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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 6 (1854) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
6 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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-I 23 Vergnügen macht und ick» noch nicht kennie?" Die Vir» , tuonn: „Meiner Treu, lieber Herr! eii wenig überall. ■ Wenn ich durch die Straße gehe, bvre ich Herren und! Damen singen, ich wiederhole Melodie »nd Worte. Und! setze mir bann die Weifen zusammen, so qjtt ich eben kann.'' Zn demselben Augenblicke trat ein besligejS Zabneklappern; ein, die Aalte verzog den sanften Ausdruck ihrer Gesichts- > züge, ohne sie gerade häßlich zu machen, der. Musiker! war von Mitleid gerübrt und faßte den iVorsatz. der Ar-; men sich annebmend, ihre musikalische Äildung zu tot; der« und zu leiten. ..Du frierst wobl sehr, redete er sie , mit einer Stimme an. die tröstet und ztzglejch,Vertrauenst einflößt. ,.O, ja. Herr!" antwortete das arme Kind er- - röthend. mW den Ton schwächend, fügte sie verstohlen mit dem Stolze einer Seele, die sich eines bessern Looses würdig fühlt, hinzu: „unb noch meh r bnstgre ich." Diese Worte erschütterten daö gefühlvolle Herz vcs Musikers, er .naha^sich des jungen Mädchens an, gab hr etwas zu es-; sen und etwas zum Ankleiden und begann alsdann die Gesangstundcn mit der väterlichsten Sorc fall. Dieser brave Mann starb und da-!junge Mädchen, genannt Rachel Felir. fühlte den Besuf zum Tbeater und trat, wenn auch nach vielen Arbeitest unv Schwierig- . keilen, mit Erfolg im Theätrc-Franpais lauf. Bald wurden ihre Leistungen so. ausgezeichnet, dah daS Volk sich drängte.und drückte, .um sie zu hören; «die vornehmsten Salons sichten um die Ehre «ihres Besuchs, die größten > Personen waren glücklich, sich ibr nähern! zu dürfen. Aber inmitten dieses Glückes..der Verehrung unv der Reichthümer Halle die junge Schauspielerin niemals ihres nie- : drigen Ursprungs vergessen, sie unterließ nicht, mit ihren armen Familiengliedern sich zu umgeben, und sprach bäusig von ihrer Abstammung: I * , An einem Winter, als" die Kälte und die Notb die > Lage der Pariser Armen nur noch nnemräglicber machte! und der Maire eines Stadtviertels den Horsay hatte, einen WobllhätigkeitS-Verein für die Ar>nen zu gründen, schrieb dieser, unr einer, erklecklichen Summe >gewiß zu sein, an Fräulein Rachel, ihre Mitwirkung zist diesem guten Werke erbittend, und die berühmte Sciauspielerin, sich erinnernd der Kalte» die sie einst selbst gc litten hatte, und wie sie den Traufkübel den Vorübcrgebe rvcn Halle Vorhalten müssen, schrieb dein Maire zuri ck: ..JA spiele. waS Sie wollen, da es die Sache der Urmen gilt. Ach. Herr! es ist ja noch gar nicht "lang, daß ich selbst arm war." S dem jüdischen 27. D i e beiden O p.s e r. Der König Agrivpa ließ ei^S/Tag Hohenpriester sagen, daß er 10 Hekatom >en auf dem Al tar Gottes opfern werde, nur forderte e^. an diesem Tage; kein anyercS Opfer in dem Tempel oes gen. In demselben Augenblicke kam ein Herrn darzubrin-! einfacher Landmann, überreichte dein Priester 2 Turteltauben und bat ihn. sie bald Gon als ein Brandopfer f tr ihn darzubrin« gen. AIS der Hohepriester, auf den B fehl veS Königs sich stützend, die Annahme verweigern wollte, erinnerte ihn der Landmann, wie er doch fest einer Neide von Jahren dasselbe Opfer an demselben Tag gebra hk. und bar so inständig um Gewährung seiner Bitte, daß endlich der Jünger Aharon's nicht länger widerstand. Als der KL. nig gewahrte, daß. man sseinem Verbote keine Rechnung trug, gerietb er in heftigen Zorn. aber der Hohepriester antwortete mit Auhe:^ „Der königliche Prophet ha/ gesagt (Ps. 22. 15^) ^Verweigere nicht daS Geber des Armen und verachte nicht sein bescheidenes Opfer. Dieser Befehl schien mir^>echier7.älS der Drinige, und so mußte ich die därgebrachtrnTurteltauben des bescheidenen und frommen LandmanneS Deinen stolzen Hckarojnb^i vorziehen. die Du dem Altatz GoueS gelobtest. . Der! Allmächtige siebt nicht auf bsts Klöße und' den Wertb d»S Opfers. ' er begnügt sich mir. den.Gaben. die nach Maßgabe der Mittel des Gebers gereicht -werden." K-~r-- | z v; Anekdoten. ' .. - -- 1-;'... .S Der vor Kurzem iw Berlin verstorbenq PächhGtdler Simion war bekanntlich niedrere Jahre hindürcst iBorMher der dortigen Refonftgemeinde^ und zugleich ^Michlieo de- 'VorstanveS der alten Gemeinde. Zn letztertö-Üigemchaft besuchte er einmal am Feste die alte Synagoge und erhielt bei dem UinpzAe lyir dem77-^.-> strs gleichfalls eine Thorahrolle. die'zufällig sich durch i^re Größe auSzeichnete. "Gist . hinter ibm hergebender A ykireformer wollte bemerkt Häven» daß ihm dgS Tragen di selben etwas sauer werde,- und flüsterte ibyt darum st cpelnd die doppelsinnigen Worte zu: ,,Rlcht wahr. Herr Simion, die Thauro ist schwer zu,haltend" — „Sie irrey!sich, mein Freund," entgegnrrr,der-'Andere, „wenn!«»» sie nur recht aufzusasse^derstehr^ ist siq^ durchaus sticht." 2. j : i Bei einer VorstaodSwabl in^Be^in siel el 'allgemein auf, daß ein gewisser Herr U. Besitzer eine! . rvßett Geschäfts mit alten Klüvern, dxr sonst"ein sehr! frommer Mann war. seine Stimme zu Gunsten einieer llianbidateu auder Resormgemeindeabgab. Als h.ci'. sin einer Gesellschaft.'gesprochen wurde, bemerkte der stde anwesende Witzling -Schic Bocher» „waS Wmd er >väß Herr" U. mir den Reformern so fretpidlich thut, w,ih er doch, baß diese Leutchen viel g/tk Sachen ablcg tt." ß _ Unter den vielen Legaten, welche in der,^»lt«er Ge^ meinbe bestehen, ist auch eines. vaS die Besinnung enthält. daß auch jährlich ajn Srerbetgge de» Le;a fljiflrr# drei , verheirathete Wänner nuf ^em Kirchbrf« ei» Perek Mischnah zu lernen hätten. ".Mw/ür jeder 5: äbsr. erhä Schic Bocher bewirbt sich beim. Kurator um kie'ei Function und erhält sie auch, nachdem er Hie Frage, ol str verheirathet sei, bejaht. Derselbe,' Cmator hat! a>ft zugleich über riu anderes Legat zu 'perfügen, das! j iorlich eine gewisse Sumine zur Unterstützung unbemistel ep Männer auSsetzl. die sich-oerheiralhechnvotte«. Schie. »er in rer That ^erst jetzt in die - Ehe Pä treten im peü,ijfe stand, wendet' sich nun wieder an diesen Kurator und beanHwüchr eine Unterstützung. ^..Wie?" s?agt. dieser enti üstet, „Huben Sie mir nicht r?st vor 4- Wochen erklärt ■ daß Sie vcrheirathet wLren?" — , ..Sie irren sich. mrfrt Herr»" «ntgegnete dieser, „Gie^habrn-^nnch bloS gefrpKt, - ob ich -V-

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