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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 50 (1854) · p. Seite 199

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
50 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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9 199 und bin um Vollmond die Nacht hierhergekjommen, ach, wo ist mein Juwelenkästchen.sagt'S mir. Ihr habt's doch gewiß schon hinter dem Vorhang erfahren. .. So sprach noch lange der ..stille Bendit" vor sich hin und in die Gräber feiner Eltern hinein, und rang die Hände, und stöhnte . Denn die Noth des Lebend hatte ihn zum ersten und mit einem Male gepackt^ und gerade auf der Höhe des Glücke- und ganz unvorbereitet . . . und der Kampf der Elemente hatte fortgedaßerr und war über das betende, bittende, schwatzende, ringeüde Männlein dahin gegangen, ohne daß er es merkte vo^ dem Kampf in seinem Herzen . . . und er schaute bald dahin, bald d«thin . . . aber aus keinem Grabe kam eine Erscheinung . . er sah keine Meißim, weder schweben, noch lanzen . . . schon sanken ihm die Arme schlaff an den ^Seiteq nieder ... Da trat der Mond völlig, aus dem Gewölk berauS, ringsum warix der Himmel ganz klar, eine ßülle der filbernen Srrassfen schossen hernieder und beleuchteten Alles. Sterne schimmerten am Himmel, dort der 'bl^trothe Mars, nicht weit die weißglänzende Venus — im >spitzen Winkel zu beiden der Vollmond in voller Runv, .... und plötzlich gewährte der knieenve Jüngling aus dem Grabe seiner Mutter eine schöne rothe Blume gewachsen, mit blauen Blättchen in der Mitte, wie er sie noch nie geschaut : . . und wie eine innere Sehnsucht Blume zu pstücken und an seinem Herzen zu bergen, wie eine Botschaft seines Mütterchens. daS da drunten seine Norh erfahren und ihm diese Blume zur T öftung sende. Kaum daß aber Bendit die Blume gepflückt und in sein Brustlatz gesteckt, als er etwas Sonderbares bemerkte; da nämlich der Vollmond oberwärks nach hinter ihm stand, so.hatte bis jetzt sein Schatten vor ihm auf dem Grabe gelegen — jetzt aber verschwand ihm plötzli h der Schatten vor den Augen — er sprang erschreckt aut. sah sich um. aber er gewahrte keinen Schatten s iner Gestalt mehr ... er erschrak heftig,, und eilte von dannen, und sprang über die Mauer und lief nach der Siadt . . . er klopfte an daS Thor, und fürchtete sich gar sehr über den Empfang, den ihm der Zöllner geben würve . . . > der schlürfte auch fluchend herbei, öffktete das Tkor. blickte sich aber überall umher, als suche er. wer hineih wolle, und da. wer. bat that, alS sähe er Keinen, und rief: „wer denn gepocht?" . . . Bendit war sckweigenh hindurchgeschlupsr — da glaubte der Zöllner endlich trieb ihn die sich geirrt zu lang nicht gesehsn. auf sprang, er,, er wpllte hin, sie sollte ihm rathen. Niemand sähe ihn ja fopunrn. und gehen. Er drang leicht jn daS ihm allzubekannteHaus, er stieg die Treppe hinaus zu der Bodenkammer, "in welcher Jittchen schlief .... schon hatte er die Kliin e in der Hand, schon glaubte er daS Ruhige Athmen vei Schläfern zü höre«-„halt! wie wird fie erschrecke» . . ’.j aber sie sieht Dich jagar nicht, und Du ^sichest sie l wäre da Bendit sichtbar gewesen, wir häiten sein Antlitz mir Schamröthe bedeckt gesehen ... je: ging lcngfam fort, und verließ das Haus . . Jetzt war guter Rath theusr. Er und wenn Bendit Roth bricht Eisen im' Leben nicht» stÜe, legt halt daß ihm- Mül nicht absichtslos geschickte und daß Blu m ü> erlegte ich — erchen die' n bald' zr ipkl cv he Blune -war sich selbst: „WaS Drin Jittch m. und will i< h 'mal die Blume haben, schlug das Thor heftig zu und versidloß eS wie der . . . Schaudernd ging Bendit weiter in den. menschenleeren Straßen — halt! da wäre er bespabe zusammengerannt mit Jemandem, der geraden Weges aus ihn IvSkam, als ob er gar nicht im Wege wäre — selbst der freundliche Nachtwächter grüßte ihn nicht, w^ er es. sonst wohl that, wenn Bendit spät von einer Ra htwache kam. und alS dieser Jenem sein „Gur Nacht!" wünschte, sah sich der Wächter überall um, woher der Grrß käme?.'.. Da verstand endlich Bendit, waS mit ihm oorgegangen, er hatte daS Kräutlein Unsichtbar gepflückt — und rnun konnte ihn Niemand sehen, so lange er die Dlumei-ausdem Herzen trüge .... ' . Bendit setzte sich svll hin auf einen Stein, um zu überlegen, waS er thun'solle .... Da shel ihm ein. er habe, sein Jittchen nun schon sechsunddreißig Stunden ken pflegten — er griff hin und dieschon ganz welk. — er begann daher vo willst Du. denn eigentlich, Bkndit? . . Dein Juwelenkästchen . . . Nach Deinehr Jittcher hast Du nun gesehen und »hortest sie wer tckstenS sch» archen. tüchtig und gesund schnarcht sie . aso mußt Tu nach Deinem Juwelenkästchen suchen . . . mo jaStr ist >das zu finden? . . . irgendwo muß es sein . l. zum Vetter Baruch gehen. ..." . i Gedacht, gtthon. Er kletterte über die Hoünauer, schlürfte die Trehpe hinauf, drehte d^n! Schluss l um, und stand in Vetter Baruch'S Schlafzin^iÄr. Da ag ft, der Junggeselle, hingegossen die kleine^ dicke Gestalt . . sein Schreibtisch stand auf ... Bendit! fing at beim MonveSlicht zu suchen, aber er fand nichts, dabei vitrf er einen Stuhl um, trat in daS Nachtgefchir^, daß d:r 2nchalt sich ergoß .. . Baruch erwachte, schau» sich um, Bkndit verhielt sich still; Baruch machte schheül Licht, 1 Achtete in alle Ecken und sah sich daS. umgestüiizle Gefchi:x immer von Neuem an . . . \ aber da A^ so ruhi; war. ließ rr-vus Licht brennen und streckte sich Iwieder. c uf sein Lager ... Da kam dem Bendit ein glücklicher Gev rnke. . er trat unhtzrbar zum Bert, blies, plö^lich dem Baruch kalt ip'S Gesicht, immer stärker, und schrie> ihm mit SrabeSfiimme tu'S Ohr: „wo hast Du Benhit^S Juweienkästchen?" .... i Ha, wie fuhr Vetter Baruch a»f, 'wie standen ihm die Paar Haare um seinen Kopf m der ^Höhe, wel h' Entsetzen in seinen Augen . . . ,.Chai wekajoM! waS ist das?" schrie er . . . Nach einer.Pause, blieS Pendit von Rette« und rief: „wo hast Du Dendtt'S Jurpelien! ästchea? Gieb'S heraus, gieb'S heraus!" . . Baruch cholite aufftringeX er konnte nicht, schreien, er konnte nitht, fprtren »en. er konnte nicht, Hülfe rufen, er .konnte mch — da safer halb fitzend, halb liegend^ die Arme inidn Lust jestreckt, mir offnem Maule, ein Jammerbild . . s laS rühre Bendit so sehr, daß er schon Willens war, d' von zu laufen. Zum Unglück für Baruch rief er eben hall laut: ..Schem jischmereinu . . ." Da ermannte sich s- Zet dir, bli s noch einmal und stärker, unh schrie noch einmal und stärker: „wo hast Du Bendit's Juwelenkästche^ . gie!'s her, oder ich bring' Dich heute noch nachdem ..guten s>rt"... und dabei kniff!er dem dicken Better in >ie Leute ganz empfindlich-Da bekam Herr uch Bts tt, er sprang auf. stürzte in die Kammer, schtluj eine» Käst« den Deckel ab, warf eine.Menge Lnmpeu he^aui, uns

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