Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 49 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
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b -i 195 löbniffe der Verschwiegenheit dar und versprach noch mehr Geld, wenn der Räuber nur' sein Leben schonen wolle. Aber vergebens! AlleS prallte air dem unerbittlichen Martin ab, in welchem die zum Ausbruch gekommene Geldgier jedes bessere Gefühl erstickt hatte. Der Mond trat eben hinter einer Wolke hervor und beleuchtete diese grausenhaste Scene. „Run wohl," sprach Kalmann, „wenn ich denn sterben soll, so gewähre mir ^ur noch eine Bitte, Du weißt, daß wir in jedem Monate, bei dem Wiedererscheinen des Neumckives. Gott für seine wunderbare Elitt richlung der Natur Und für die wjise Feststellung ewiger Naturgesetze,/ von .welchen uns jadieser regelmäßig erneut wiederkehrende ivlond ein so fichtbarrS Zeugniß gibt, unter freiem Hiaunel danken. Hier steigt eben der Neumond auf, und ich habe in| diesem Monate dieses Geber wahrlich noch nicht verrichtet; laß mich darum mich dieser Pflicht gegen Gon erst eittlehigen, dann thue mit mir nach Deinem Belieben." — ,;CS sei!" ries Mattin, als habe der Gedanke an Gott ihii milder gestimmt. Kalmann wendet^ sein Angesicht dem Monde zu, der mit bedeutungsvoller! Miene auf ihn hrrabzuseheü^schien, als wolle er ihni zustüstern: „Nur getrost! nicht umsonst habe ich mich jetzt so eilig hinter den Wolken hervvrgeschlichen." — Mit tieferer Inbrunst alS jetzt hatte Kalmann wohl nie den 148. Psalm: „Lobet Gott, lobet den Ewigen vom Himmel" u. s. w. hergefagt. Dann blicke er zum Oonve auf unter den üblichen Geüet-worren: „Gelobt sei Dein Bildntr, gelobt Dein Äerferriger, gelobt Dein Herr, gelobt Dein Schöpfer." AlS er nun, auf seinen Fußspitzen sich erhebend, dreimal die Worte sagte: ,,so wie ich gegen ^>ich bin mich erhebe, Dich aber nicht zu erreichen vermag, so sollen auch aste meine. Feinde mich nicht erreichen können;" da rollten dicke Thränen über seine bleichen Wangen. — Roch hatte er aber diese Worte zum drittenmale nicht vollendet, alS plötzlich ein sonderbares Geräusch, sich schnell nähernd, gehört wurde.. Knistern und KetteNKeraffel. Um diese I Zeit, an solcher Stelle und in solcher Lage! Kalmann. wie Martin, fühlten ein Schauerrieseln durch alle Glieder dringen. Gewaltsam wurde jetzt daö Gebüsch durchbrochen und mit lautem Freudengeheul sprang hoch auS demselben und an Kalmann'S Seite „lH»ro," sein treuer Hofhund., eine große stützt» Dogge. Jetzt änderte sich die Scene. „Fass, Coro!" riej kalmann, und ehe der verblüffte Martin noch zur Besinnung kommen konnte, batte der Hund ihn schon zu Bäden gerissen und »erauf ihn losstürzende Kalmann ihm Messer und Kno»enst> ck entrissen, mit welchen er ihn'riun fei irrseitS bedrohte. Jetzt' kam die Reihe deS Bittens pn SR itin, und eS wur e zwischen Beiden eine Capitulation da in abgeschlossen, daß Martin ruhig auf dem Boden Iie;en bleiben solle, .kalmann und seine Dogge alS Wache im! en ihm stehend, bis der Tag herangebrochen sein wird. Al »dann würden,- da dieser Weg Nach dem AmtShauplorte füj rr, wohl Leute de i Weges kommen und sollte Martin mi Hülfe dieser den, Arme der Gerechtigkeit überliefert werden. Wie. war aber der Hund in den> Wald -zu feinem, - He r» gekommen?- 2 iS Kalmann vaS «^auS verließ, tobte der Hund beftig und wollte ihmfolgen^ Bon der Kette fest gehalten, ließ er mit heftigem Besten und Springen nid r nach, sprengte indlich durch einen wüthigen Satz die Kette und ungeachtet diese ihm ihrer , ganzen Länge'nach nachschleiste, rannte er doch unter bellendem Geheul wie rasenst aus dem Dorfe hinaus und der Spur seines Herrn, nach in den Wald, wo er gerade im entscheidenden Augenblicke ankam. ' : H Rachel war. alS der Hund formst wüthendexi Geheul die Kette sprengte und davon rannte, erschrocken lmh bänger Ahnung voll apS dem Bette gesprungen. Aber ste war es nicht , allein, bei welcher der Schlaf sich, nicht «infinden wollte. In dem Rachbarhäuschrn saß Margaretha Mil verweinktn Augen. - Sie hatte das Bette noch nicht berührt. Martin batte vor seiner reif« | ihr> den Entschluß' mitgerhttlt, Kalmann zu tödlen und sich in den Besitz deS Geldes zu fetzen. Ihr danl bares Gemüöh und ihr frömmerer Sinn k.ampften heftig »agegen und ließen sie nicht zuf Rüde kommen. Auch sie war aufmerksam auf daS Toben des HuudeS geworden. Auch sie hatte fein Davvnrennen gehört., DaS war ihr ein Fingerzeig GotteS, und es vermochte sie nicht länger zu halten im Hause. „Herr Gottl^ rief sie, „das unvernünftige Thier ist weniger schlecht, SIS wir!" Mit diesen Motten stürzte sie zum Hause hinaus, an die Tbüre Kalmann'S, wo sie durch heftiges Pochen Alles -auf die Beine brachte. Nachdem man ihr geöffnet harte; gestand ste Alles und bat, daß man schnell Leute, nachsende, weil wohl daS stNglück noch zu verhüten sei. Ein. herzznreißenbeS Jammern entr stand in Kalmann'S Hause. Eiligst wurden Leute 'aufgeboten und der OrtSschulze in Kenntniß gesetzt, welche nun vereint in den Wald rannten. Bald kamen sie an die Lichtung, wo sie zu ihrer, Verwunderung Martin auf dem Boden liegend und -Kalmann und seinen Hund neben ihm Wache stehend fanden. Die liebende Rachel, war Mich bald zur Stelle und in Wn Armen ihres Mannes. DaS war ein rührender Auftritt! Martin« wurdein die Stadt vor'-'Gericht geführt, wo er sein scheußliches Vorhaben, bald eingestand und die gebührend«! Sttafe erlitt. •' } AuS der ReiHe nach D. wurde diesmal nichts. Das zum Einkauf bestimmte Geld ließ Kakmann an die Armen vertheilen, und die treue Margaretha wurde Zeitlebens mit ihren. Kindern von den Kqlmann'fchrn Eheleuten ernährt. , - 1 Anfragen und Antworten. 44. Kantor E. M. in Tir. Cs wird jetzt im Allgemeinen von einem Kantor gewünscht, daß er zugleich Religivnslehrer sei Indem ich -schon mehrere,' meines ErachrenS Sachkenner ersuchte, mir deii Inbegriff eineS ReligionSlehrerS zu erläUtetn, V. h. woS sich die Welt unter dem Worte „ReligionSljchrrr" denken will, und Wafl. ste überhaupt von dessen Kenntnissen erwartet, konnte ich mich nie mir deren Ansichten über die einem solchen obliegenden Kenntnisse recht vettraut^nachen. Werden Sie wohl -die Güte haben, mir.darüber Aufschluß zu geben? —^ " Antwort. Wir-wollen eS wagen, trotz der Gefahr, daß Herr Kantor E. M. auch mit uUftem Ausschluß sich nicht vertraut Machen könne. . Wirdürfen ihm nun Mellich nicht sagen, waS w t r unter ^ReliglouStehre^' dwr. stehen, deftn der Fragestellerin nu^ wissen, „waSfstch