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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 47 (1854) · p. Seite 187

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
47 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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187 Träumende durch die Gestalt de-DaterSlüder einer andern von ihm geehrfürchteten Person vor nav^r. Gefahr verwarnt wird, 4) die M,ton, welche ein künftiges Ereigniß deutlich vorstellt, 5) der symbolische Taum, der Der» gangneS oder Zukünftigein räthfelhaftsn, schwer zudeutenden Bildern zeigt. Nachdem durch daganze Mittelalter hindurch Träume und Traumdeuterei eine große Rolle gespielt, hingegen im vorigen Jahrhundert bei den Gebildeten Unglauben und Spötterei Platz gegriffen, bekam die Lag^ der Dinge durch den, von Me-mer neu entdeckten, fasslich sogenannten „animalischen Magnetismus oder Somnambulismus" eine neue Wendung. Jndeß wir wollen hier dieses Gebiet nicht berühren, indem wir nur bemerken, «aß an die Wahrhaftigkeit der somnambulen Erscheinungen nicht mehr gezweifelt werden kann, so viel Unfug I und Täuschung auch damit vorgekommen. Anstatt desse^ will er eines Beispiels von einem Traume aus neuer^r> Zeit gedenken, für dessen Wahrheit die glaubwürdigsten Männer eintraten. Ein junger Mann, der, sonst vervmst, nur noch eine zärtlich' geliebte Schwester hatte, machte die. Freiheitskriege mit. Als er an bunkert Mmen von der' Heimath entfernt war. lag er mit einem Freunde in einem Zelte. Da steht dieser den jungen Mann mitten in der Nacht aufsteben, Licht anzünden und Etwas niever-i schreiben, ohne auf seinen wiederholten At tuf zu antworten. Nachdem Jener das Licht wieder gelöscht- und sich niedergelegt batte, stand er auf und sab nach, waS der junge Mann geschrieben. Ta war eS — ein kurzes Klagegedicht auf den Tod seiner Schwester! ^)er Kamerad notirle sich Tag und Stunde, nahm das Gedicht zu sich, und forschte am andern Morgen nach, ob Jener von Dem, was er in der Nacht gethan, etwas wüßte.! Aber keine Ahnung. Der Kamerad wird denselben Tflg fonkommandirt und kehrt erst nach acht Tagen zurück. Da sinder er seinen Freund in tiefster Trauer, denn etnj Brief aus b^r Heimalh bat ihm — den Tod seiner einzigen Schwester hinterbracht. Jener h^p.lke nun das Gedicht pervor. und siche, Tag und Stunde paßte genau auf!deN Augenblick, wo die Seele jenes Mädchens von ihren Irdischen Resten geschieden ....! Aber wie Vieles wüßte ich hier, und dnS den nächsten Kreisen zu erzählen — doch ich schließe chit den Worten Shakespeare's: „es giebt Vieles unter der Sonne, von dem die Schulweisheit sich nichts träumt," aber^iuch mit dem Ausspruch des Talmuds: „So wenig cs Getreide ohne Spreu giebt, so wenig giebt.es einen Traum^ ohne Absurditäten." (Berachorh 55. 1.) Bestrafter Frevel. Ltaer wahren Begebenheit nacherzählt »an Heinrich Blank. j - Es war in den letzten Tagen.deS MostatS November 179—, als in dem große« .Saale des Beth-Hadttdrasch.. zü Prag 50—60 Talmudschüler disputirfnd' beisammen faßen. Der Winter halte sich in diesem Jahre besonderfrühzeitig eingestellt. Die Natur hatte bereitihr, weißes Gewand angelegt. Der Wind trieb die Schueeflockea. wirbelnd durch einander, und eine ungew ihnliche Stille herrschte in din sonst so belebten Straßfl der böhmischen Hau-rstadr. Prag war zu jener Zeit h« Haüptfltz jüdischer Gotte-gtlehrsawkeit. und jeder JüipUinq, der stch diesem Fache widmen und einen Ruf erwerl ett wollte, mußte ^on der dortigen jüdischeck Hochschule einMorinu sDl"- pl^») aufzuweiftn haben. — ^Der Wächter hatte so eben die-zehstie Stunde gerufen; der vorttsende Rabbi hatte sich entfernt. Die Schüler blieben, wie gewöhnlich, noch mit Wiedttholung de» vorgetragenen Unterrichtsgegenständes stch bef^äftlgend, bis zur Mitternachtsstunde beisammen, -worauf fU dann, nachdem sie da« Chazoch gemeinschaftlich verrichte , ihre Lagerstätten suchten, Um neue Kräfte für die gei'iige Anstrengung des nächsten Satzes zu gewinne«. — Heute war die Unterhaltung besonderlebhafter Art; Veranlassung hiezu gab der so eben vernommene Talmudrrakkat; derselbe handelte nämlich von dem Dasein guter und böfcr Geister und ihren WjÄ ingen. Dieser interessante Gegenstand gab s^mit reichen Stoff zum Austausch der. Meinungen und ssihne eine hitzige Tebrstre herbei. Wahrend der,aufgeklärtere Theil unseres gelehrten Gesellschaft gegen diese Geistettheorie-des Talmuds manchen bescheidenen Zweifel laut werden-ließen, trat jedoch die Majorität der Versammlung mst scharfem GeschO für .dieselbe in die Schranken und nannte die Andersdenkenden im Eifer deS Gespräch, Epikuräer und Freigeister. — stiachbem man nun langes hin und her gesprochen,' Argumenteausgestellt und Frieder verworfen hatte, kam man im Lau^e deS Gesprächs auch auf daS sogenannte ^.flLändeln der Tobten»" worüber von Einzelnen Spukgeschichten erzählt wurden, dmeinem die Haut fthaudern machen konnten, aber von dsm aufgeklärteren Theil der Versammlung belacht und für! Ausgeburten einer kraftkbafren Phantasie erklärt wurde«. Nachdrnr auch dieses Thema so ziemlich erschöpft war, erhob fick einer der hervorragenden.'Mitglieder der oppositionellen Pstrtei, nahm das Wort und sprach sich dabin,aus: um einen Beweis zu geben, wie,fremd ihm alle Fütcbt vor solchen Erscheiuüngen sei, und , um-alle hierüber, ausgesprochenen abergläubischen Meinungen zu widerlegen, sei "er..Ferrit, zur MitiednachtSstunde, wo gewöhnlich die Geister am meisten ihr Uinwesen treiben, 1 den von tJr Skqdt ziemlich weit entfernten jüdischen Friedhof allein tu besuchen.. Dieser Vorschlag fand allgemeinen Anklang, lunv warde^I um demselben.mehr Kraft zu geben, eine Wftte.um eineUamhasre Stimmt eingegangen; bemerkt wurhc iioHvbesonders, daß unser H!eld verbükdeä sei, einen Stab', woran ein Perzamentblätkchen befestigt, in der Milse des Friedhofes, einzusenken, damit man sich auch wavön überzeugen könnte,' daß das Wagestück auSgesühr-i worden sti. . Wegen schon zu weit vorgerückter Zeit wurde die ^Bestehung diese-. Abenteuers auf den nächsten Abend festgesetzt und^LN ernster Stimmung trennte sich die Versammlung. Die perhängnlßvolle Stunde, nahte »eranu Die HDit- ^erung war noch immer sshr. stürmisch. Der Wintz^ zerriß zuweilen einen Wolkenschleier und der Mond warf dann verstohlene Blicke hindurch, als vb>>er neugierig den AuSgang dK bevorstehenden Seen» belauschte, als unser junger Abenteurer voll deS besten. MuthtzS sein« nächtliche Wanderung anttat. Ohne irgend ein b niß legte er in gemessenen Schritten ftineU sondere- Begeg» bestimmten Weg

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