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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 8 (1854) · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
8 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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31 meublirt, und mußte durch feinen Inhalt dem orientalischen Besucher völlig fremdartig erscheinen/ Tische und Stühle standen, da, wie ste bei den Abendländern im, Gebrauche waren; auf den Tischen lagen Man-scripte,. Globen, Himmelskarten, ringsumsta-den wunderliche Instrumente aller Art, auSgestopfti Schlangen uUb Krokodile, in Spiritus Mißgeburten aller Art. Das Zimmer war gewölbt, und die Kuppel zeigte den nächtlichen Himmel, gestirnt, die Planeten in ihrem Gange, dm!Mond, Allemit vieler Naturtreue. Zn jeder der acht Äande befand sich ein hohe- Fenster. daS bis zum Boden de- Zimmerreichte, und durch welches man auf einen B^lcon hinaustreten konnte; von einem derselben führte eine Treppe nach der Höhe der Kuppel hinauf, von welcher, geschützt durch em eiserne- Geländer, die freie Aussicht über Len ganzen Halbkreis deS Himmels und eine weite, reiche Randschaft bis in die Wüste hinaus reichte. * Der Astrolog hatte bei den ersten Lauten, welche der Aga hervorbrachte, stch freudig von seinem Sitze vor einer wunderlich bemalten Pcrgamentrolle, die auf. dem Tische lag. erhoben; hatte sich schnell zu dem Saume der Schallwindungen begeben, und. aldie Worte de-. Aga beendet warm, durch ein Sprachrohr feine Antwort hinuntergedonnert. ES war eine hohe Gestalt dieser Astrologe, aber mager, dünn zum EinfLddln, seist Pergament» sarbne- Angesicht voll Furchen, seine fpljf Stirn voll Runzeln, in den Augen glühte eS wie heimliche- Feuer; dabei zierte ihn kein Bart, und dahaarlost Haupt stand wie zurückgeknickt in den dürren, langen Nacken. Und dabei dennoch, wenn Du Dich tiefer ht«tnboih«est in diese- Antlitz und in diese Augen, konntest Dü nur Güte, allein HerzenSgüte bemerken, die stch nur in etwa- Schlauheit gehüllt, und der List nicht entbehren konnte, um nur eristiren zu können. Aler ben Aga entfernt glaubte, ging er zu einer Nische, holte eine rabenschwarze Koputze herau-, hüllte sich von Kopf biauf dis Füße darein, daß nur Augen und Mund frei blieben^ pnd mit einer angezündetea Blendlaterne versehen, stieg er. nachdem er einm großen Schieber an einer der acht Wände de- Zimmerentfemt hatte, eine dadurch eröffnet« Treppe hinunter; dock befestigte er zuvor dm Schieber sorgfältig. Er mußte lange Zeit hinuntergestiegen sein, dmn wiederholt hielt er an, um Athem zu schöpfen und sich au-zuruhen; er mußte bereittief in da- Innere de- Hügelangekommen fein, auf welchem der Thurm stand; aler mdlich in einen niedrigen, gewölbtm Gang eintrat, der nur dann und wann einige Stufen niederführte, welchen er aber nur gebückt durchschreiten konnte. Eine Zertlang hörte man neben dem, Gange da-Wasser de- Flusse-rau. schen; dann bog der Astrolog links in ein Seitengvwölbe, und dann noch in ein andreab, bier mdlich, nach kurzem Raume, an einer eisernen Pforte stand. Hier klopfte er dreimal an. Plötzlich ertönte eine sanfte, wohlklingende Stimme: „Wertst da7" Nochmalklopfte der Astrolog dreimal. Die Äimme rief abermal-: „Bist ss>u eS?" Der Astrolog klopfte dadritte Dreimal. .Letzt ftrrach der Gefangene: „Ja, Du bist eS, Pherec!" — „Ich bin eS. theurer Fürst!" antwortete dieser mit hohler Stimme. — „Wabringst Du?" — „Die frohe Kunde, daß der Pilger eingrfaMen und in da- Serail de- Sultangebracht worden.f — „Nun, glaubst Du yrirklich, Pheree, daß ich dadurch erlöst werde?" — „So gewi^, Saccai, Dein Ahnherr der königliche.Sänger auf Zijon war, so gewiß dereinst einer Deiner Enkel feinen Stuhl auf Zi» jon aufrichren wird: jo gewiß wirst Du befreit werden!" — „Gut. gut, Pherec, ich will vertrauen, den» Du warst mein Lehrer und väterlicher Führer, bkdieser Schurke von Sultan Dich zwäng, sein Astrolog zu wefden, und auch da hast^Du mir nur. Gutegethan, und schütztest mich vor allen Feinden — ich habe geduldig geharrt trotz unsäglichen Weh- und vieler. Leiden io diesem finstern, scheußlichen Kerker, well Du.sagtest, dif Stunde der Erlösung wird kommen — wohlan! Du sagst jetzig sie ist gekommen! o halte Wort,' halte Wort, Pherec!'! -r ,Lch werbe Wort haltest, und sollte ich zugrunde gchea!" sprach dumpf der Astrolog. „O danst noch I Eine-, Freund meine- Herzen-," sprach die Stimme, ^.sage mir,, wenn Du eweißt, wamacht. Älda?" . > . DerAstrolog schüttelte wie unwilllg da- Haupt, daun Ibemeisterte er sich, und sagt«'. „Auch sie harret! . . I Dolh m muß fort, eist viel zu thun,. lebe wohl!" Ustd s^neü schritt er zurück, während der Gefangene ihm nachrlefr „leb' wohl, leb' wohl, Gott, gebe.'aus kurze ZelN" Der Askolog eilte die iSeitengänge zurück, die er siei kommen, dier wieder, in da- Häuptgewölkh gelangte. Hier schritt «r rasch mach ctftr lange A?it vorsväit-, bier zu dem Fuße tinde Treppe kam. Diese ging er hinauf, wandte stch dann durch einige.schmale Spalten, hier vor'einer hohen Wand .stand, die quervqp lief »nd ben Weg versperrte. Hier suchte der Astrolog eine perhorgene Klinke, fand und, drückte-sie, ein . großer Stein drehte sich durch einen geheimen Mcchani-mu-, und Phere^ fckaute in da- Zimmer, in welchem Benjamin ben Jonah üi'.Todela sanft schlummerte. ' Jetzt wußten Alle, die eintereffrrte, daß dieses Wan« .derer im Serail sei, dn Sultan, seine Tochter, de: Astrolog. der Gefangene; Pherec aber, nachdemj er den Schlafenden ein wenig betrachtete,' faßte,seine Hand uni schüttelte ste, bl- Benjamin, wenn auch schwer, «ine D-oegung deö Erwachenmachte. ■ ' | (jMUfiwia folgt.) Notizen des TageS. In den nächstenversammeltest preußischen Kämmern soll darauf angelragen werden, auberiDerfaffung da- Anrecht der Juden auf die" „stäat »tilrgerltchen" Rechte zu streichen, tmfc ihnen nurmoch di« „bürgerlichen" zu lassen. ‘ * v*. DaS bayer-'sche Ministerium.hat ben Entwurf zu einem neuen Wahlgesetz für die zweite Kamawr eistgeibracht, in welchem Art. 3. den Juden daactivp ustd passive Wahlrecht nimmt. . . .j- , DaS mecklenburg-schwerin'sche Mimst, rium hat eine Verordnung erlassen, daß kein jüdische- Bojar getraut werden darf, - wenn die Braut nicht zuvor eine Bescheinigung vorlegr, daß ste in der Mikweh gewesen. Im Kanton Aargau haben diesmal die Jvdm zum ersten Male zu den RaKonalrathSwahlen mitgewählt. . V

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