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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 9 (1854) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
9 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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I 35 T plötzlich durch da- Schallloch am Fuße de- ThurmeS die einzige Tochter de- Sultans, die Prinzessin Aida, 'angekündigt ward. Weder hatte Saccai Zeit, noch vielleicht Lust — denn der Ruf von der Schönheit der Prinzessin füllt die ganze Welt — zu entwischen, ich Mußte ihn in einem Nebengemach verbergen. Aber diese- Nebengemach harte eine Verbindung mit meinem Zimmer,, so daß man von jenem letzteresehr wohl übersehen kann. Almin die Prinzessin Aida sich bei mir niederließ, und, wie fie eoft genug gethan, im Laufe de- Gespräch-, .sich entschleierie, und fianz sorglos mich um ihre klejinen Angele» genheiten beftug —j da sah Saccai dai schönste der Mädchen, und — sein Herz entbrannte voll Liebe fürste. Alsie noch langer Zeit sich entfernte, und ich in'- Nebengemach eilte, war mein Zögling nicht mehr darin. Ach, er hatte dem Zuge seine- Herzennicht! widerstehen können, war in den Park geeilt, um hier bei« Glanze deö Vollmonddie Prinzessin noch einmal im Vorübergehen zu erblicken. Hier, sah sie auch ihn. seine Schönheit überwand ihr Herz; unglücklicher Weife bewährte sich auch hier mein astrologische- Glück, und eerschienen dem Mädchen Zeichen erfüllt, welche ich ihr eilst - über den Helden ihrer Zukunft angegeben — anstatt seine Gegenwart ihrem Gefolge zu verrathen, wiesie dasselbe fort, blieb längere Zeit in der Nähe Sacca'S und ließ für ihn eine Rose fallen, die an ihrem Busen geruht .... Saccai war seitdem wahnsinnig vor Liebe, und da sowohl er alS sie jetzt sehr häufig zu tnir kamen, konnte eS nicht fehlen, daß sie sich einst abermals trafen, Saecai stürzt zu ihren Füßen, bekennt ihr. feine Liebe, die ich! nur zn sehr erwicden ward ... fie schwuren sich ewige Treue — «S waren überglückliche Stunden fut Bejde, die meinem Herzen so theuer —aber wie sollte eS enden? . . . . Und eS endete schrecklich. Soviel ich warnte und mahnte, eS half mir nicht-. Wenn ich auch kein Licht an daS Fenster fetzte, Saccai kam doch, und verursachte nur dadurch die schrecklichsten Verlegenheiten. Der Aga ,der Eunuchen witterte endlich Unrath — und Saccai wurde einst im Parke gefangen genommen, algerade die Prinzessin dem Tburme zuschritt. Der Sultan reimte Beide-, wie natürlich, zusammen, und wüthete. (Er ließ den Prinzen in ein tiefe- Gefängniß werfen, und! befahl schon seinen Tod. Glücklicher Weise ahnte er tn r^ir nicht den widerwilligen Schlüssel zum*-ganzen Geheimnrß, und Alva hatte Geistesgegenwart genug, auder Ohnmacht, in die sie gefallen, zum Tode krank zu werden, und den Vater der sie über Alleliebt, als Preis ihrer Genesung zu bitten, nicht zu rasch zu verfahren, und erst I mich zu befragen. Allein ich mußte vorauSfetzen, daß | der Sultan nicht vergessen habe, wie da- Leben SaccaiV schon einmal alhöchste Kunst von mir gefordert worden, und ich konnte daher, wollte ich mich nicht dem größten Verdachte ausfetzen und damit meinen Bemühungen Me Wirkung rauben, nur sehr vorsichtig Vorgehen. Alder Sultan mich rufen ließ, um Rath und stunde von mir zu erfragen, stellte ich mich sehr unbefangen, ging durchaus in feine Beurtheilung-weife ein, und suchte nichtal- Auf» schub zu erlangen, indem ich nach Befragen der Sterne, erklärte: mir selbst sei unglücklicher Weise in dieser Sache Alledunkel und verborgen, aber binnen vier Wochen würde ein Weiser, ein Pilger von fernen Landen ko«- " ir men, der dem Sultan übtztz-Allei^^lufschluß geben würde — idj_ hatte damäl, schon von #ir au- Bagdad und Bassora gehört, und r mrft Du nicht gekommen, ^hätte man einen Pilger schon irr endwie berbeigeschaffr. Füt den Sultan mußte e« schon eine außerordentliche ÄfrieVigung sein, daß. nachdem ich vor ner Wochen Deine Änkuvst verkündet. vor acht Tagen genau Deinen Namen, Deine Tracht und Gestalt angegeben vorgestern Dein nabe- Eintreffen durch die Wüste bestio^t hatte. Allebi» aufs- Kleinste eingettoffen ist . . .^Ii.lhi, hi . . . kicherte Pberest hierbei in sich hinein. - | „Aber wa- Härte ch dmg.uun zu'ihu'n, Pherec?'^ frug Benjamin, dem feist« Aufgabe weder klar noch zu" gefallen schien. „Ja, dakann ich Dir auch nicht sagen," lautete die Antwort. „Begreife-1 « die Situation — der Priaz gefangen im tiefsten'Kttker—«die Prinzessin verschmachtend vor Kummer und Bcsirgniß — dce Sultan w^thtnd aus Saccai. ärgerlich ubxx Akda, Verdacht hegend a*f raic& — und allem Diesem sollstDu abhelfen, den Ur^nkvb David'- an's Licht schaffe,,^ die Prinzessin ihm und dem Judenthume zuführen, den Sultan befriedigen,^uzd mich aoS der Klemme retten . < T'* „Nun wahrhaftig! daS ist gar viel auf einmal . . . und wodurch soll ich d eSvollbringen, denkst Du?^ .'.Dadurch daß der Sultan Dich für den Äeifesten, der Zukunft Meister glrtchSalomo hält, verfüqdet seit langer Zeit durch mit), dessen Dorav-sagunge, so glän« zend in Erfüllung gecangen ... Doch zur Sache. Vorerst führe ich Dich zu» Prinzen.-—" * „Zum Prinzen?!!ch,chenkh er ist im Kerker?!.. „Kind, bjn ich de in nicht Astrologe? muß ich lalS solcher nicht alle Schluß wkfiü^ Gänge und Löcher l^,S Serailkennen,'wie Aei,er sonst? Kurz, ich füh^e-Dich zu ihm, damit Du auf- 8esiaueste rhn kennest, und dem Sultan diezu beweisen.,;ehmagüz^»bßchon tx vorau-smt, daß Du ihn nie gesehen .«oi^d-ftüh. wirst Du vor den Herrscher gefiihrt . . nun' sieh, Eine- Ebertriffl auch bei ihm noch die Li/bz zu seiner Tochter: die Liebe >zu sich selbst, für Einegilbt > er selbst seinx Tochter hm: sich selbst zu retten. Wol lan, in diesem Sinne mußt Du ihm Furcht macken und Besprechen geben. Wie? dtr- «uff Dir der Geist eingebe i in der großen Stunde. Hetzt zu unferm gefangenen Ptlnzen, denn die Zeit vergeht, und bald wird der Morge, anbrechen." - Pherec führte nui Benjamin denselben Weg. zum Zimmer desselben gegangen. / Baldigelangton de» er sie an die Kerkerpforte; diesmal , öffnete Pherec die Pfoirte mit einem Schlüssel, und jle traten m den Kerker eist, wo sie den Prinzen in gefffli; qügekevet an die Mauer", hinge« streckt auf einem mod rnden Stroh bürwrl fanden. Seine Wangm waren erbleitit von der mondesttngen Halt, fein Au-sehen verwildert. Benjamin warf sich voll < Schmerz auf de» Boden nieder und küßte de- Prinzen Hä,de, sie mit Thränen netzend. „Das ist Israel," murmelte er vevzweifiusttz-»oll tn sich hinein, „am Ziel, ftmtt'Wanderung ein Kerk«r, Fesseln. Elend . . . feil e Hoheit Schmach,^ sei« Hvff«»»s mit dem Tod« bedroh , gKtklim« Wf»)

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