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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 37 (1854) · p. Seite 147

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
37 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 bisch, keck; fleißig geflochtene Zöpschen schlangen sich vom Scheuet hinters Ohr; der feine Slrvbhut mit großem Schild trug einen lang herabwallenven grbüen Schleier,, das Reisekleid von dunklem Orleans saß knapp und hob die lange, schlanke Taille hervor; daS Gesicht nahm einen schmerzlichen, AuSdruck an und erweckte Mitleid;! doch die nefsckwarzen, feurigen Augen ließen keine Blindheit vermutben. Der fremde Herr sprach fertig deutsch, er ^war grborner Deutscher, seit früher Kindheit in England; die Larv, seine Frau, aber eine geborene Engländerin. Sie wobnten in Edinburg. wohlhabend, glücklich und den. Ta wob daS Mißgeschick über die lichten Tage deS heuern Glücks den düsiern Flor des Kummer-; der! schwarze Slaar umnachlere daS Auge der Frau und ob die ünglücklichen Leute auch ihre ganze Habe ausboten > und -die Hülfe rer ausgezeichnetsten Aerzle der britischen )nseln in Anspruch nahmen, die Decke wich nickt vom Auge der unglücklichen Frau. Ar. LionSfleld entschloß sich/mit sei berühr«»- Kus zu ucv Frau das Festland. zu besuchen und bei dem len Augenarzt Vr. v. Jäger in Wien diese einer unterwerfen. ES ist freilich recht bedauerlich,' daß Albion, das in allen merkannlischen, invustrrösen Fächern so ercellut. gerade in der Heilwiffenschaft so gedrückt ist . und in Deutschland Hülst und Heilung für seine körperlichen Leiden und Gebrechen suchen muß. -r- Mr. ^ipnSfleld wußte viel Schönes zu erzählen von l»r. Adler und Monleflore, von Lisnel Rothschild uiid Lord John Rüssel, ich hingen an seinen Lippen, und. soweit es meiere dürf- «ge Kenmniß deS Englischen erlaubte, unterhielt sich mich mit MrS. LionSfieb,. sie klagte über die schlechten clai-riages tu Geroiany, über theure Gasthöst und verfälschten Tber. Ick bezeigte ihr mäne innige Theilnahme. Mr. ^io»sfiele geleitete nun sine Frau in den Gasthos, und noch saßen wir im Rabknotshause, als er wieder al ein zurückkehne. Er moäke in Beifein seiner Frau, unr deren Zartgefühl, nicht zu verletzen, nicht von seinen Anzelegenheilen reden, jetzt .'bei bat er den Herrn Rabbiner um Unterstützung aus Icr Gemeindekasse, und um rin anständiges Gefährte bis zur nächsten jüdischen Station; meinem lieben Fremde Dr. RackmoncS und mir wurde dje Miffion -> public -otisotto« kor a blind Lady macken; Die einen eitkräglichen Erfolg halte. Am >anderp Rlorgcn fuhr der „otbe Chajim," der kiaceo locji, mit seinem einsvännigen Gig beim Gasthof zum Adler vor; Mr.r LionSfleld mit MrS. LionSfleld stiegen ein u»b wir riesen ihnen ein faiewcll! nach. büstenfest- 5613; ich war nicht zu Haus«. und alS ich beim kam, traf ich Besuch, «meine Frau stellt^ mich einer Miß LionSfleld auS Kbinburg vor, «ch erkaftute-fdgleich meine, blind Lady, sie hatte jetzt nur ein arges-Augenleiden, unb sprach geläufig das Deutsche, nur statt deS Srrobhutes einen rosa seidenen. Nun ich urlheitte! nicht nach dem Schein und racktt, vielleicht bat die blinde Frau ein Stftckchen von der Fischgalle -deS Tobias a «sgeirieben unp daS ,,in Zungen reden" war ja in frühen -Zeiten nichts fv Außerordentliche-. Die Dame! erzählte' ihre Geschichte rührend mit obligater Seuszerdeg eitung, sie kannte schhn im VorauS den ganzen Stammbaum meiner Frau, brockte ihr Grüße von einem Onkel auS England, erzählte dessen LebenSschicksale nach Götbe'S ..Di htung und Wahrheit." Inzwischen kam auch Mr. Liontfield, er erkannte mich nicht, und auch er gab die Erzähluftg wie seine Frau. „ES ist eine alte Geschichte, doch bleiht sie ewig neu." Ich! konnte mich nicht unkerwinden von der früheren B.e> kaniutschast zu, sprechen, von Or. v. Jäger auSi Wien; aber damals war in Wien Alles vekwirrt. überhaupt wollte Mn. Lionsfield sich meiner Bekanntschaft nicht .erinnert und die Lady war ja daS erstem,! in Deutschland und erst einige Wochen von England weg, sonst hätte sie ja keine Gruße von meiner Frau Oheink bringen können. Mr. LionSfielV halte ein chambre garni üher die Feiertage in einem jüdischen Gasthose gemielhes. Aber auf dem hiesigen Platze war kein Feld für apokrypbische Mvthen. Der! Gastgeber, der in seinen Gästen reiche Engländer »er* mutchete. wurde, als er sich enttäuscht sab, grob gegen dieselben und meinte, Orchim brauchen kein Zimmer um einen Gulden täglich, und alle Tage friste Servietten und Handtücher. Der. Parnc^ des Orts war so unbarmherzu sagen, baß es in England auch Aerzle gebe und Deutschen ihre Kranken nickt vach England schicken. .LionSfleld blieb nicht über Jouuos. er, reiste per p^ckes nächstgelegenen Eisenbahnstation zu, um anverwärrS altenglische Novelle aus'S Neue mit großem Schnitze iverk herauszugeben. (Es folgt die Geschichte der. beiden Perser und Leisten Grasen.) . ' . S'g, die Mr der die pblt mberg flach drei Jahren. Alberman Saloiions war nickt nach Württ übrrgeneeelt, es bare ihm auch ivenig gefruchtet^ denn den Juden in Wsittemberg war d.iS Wahlrecht wieder genommen; ick war Glicht mehr an yreiner früheren Stelle, die Zeilen bakteu a. m.inem Dei'eii. gerüttelt, ich^ harte die falsche HuoranitH. aus r>e ver Egoismus jugeyplicheu Leichlstnnes sich gern waS zu gut rbul, abgcflreift, denn eS gehört zum Besagen inehr Kraft, alS zum (leben, war in meinem neun Wirkungskreise nickt mehr, nie m meinem früheren, rrsereS lieben Herrgott- Anwalt der m alle Dinge nch »ifchi, und, wie man zu sagen >flegt,' ..'s Klovien und 'S Basen hat" und Ver Herbergsvaret aller Orchim ist. Es w-r an den Halbseiertagen deS Laub¬ Die jüdischen Vornamen in-Italien. Das jüdische Volksblatt hat jüngst die nicht unin'lerjesianke Frage der, israelitischen Vornamen beiprochen, unp; auf een übel»' Einstuß aufmerksam geulachr, Pen bei der Wabl derselben dft 'Unselbstständigkeit Iund der Mangel in Selbstachtung heutzutage aus unsere Deutschen Glaubenrrüder üben. Man mrirv mir hoffenckich nicht oerargen, .wenn ich denselben Gegenstand vom italienischen" Standpunkte beleuchte, und dem großen Buchender meni'ch- I«che»-Schwachbeitkn eine, curiose Seite hinzufüge.!)«e Sitte, Kindern dey Namen der Voreltern oder ^ar des Gevatterbeizulegen, ist noch in Italien vorherrschend. Dieser Gebrauch — von welchem m der Bibel einige Spur zu finden (1 B. Mos. 11. 25. 26. 1- Ären. 5. 35. 36. ',6, 7. 8. 7. 20. Vgl. 5. 14l_. 15, 30. 31.), und der als Ursache der doppelten oder dre^ fache« von Dielen geführren Namen zu betrachten ist -4 scheiyr mix^nüt slnrecht von Hrn. Rabb. Schott als lln- L,

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