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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 41 (1854) · p. Seite 163

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
41 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 zu lehren. Ich erntete dafür, ich tm'fr es gestehen, ein, Dankbarkeit, deren' viele unter den civilisirieren Kranken nicht immer fähig sind. Diese Dankbarkeit b.trieS sich zumeist in' Geschenken an Früchten, gut gemeint, aber oft von der sonderbarsten Arr. So brachte mir Roömi eines Tageim Namen ihr r Mutter eine Schüssel'mit den ausgesuchtesten Früchten und Eiern, da- Ganze symmetrisch um vier Zwiebeln von merkwürdiger Größe und prahle» risch über einander gestellt, geordnet. 3ck aß die Früchte und ließ vie Zwiebeln zum großen Erstaunen der Anwesenden liegen, da ich solche jeder Zeit verabscheut und nichk wußte, was damit beginnen. Aber mich alsbald M außerordentlichen 2uisehenS, vaS diese Frucht bei. den Israeliten diese- Landes genießt, erinnernd, steckte ich diesunglückliche Geschenk -ein. Ist eS niöglich. wird man sagen, v.-ß in einem Lande, daS satteln, Feigen und Granaten ber-. vorbringt, die Zwiebel ip so großer Achtung steht? DaS ist erstaunenswürdig, daS^gestebe ich. Aber erwägen wir. daß vie Zwiebel ikr"den Israeliten nicht allein rin. Gewürz, eine Frucht, ein Gemüse ist, sondern vielmehr ei» unieblbares Mittel, uni die höftn Geister zu verbannen; die als wahre böse Geister d^n Geschmack der köstlichen. Frucht verabscheuen; außerdem ist FS eins der wirkungsreichsten und gebräuchlichsten Heillziittel, das in jeder seiner Bestankldeiie eine besondere Heilkraft enthält. Mittel gegen Mittel genommen, ziehe ich dieö noch bei weitem den Amuletten vor, um so mehr, da die Beobachtung seitdem mich gelehrt bat, daß vie Zwiebel in gewissen Fällen, äußerlich angewandt. auf'S Wirksamste geholfen har: Möge der Leser mir, zu Gunsten meiner Profession, meine me» dicinischen Abschweifungen und Ausdrücke verzeihen und fich beruhigen, denn ich schließe hier damit, uni noch einige Worte von den Arbeiten und Handwerken der Israeliten in Laghouat zu sagen. Wahrend die Israeliten veS übrigen Algiers und namentlich die. welche die Küstenstädte bewohnen, sch ausschließlich dem Handel widmen, sind die von Laghouat Alle Künstler und Handwerker und zählen nur einen einzigen Kaufmann in ihrer Mitte. Ihre Industrie ist freilich wenig auSgebilvet und noch wenig einträglich, da sie kaum für ih!re bescheidene Eristenz auSreichr. Ich sagte weiter oben, daß ich in dem Hause Clijaht?- bei meinem Eintritt eine große Anzahl Frauen mit verschiedener Arbeit beschäftigt gesehen. Die Frauen haben, in der Tbat. da sie nicht weniger steißig sind alS die Männer, ihr eigenes Handwerk, das in dem Verfertigen von ^wollenen Stoffen zu den arabischen Kleidern bestehet. Zn jedem jüdischen Haus, in Laghouat kann man sicherlich im Derhältniß zu her Anzahl von Frauen, die die Famrlie in sich schließt, ein oder mehre Weberahmen auf den Galerien ausgestellt! finden, die alle dieselbe einfache und einigermaßen ursprüngliche Beschaffenheit zeigen. Sie bestehen einzig auS zwei höl. jernen Onerstangen. zwischen denen zwei Reihen horizon» taler abwechselnder Fäden von Hanf den Einschlag;um künftigen Gewebe bilden. Zwischen diesen beiden 'Reihen Fäden läßt die hinter dem Rahmen sitzende Arbeiterin die Wollenfäden einen um den anderen und nur vermöge ihrer Finger durchgleiten, die sie dann dicht neben einanher rückt mit Hüls, einer eisernen Gabel, deren Zähne in die Zwi» schenräume der horizontalen Fäden dringen. Wie mftn dieS fieht, ist eS die Kunst deS Webenin ihrer einfachsten Er chrinui g. » Diese Stoffe sind nicht etira wegen ihrer" Feinheit oder Haltbarkeit merkwürdig, woU aber die-mühsam! und langwittigc Arbeit, die sie erfordern, da ßwei Arbeiterinnen ir^ einer Drecke kaum für! den Werth von 12 biS 15 Franks Herstellen können. Bnig» spinnen die Wolle vermittelst einiackcr Spindeln, in denen KreiselnV sind, die sie aus rem Fußboden drehen; ftieder Andere beschäftigen sich mit dem Färben der Sttähfie. denen sie, ich weiß nicht, aus' welche künstliche D eise. nie frischesten und merkwürdig eckten Farben geben. Die ältesten Krauen endlich besorgen die Wirlbschaft und die Küche, Di« Arbeiterinnen« wie man siebt, fehlen nickt in den jüdischen Häusern. Die Wollenstoffe sind zum Tbeil für {den Gebrauch der Familie, zum Theil für den Taoschbandel mit den benachbarten Stämmen, vorzüglich mit den Boni,Moprb, bestimmt, gegen Getreide, Früchte. Hammel u; fl. w. DaS Geld^hat nur einen sebr beschränkten l ourS in diesem Lande und der Handel wird meist lyur als dem Wege deS Tauschenbetrieben. ‘ {Wenn vie Arbeit der Frauen im -Halme geschieht, so wird die der Männer auSwänS in Werkstätten betrieben, oderi vielmehr in vüstern, njedern Schuppen, die sich dbr Straße entlang entweder in einigen Häüserrertiefungen (oder Nisckeni oder unter einer verlassenen Treppe befinden. Fast alle^Israeliten sind Goldschmielde: einige auch, aber daS ist re^ kleinere Theil, Scklosser Ader Tischler. Die Goldfachen: vie Erster« verfertigen, find meist Armbänder, Ringe und Ohrringe. DaS Armband allein bat einen Original - Charakter: daS ist ein Ring mit Arabesken geschmückt und trägt an Ketten hängende HalbmoNüe; Sterne und arabische Goldmünzen neuerer oder älterer Zeit. DieS ArmHand ist von den eingeborenen Frauen sebr'gefttcht, eS ist für sie daS non plus ultra de- LuruS, und''die Liebe eines ManneS wird, gewöhnlich nach der Zabl der Kleinodien, mit denen er den Arm seiner Gefährtin behängt, gemessen. Unglücklicher Weise für den israelftischtsi Arbeiter * sind wenige Araber, besonderseit der Einnahme Laghoual'S, im Stande, sich solche Kleinodien anzusckaffen. und. nur selten kaufen Franzosen deren k« Merkwürdigkeit wegdn^,^- Alsv verdient dev'arme Künstler nakd einer langen Woche Arbeit in einem *so niederen und engen Schlupfwinkel, wo er sich nur gebückt bewegen kann, so wenig, daß. wen» die Arbeit der Krauen.nickt wäre, fx nickt die Bedürfnisse seiner Familie befriedigen köngte. Denn ko sebr wie der Araber, wenn er nü? erwa-^bemineir ist. alle Art von Arbeit, selbst den Ackerbau ider mir den PUerärmsten und"' den Negern zftsällt» verabscheut, eben so sebr ist »er Jftaellt voll Eifer-, Thätigkeit und ArbeftSIiebe. Allem Lkrgnügen fremd, arbeitet er den ganzen Tag in seinem elenden Schuppen, Während der Araber, au-gestreckt aus »er Matt» einemaurischen Kaffeehauseliegt, raucht und seinen geliebten 6»koua (Kaffee) schlürft und mit lächelnden Rippen brm * Geräwsche de- Tamtam und der kreischenden und einförmigen Melodie dearabischen Minstrellauscht. * («Alu* h ■ 35 S anschen. daß egesichtet ist, vermittelst Ihre- Volk-. Anfrage» und Antworten; L. G. in E. Nur. für ^daS größte filück kann ich

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