Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 44 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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nur zwei Tage auf, denn die Stadt war seit 1099 von den Kreuzfahrern erobert worden, und dfrse sahen dort keine Israeliten gern, wie sie dieselben aiuch gleich nach der Eroberung-Vertrieben und ihre Synagogen verbrannt hatten. — Nachdem MaimonideS noch hie Gräber der Patriarchen zu Hebron besucht batte, begab er sich mit seiner Familie nach Aegypten, wo er stch Anfang» in Alerandrien niederließ, und vollendete hieri seine Erklärung zur Mischnah (1168). später wurde ^iese» Werk-in'» Hebräische übersetzt. Unter andern beklagt stch Maimonide» in dieser Schrift über jene Israeliten.^ die durch ihren beschränkten Geist die Heiligkeit der mosaischen Religion durch alberne Fabeln herabsetzen und die! Welt zu dem Urtheile veranlassen, daß ein Volk. welches sich zu solchen Abgeschmacktheiten bekenne, sehr weit v^n der Weisheit entfernt sein müsse. Seinen Lebensunterhalt suchte sich unser MaimonideS in Alerandrien durch Handel mit, Edelsteinen und Juwelen zu erwerben. Aber daS Glück war ihm m<fct günstig. Sern Geschäftsführer ging mit einem bedfurenden Vermögen, welche» er zum Geschäftsbetriebe bei sich führte, im indischen Meere unter. Maimonives Verhältnisse! sollten indeß bald eine günstigere Wendung erhalten. Ehe wir jedoch unsere 'Aufmerksamkeit auf diese Veränderung, seiner äußerlichen Umstände richten, fei zunächst, bemerkt, daß er nach Vollendung des Mischnah-Kommentar» an die Abfassung eines andern Werke», seines Iah 'Hachsaka. auch Mifchne Tbora genannt, ging. Dieses Buch enthält alle Satzungen, welche sowohl zur Zeit des Tempels, als assch nach dessen Zerstörung, Gültigkeit hatten. ES ist gleichsam ein Gesetzbuch Nach dem Talmud. MaimonideS . arbeitete eS in reiner hebräischer Sprache auS und wollts durch dasselbe der Aneignung einer vollständigen Kenntnis des HuventhumS Vorschub leisten. Die Zeit, die er darauf verwandte, war die. von 1168 bis 1178. Kaum hatte dieses Werk die Oeffentlichkeit betreten, als eS überall gesucht und mit Begierde gelesen wurde. An allen Orten wurde der Name des Verfassers gefeiert. ES wurde fo eben eine günstige Wendung der Verbäsinisse unseregroßen Lehrers, denn »aS ist uns Maimonives, erwähnt. Sie wurde auf folgende Weise hervorgerufen: MaimonideS lag in Alerandrien nicht nur den jüdischen Studien ob, er pstegte auch andere Wissenschaften, und namentlich machte er stch als praktischer Arzt sei, nen Mitmenschen nützlich. Der Ruf. welchen er sich in dieser Hinsicht erworben, drang an den fürstlichen Hof zu Kairo, und der Saladin Joseph bjen Ajub nahm ibn als feinen Leibarzt und Rath« an (1179). DaS feste Gedalr. welches MaimonideS jetzt jährlich von vem Saladin erhielt, ^berbob ihn aller Nubrung-forgea und veranlaßte ihn. seinen Handel, bei vem/ihm da» Glück ohnedies nicht zu lächeln schien, aufzugeben. Durch seinen neuen Beruf bekam' er Muse, beu Wissenschaften noch mehr obzuliegen, und in jene Zeit fällt die Abfassung feine» ..Wegweiser» für Irrende" (More Nebitchim). War der Zweck seiner 3ad Hachsaka, eine gründliche Kenntniß de» rabbinischen Juventhum» zu verbreiten, so sollte sein Wegweiser zeigen, wie der religiöse Glaube mit der Philosophie in Einklang zu bringen sei. Er ließ stch bei dieser Arbeit von dem Geiste der heil. Schrift und von seiner eigenen freien Vernunft leiten, und manche» Hergebrachte und für unumstößlich Gehaltene erklärte er für kberstüf- Werk. welche»-« i» teren Kreisen* bekannt fig und bedeutungslos. Al» da» arabischer Sprache abgefaßt, in we wurde, rief «» die verschiedensten £ leurtheilunge» hervor. Den Freisinnigen war e» lieb und werih. hie Feinde der freien Forschung hingegen betrachteten es als da» Werk eine» Ketzer». " Maimonkde» zeichnete sich auch durch seine medicinischen Schriften au». Manche davor wurden in» Lateinische übertragen, und viele sind noch handschriftlich in den Bibliotheken zu Rom, Pari» u. s. w. zu finden. De» Saladin, seinem Gchrner, widmete ei eine Abhänhlung über die Erhaltung der Gesundheit, u >d stand überhaupt in großem Ansehen heim Hofe«. Ab ir er hatte Luch^me Neider, die chm ftiy Glück mißg »nnten und die Gunst seines GebielerS zu entziehen sucht m. Die» wa^enlganz besonder» die übrigen Aerzl«. Ma r erzählt bei Gotegenheil einer gelehrten? Unterhaltung, n Gegenwar»-de» Sul^ rans, hätte sich Mckimostides nicht <s iit den andern Doktoren vereinigen könr^n. Diese hätt n hierauf den sonderbaren Borschlag gemacht,- er möge ein von ibnen bereiteke» Gift'nehmen und seine Heijk mst .dadurch hm-eisen, die Wirkung de» Gifte» unschädlich.zu^machen. Maimo» nive», erzählt die Sage weiter, ri ßre. auf diesen Vorschlag unter, der Bedingung eingegcngnw wenn auch sie ein von idm bereitere». Gift nehmen werden. Di« Sache soll hierauf wirklich zur Ausführurg gekommen fehl und MaimonideS durch seine vorher get -offenen Maßregeln sein Leben gerettet habe»,, wählend seine Neider aä dem gereichten Gifte gestorben wären. Ui brigen» bedurfte e» einesolchen Vorfalles gar nicht, den jzuten Ruf unsere» MaimoalveS zu rechtfertigen. Seine ganze Lhäügkeit. sowie sein ganzes Leben, geben ihm da» beste Zeugniß. Ja Kairo stand er in allgemeiner Achtling, war Mitvorstand der israelitischen Gemeinde daselbst, und kam er,-von seinen Berufsgeschäfte» ermüdet in se ne ^Löhnung, so harr-" ten hier Arme und Kranke, für, Menschen auS allen Ständen, Hülfe, Unterstützung ui d stiath von ihm und bei chm suchend. 'Niemand ging auch unbefriedigt von ihm weg. Zur Zeit einer entsetzli den Pest in Aegypten hat er, obwohl schon bejahrt, zun ^Heile Vieler seine. Kunst als Arzt aüsgeübl und troll ne« durch Wohlthätigkeit manche Thräne de» Kummers und! des Unglück». ' Zm Jahre 1206, nachdem er,^n. Aller von 70 Jahren erreicht, starb er. lSeine Leiche wurde nach Liberia» in Palästina geschafft, und sein T» > rief allgemeine Trauer hervor. . ' Matmonive» stand »trotz sein« freien Auffassung de» Iuderuhum» ganz auf dem Boden dxr angestammten Religion. Licht und Wahrheit unten seinen Glauben-geno^- sen zu verbreiten. Irrlhum und Aberglauben zu entfernen, da» war daS Ziel und da»' Streben feines Leben». ,unv er hat Viel,» in dieser Beziehung erstrebt und' .bewirkt. Aber wie er groß als Zsraelit da als Mensch unsere Achtung unk Wohlthätigkert kannte keinen Glau 'enSuvterschied u»fr keine Meinungsverschiedenheit, und ~(ri sehen wir ihn zum Wohle"der le ba, keine Gesachr scheuend, uoch tend. So sehen wir denn diesen ten, wie eine Sonne ln seiner Ze ehtj so verdient er euch Ehrerbietung, Seme seinem Berufe als Arzt senden Menschheit wirsela eigene» Lebe» ach- Mann, diesen Israelit leuchten und wärmen.