Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 42 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
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Sachen einzubolen. Dennoch ist Merkwürdiger Weise die Vielweiberei, obgleich sie bei den Arabern in Gebrauch ist und vom Gesetze Mostnichr verboten worden, in die Sitten der Huden nicht eingedrunqen^ Ebenso ist der Kamiliengeist. noch dazu durch die Verfolgung ufld da- Bedürf-; mg der Einigung belebt, viel entwickelter bei ihnen als i bei den Arabern. Datiefste Stillschweigen hakte währeuv her ganzen Mahlzeit geherrscht, und erst nach dem Schlußsegen sprach Elijabu zu mir: , ..Du siebst, daß die Binder der'Wüste nicht glücklich sind und daß der Zorn Adonai'- nicht aufgtbörr bat. auf Israel zu ruhen. Die Zeit ist nicht mehr, wo wir daglücklichste Volk der Erde waren, wo Abraham, unser Vater, hinter seinem Zelte den Engeln des Höchsten reiche Gastfreundschaft bieten konnte, wo der Ahnig Salomon Silber (^»eribeilre. als ob'er es aus Steiften gemacht: C;:2JO—rcrn >— Israel, verworfen ^inv Iveracktet. leidet noch für die Verbrechen seiner Väter, und noch ist kein Jahr seit dem Tage verflossen, wo unS Avonai neue Feinde erweckt dat. die von fern.gekommen ugd unter unS Tov und Elend auSgesaer haben. Krauen und Binder sind unter dem Schwerte deS Franzosen gefallen, unf^t! kleine- Vermögen ist die Beute des Soldaten geworden, 'unser Tempel ist nichtmehr alejiie Ruine, selbst die hefigen Bücher des Gesetzewurden nickt geachtet!..." , Bei diesen Worten floß ein Strom von Tbränen aus den Augen Elijahu's, unk zur selben ZeitHieß er durch einen seiner Söhne ein Stück einer Geseyrvlle iboltn/ treibt Jeder wie eine kostbare Religuie uniarmte. So in Thronen zerfließend, sitzend auf der Erve und umgeben von halbzerstörten Mauern, glich der'Greis Jeremias^ weinend aus den Trümmern Jerusalems. „Die-." sagte er, ..ist Alles. waS unä von unfern heiligen Gesetzbüchern übrig geblieben." Ich betrachtete meinerseits-DaS Stück. Pergament, dessen braune Farbe ein hohe- Alrerthum verrieib, und dadurch einen sonderbaren Zufall, aus welchen der Gr!eiS mich aufmerksam machte, gerade die ganze Reibe de« Drobungen und Weissagungen von Leiden enthielt, welche Moses den Israeliten in dem Falle vorauSgesagt. wenn. sie daS Gesetz de- Herrn überschritten. „Ist enicht klar nach Diesem." sagte dev.Greis, . „daß der Zorn Ävonai's nichr beschwichtigt ist und daß Israel noch lange leiben muß?" - '• ..Gewiß," erwiederte ich ihm. „groß ist uflser. Unglück, aber weiß »ickl Gon Alles gut zu machen? Oft läßt er seUst aus einer bösen Handlung etwa- Gute- 'f)en)6tj|tbfn. Wurde nickt kurck daS Verbrechen seiner Brürer Joseph der^Erfte unter den Acgvptiern und der Rettet der Minder Jacob s? Wen« Gewaltlbätigkeiten an Einigen der Deinen verübt worden sind, so muß man sie obne iZweisel den Soldaten von arabischer Race zusckreiben. k^e durch den Anblick de« Bludi« und den Wunsch nach Be«e.-aufgeregt waren. Aber bir Kranzvsen sind großmütbig zind menschlich, und man m^ß glauben, daß Gott sie in diese weiten Länder gesandt, uw Eure äketten zu brechen untd Euch eben so glücklich zu m««n wie Eure Brüder in , Frankreichs Gou wird sein Vol^nichr verlassen, weil auf diese« Stück der heiligen Bücher,'^che« Du mir eben g^Hgt und daso viele schreckliche L isiägungea enthält, auch geschrieben l den <Bunj> breche, den p« Ewige,ahd Gott." der Grei«. „möge >ist: „Abkr auch dann, wenn sie in bim Lande ihrer Feinde sein werden, werde ich sie nicht verstoßen und'nicht verwerfen, daß ich sie'vchr verderbe und ich mit ibnen geschlossen, denn ich bin „Also geschehe »«,'* erwiederte Adonai sein. Antlitz un« zuwenden ubd unS Frieden gebe», mir, meinen äkindern und namentlich Noömi, meiner viel- .^geliebten Tochter."! i ., Noömi ist wohl sehr unglücklich? " fragte ich Elijabu. hegierig. von. ihm ^twaS Nähereüber da- Schicksal der jungen Witwe zu hören. ..Sie ist die traurigste von Rebecca'- Töchtern." erwiederre er. ,, denn auf ihr bist der Arm Gottes am grausamsten geruht. Noemi, ehemals glücklich, war die Ehre des Alter» Elijahu's, die Perle der grauen unsres Stammes und der Stolz ihres Gatten. Kroatin wie Dedorah, keusch wie Judith, war sie würdig in^en glücklichen Zeile» der Prophcten;u leben. *Heute ^ist it traurig' und unglücklich, und wie die heilige Frau ihre«-Namens, müßte man ste nicht^mehr Noöml (die Anm^rdige) nennen, sondern Marab |ki>iei $raBr>3<)." i —1 i Hier schwieg der Greis einen Augenblick gerührt, dann wandte er sich au seine Tochter: J ..Noemi/' ries ft,. „komm zu Dsinem Vater ui^d erzähle unfern ^Gästen Tein und Deiner! prüder unglückliche Schicksale."! - „Hier bin ich, mein Vater," sagte die junge Witwe, fsch gegen unS, verneigend.' — Jeder erhob sich bei ihrem Nahen, um ihr die Hände zu küssen, ^enn alle ibre GlaubenSgenofferk siebten und achteten sie wegen ihrer tzrömmig-' firit, ihrer Güte und ihrer äkenntniß be^ heiligen Schriften. Sie setzte sich neben ihren Vater und - tbte Stimme erhebend. sprach ne: „Seit langer Zeit stand eö geschrieben, daß Laghouar i» di, Hände eine» fremden Volkes faßen würve. Adonai vsrleiht zuweilen die Gabe der Prophetie Männern außerhalb Israel-, wie ehemals dem Bileach, und eS sind jetzt dreißig Jahre her, daß ein arabischer Mariabou^den Fall dieser Stad» vorher verkündete *). Vielleicht wenn wir usisre Frömmigkeit verdoppelt, wenn wir öfter gebetet und gttaster Härten/ um den Zorn Adonai'« zu beschwichtigen, mürben unsre Häuser nicht zertrümmert, unsre heiligen Hücker zerstört und Noömi da« unglücklichste Gesb fein!"! Nack diesem,Au-ruf hielt Noemi ein, um lVrenLhränin freien Lauf zu lassen; dann, nachdem sie ihre Bewegung überwunden, erzählte ste. daß. wrun auch nscht glücklich, dock wenigsten« ruhig unter der Herrschaft der Araber dif Israeliten von Laghouat lebten, geschützt vor jede« Astqriff, ihre Religion übend, unv ihr Brod durch ihre Arbeit erwerbend; daß die Franzosen, wtni.z Tage vot vem Epanucka-Feste durch das Westthor der E.tadf. ist^der!Räbe denen fast alle Juden wohnen, in Lägjhouar eindr^ngen. m d die Wuth der durchs den Sieg aufgeregten Soldaten gen; besonderauf die Israeliten fiel. Die Israeliten batten ge doffr, daß sie, jeder Waffe beraubt und dem Kriem. den dt, Araber führten, fremd, von den Franzosen gasckom werden würden. Nichts desto weniger churven drei Frauen geiidtet und ihrer Kteinodien beraubt.' Mehre Männer!') Diese Weissagung/ vtn Mund zu M»«d fortgepsiauzt feit vieien Jahre», ist von alle» Ei»gebore»r» L^hoirttz geka»»r.