Kein Betyohner zeigt M in den Thüren, Niemand erscheint, um den Fremden zu, begrüßen und ihm seinen Weg zu bezeichnen. Diej einzigen lebenden Wesen, welche sich auf unsermWege zeiäten, jvaren ausgehungerte Hunde, deren widrige- Geheul mnß vor Schrecken erbeben ließ. ' , Außer dem Interesse, welchewir beim Anblick dieser Äkropolide- Mittelalters empfinden mußten, batte unS noch -«in hei weitem wichtigerer-Grund vie.-Stadt Tfchoufikut-Kals aussuchen lassen, indem wir einen Dichter sehen wollten, welcher seit seiner Jugend diesen traurigen Felsen bewohnte^ , . Herr Taithout hat^r durch { sein» Mittheilungen übet den alten Rabbiner unsre Rrüjgierd^ ans daS Lebhafteste erregt, und der>'Major Banderfihkrug bestätigte Alle-, waS der holländische Eonsul ufiS vfitgetheilt hatte: Bei unsrer Ankunft begaben wir u»S sogleich nach dem Haufe deS Rabbinen, welche--gleich drm Horste deS Adler-, auf der Spitze eines Felsenerbaut ist. . In ein Zimmer geführt, welchemit Büchern und geographischen Karten aagefüllt'war, sahm wir einen Bei? nm Greis mit langem weißen Parte vor un-, welcher unS mit jenem Ernste voller Wohlwollen und Würde empfing, der den Orientalen eigen tft^ Seine Züge trugen den

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