Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 49 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
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m oTt zu E trn a^S dem Hause des Juden in Manin'ö HauS. Da Marti: unfi fsne Frau Margaretha sich stetS treu und ehrlich erwiesen und -ei dielen Gelegenheiten eine gewisse dankbcre Anhänglichkeit an die Familie des Aa^mann an den L lg gele» hauen» so schienen sie der erzeigten Wohltbaien auch nicht unwürdig. „Was würrz auS unS geworden sein, wenn Eie nicht waren," sagte Margaretha Jtataiana’ö Krau, und wischte sich dabei eine Tbrän< _Lr- T ankes a»S den Augen^ der a > den Was Mart allen Z"gte Wunder Nischen Zo.blrharen fesseln oft den Geber nicht minipianger, als dieses umgekehrt.der Fall ist. also, daß man im Hause Aalmann'S den sbeieultn viel Zmrauerr schenkte und sie zu Ven Tietrstverrichlungen verwendete, welche rin de» sonde rs Auruauen erforderten. Sollte, an seinen auswärngen Gefchailsfreünd eine Summe Geldeß durch einen Soren überscuilkt werden, da damals arock ttickt^ «ie jetzt, die. Noft ibro uniforminen Diener überall >bin entsan.dtk; oder taue »er, mst woblgespicktem Geldgurie aus einen enne nren Diebmarkt reisende Aalmann in! der waldreichen Gegend einen Begleiter rum Schutze i-ULlbig: Nie« mani anders! als der „lange Marun" dürfte dazu auserteh o werden. — . talmohm ein sebr genesfürchtiger Manns verbrachre^ben Sab atb gewöhnlich in andächtigen Gebklbverrichlunzk», im < knuffe »er Tafelfreuden (r-~ °r-227j stad in eifrigem Slu üum der rabbimschen Schriften. Als einziger Sohn vero Lgender l Eltern hatte er, der Sitte.jener Zeit gemäß, in f iner Jugend eine ..Jeschiba"-chesucht, stch allkorl als eine „scharten Bocher" bemerklich gemackkj'und galt jetzt noch für eintn „Wobllerner." obgleich feit der Zeit, daß sein Pater, aas Zeitliche gesegnet batte und. er dessen Handels zeschaste übernehmen mußte, er nur reit Sabbath dem Stu iium wfibrn konnte, was er aber auch auf'S Eif» rigft thal. wieder tvar ein Sabbarb auf diese Weise verlebt, wvr den. Nachdem Aalmann vom Gottesdienste nach Hause geko nmen> raar und den Sadbatd bei seinem Ausgange noch mit Liwl. Wein und Wohlriechendem geehrt, sich die Aue en mit rem Weine des Segens webl jbestriLen, zur Llä kung p« sonst durch schnelles Geben leicht angegriffen werdenden Augenlichtes, und die üblichen Gesänge und Getue verrpnel batte, kündigte er seiner trauen Ebebälfte, Ra<»el. änsl daß tin einer Stunde zu Fuße nach dem 16 Stunden weil entfernten Städtchen B. labreisen wolle, wo er bedeutende Eivkaufe an Dieb zu »stachen gedenke. Wi nend.Nüchel der Magd die Uederreste stes Schabbes« matlS auf's! Feuer zu bringen befahl, dastiit ibr Mann vor seiner Abrelse durch diele zur bessern Ertragung der Rei ebefchwerlichkelten stch starke, und sie selbst i»^ besorglicher und geschäftiger Weise die Reiseurqnsilien herbeiholt-, wurda^ Martin gerufen unv in Aennnjiff gesetzt, daß er .talmannrauf dem Wege nach B. begleiten solle-, b:s der Tag angebrochen fein uod Letzterer deün seine. Reise obn Eiefahr allein fortzusetzen im Stau»» sein werde. Aal oann war unterdessen beschäftigt, seinen Meldgurt wobl mir Gold uad Arenen zu füllen, zu denrwrMartin diesmal nicht o^ne Begehrlichkeit hinzudlicken f^ien. Diefes Letztue wau der besorgten Rachel nicht Umgängen und wen i sie auch ihrem Manne es sann verwjeS, daß er so viel Geld var rem Manne sehen lasse, so Hürde ihre ' sorgniß doch mit der Bemerkung beschwichtigt, daß Martin ebrlich sei und ibn ja schon oft begleitet habe. Tie Thurmuhr des Dorfes schlug eben halb elf, als Aalmann'S HauSlhüre sich öffnete, und erst Martin, mir; einem dicken Anorenstocke versehen, heraustrat, welchem ’ bald Aalmann, den gefüllten Gelbgurt über Brust und Schulter geschnallt, folgte, nachdem er von ftm» »mb Äin* dern sich verabichieder^unv Sie Mesuffab beim Derausgehen antächtiglick geküßt hatte. Es war eine wanne, ruhige Sommernacht, kein Lüftchen regle sich, freundltche Sterne funkelten, während einige dünne Wolken, vermurhlich Ueberrefte eines in der Ferne staugrsundrnrn Gewitters, den am fl'ikwestlichen Horizonte auffteigenden Mond noch leicht verdeckt Vielten. In Aalmann'S Haufe wurde eS bald ftrll, obgleich das Lickt an der Lampe, der Sicherheit wegen, brennen blieb; nur wollte der, an einer Aelle vor drm Hause liegende Hofhund sich feit dem Weggange seine- Herrn nicht zufrieden geben und sprang, unausgesetzt laut bellend, hock am Hause empor, als wolle et die Aette gewaltsam sprengen und feinem Herrn folgen. Rachel vermochte deshalb auch nicht, die Augen zum Schlafe zu schließen und setzte sich mehrmals besorg: horchend im Berre quf. Aalmann und sein Begleiter wanverten unterdessen fuflid fürbaß. Ter Weg sühne vom Dorfe aus dürch ein angenehmes Wiesrnthälcken, welches ein^in halblautem Selbstgespräche unaufhörlich vor sich hinmurmelnbeS Bächlein rurchschlängelre. Jetzt überschritten sie dasselbe und nun »ahm ein dichter Wald fie auf, durch welchen ste^mebrere Stunden lang ^wandern mußten. Die hochstrebestden Bäume verdunkelten den Weg, so daß Beide, auf diesen ihre Aufmerksamkeit verdoppelnd, schweigend Himer einander her wanderten. Aalmann ahnte nicht, was in der Seele seines Begleiters vorging. Der Anblick deö glänzenden Goldes und der blanken Aronembaler batten riesen Abend seine Gier mehr. als je erregt. War -auch der Gedanke, sich auf frevle Weise an Aalmann'S Gur zu bereichern, kein Fremdling 'mebr in seinem Innern, so war dieser Gedanke doch, so oft Martin ihn bei der treuen und dankbaren Margaretha äußerte, von dieserftetS zurückgewiesen und bekämpft worden. So wie aber ein sündiger Gedanke i bei häufiger Wiederkehr, dem zur Lavine. anschwellenden Schneeball gleich, jedeSmal an Stärke und Umfang wächst.^fo hatte auch diesen Abend . seine Gier eine fest, Gestalt, angenommen und sich schnell zum Entschlüsse gebildet. Eben waren sie daher an einer lichten Stelle keS Waldes angckommen, wo. von schauerlicher Stille umgeben, die Schatten der Bäume in riesenhafter Länge stch ausstreckren. als hättest sie hier zur Nachtruhe stch medergelegk, und so bis zum Ende der Lichtung .reichten, wo wieder neues Waldesdickicht begann: als der voranschreitende Martin plötzlich sich umwandte, ' mit der einen Hand den Anötenstock hoch in die Höhe schwang, wäbrcnd er mit der andern Hand eir? langes Meffer zum Vorscheine brachte und rief: „Aalmann, hier muß» Du sterben!"- Der vor Schrecken fast in .Stein verivanvelte Aolmann vermochte kaum einige Schritte zurückzuweicken. Da er an Gegenwehr, dem starken Marj tin gegenüber, nicht denken konnte, so legt, er sich auf'S ' Bitten, erinnerte an die empfangenen Wohltharen, bot willig bas um sich tragende Geld unter dem heißen Ge-